Sandplatztennis

Waskes Welt: Tipps für den Wechsel von Halle auf Sand

Der Frühling ist da, die Außenplätze geöffnet. Was muss man beachten beim Wechsel von Halle auf Sand? Unser Kolumnist Alexander Waske, Ex-Profi und Trainer, weiß es! Lesen Sie seine Tipps. 

Eins muss ich vorwegschicken: Mein Lieblingsturnier sind die BMW Open in München, nicht nur weil ich dort zweimal im Viertelfinale stand und 2006 im Doppel mit Andrei Pavel den Titel holte. Ich liebe den Club, die Atmosphäre. In München habe ich immer über meine Verhältnisse gespielt. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Anlage am Englischen Garten in 600 Meter Höhe liegt. Die Bälle fliegen schneller. In Hamburg auf Meeresniveau habe ich keinen Blumentopf gewonnen. Hamburg war der Tod für mich. Der Untergrund war feucht und schwer.

Damit komme ich zu der ersten Feststellung: Asche ist nicht gleich Asche, wobei das für Amateure weniger entscheidend ist als für Profis. Obwohl ich mit meinem Spiel in der Halle am erfolgreichsten war, spüre ich jetzt, im Frühling, dieses besondere Gefühl. Sand ist geil, schon der Geruch. Es ist für die Freizeit- und Meden­spieler der wichtigste Belag, weil bald – auch für viele meiner Schüler – die Liga startet. Sand bietet viel mehr Möglichkeiten als dieses Gehacke auf Teppich, wo die Bälle so flach abspringen, wo es keine Rallys gibt. Aber: Von der Halle auf Sand zu wechseln, ist auch die größte Herausforderung. Man muss sich an den Boden gewöhnen, mit dem Wind, mit der Sonne arbeiten.

Meine Lieblingsübung zu Beginn der Saison, die übrigens auch Andrea Petkovic fleißig absolviert: das Netz in der Mitte aushebeln und dort die Netzstützen positionieren. Dadurch ist das Netz rund 15 Zentimeter höher. Es geht darum, bei den Ballwechseln Höhe zu gewinnen, dabei mit Spin lang an die Grundlinie zu spielen. Probieren Sie es aus! Das Verrückte: Das Netz wird plötzlich zum Feind Nummer eins. Man nimmt es visuell komplett anders wahr. Aber: Es hilft.

Nächstes Thema: Beinarbeit. Viele glauben, sie muss auf Sand besser sein, was nicht stimmt. In der Halle ist es sehr wichtig, dass die Beinmuskulatur kräftig ist. Man steht tief, braucht Stabilität im Rumpf. Auf Sand kommen die Bälle langsamer auf einen zu, man muss selbst die Beschleunigung generieren.  Ideal in der Vorbereitung ist das Intervall-Training. Wichtig ist, dass sich der Puls nach Phasen der Anstrengung in 25 Sekunden wieder beruhigt, so viel Zeit bleibt vor dem nächsten Aufschlag. Mit hohem Puls ist es unmöglich, sich zu fokussieren.

So funktioniert das Training offcourt, nachdem man sich zehn Minuten eingelaufen hat:

3 Minuten laufen, Tempo etwas schneller als beim Joggen

1,5 Minuten locker traben

2 Minuten laufen, Tempo: etwas schneller als vorher bei dem Drei-Minuten-Lauf

1,5 Minuten traben

1 Minute laufen mit 90 Prozent Intensität.

Anschließend kommt eine Pause von drei Minuten, in der man geht, um in Bewegung zu bleiben – Stichwort: „Aktive Regeneration“. Fitte Spieler wiederholen das Ganze dreimal, die nicht so fitten zweimal. Alternative auf einer 400-Meter-Bahn: 100 Meter Sprint, die Kurve locker laufen, dann wieder 100 Meter sprinten – insgesamt 8 mal 2 Sprints mit dreiminütiger Serienpause. 2-3 Sätze, je nach Fitnesszustand.

Auf dem Platz geht meine Lieblingsübung so: Ich spiele Bälle aus dem Halbfeld aus dem Korb zu, auf der anderen Seite an der Grundlinie stehen zwei Spieler. Jeder spielt 16 Bälle Vor- und Rückhand. Den Rhythmus passe ich so an, als würde ein Spieler auf der anderen Seite an der Grundlinie stehen. Anschließend rennt Spieler A um den Platz und Spieler B ist dran. Die Übung wird sechsmal wiederholt. Bei nicht so fitten Spielern spiele ich acht bis zehn Bälle pro Einheit an.

Wichtig zur Prophylaxe, wenn es losgeht auf Sand: Trainieren Sie den hinteren Teil der Oberschenkelmuskulatur und den unteren Rücken. Es kann schnell mal ‘Peng’ machen nach der Winterpause, wenn man das vernachlässigt. Und wie schade wäre das in der schönsten Zeit des Jahres.