Daniel Köllerer

Daniel Köllerer: „10 Prozent der Spieler sind gedopt“

Im Interview mit der Zeitung tz äußerte sich der lebenslang gesperrte Österreicher Daniel Köllerer über Spielmanipulationen und Doping im Tennis.

 

Im Interview mit der Münchener Zeitung tz sprach der lebenslang gesperrte Österreicher Daniel Köllerer über Spielmanipulationen und Doping im Tennissport. „Mir ist für eine Niederlage in der ersten Runde der French Open erheblich mehr Geld angeboten worden, als ich bei einem Sieg kassiert hätte“, sagte der 35-Jährige. Köllerer war am 31. Mai 2011 aufgrund von Spielmanipulationen in drei Fällen lebenslang gesperrt worden und zu einer Geldstrafe von 100.000 US-Dollar verurteilt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS bestätigte ein Jahr später, am 23. März 2012, die lebenslange Sperre, hob allerdings die Geldstrafe auf. Seitdem darf der Österreicher keine offiziellen Tennisturniere bestreiten.

Daniel Köllerer: „Sobald ein Grand-Slam-Sieger öffentlich überführt würde, ist der Sport am Ende”

Auf die Frage, warum nur wenige Fälle von Spielmanipulationen öffentlich werden, sagte Köllerer. „Weil Topstars darin verwickelt sind. Sobald ein Grand Slam-Sieger öffentlich überführt würde, ist der Sport am Ende. Siehe Radsport.“ Auch bezüglich Doping im Tennissport sieht er ein ähnliches Vorgehen. „Das funktioniert genauso. Positive Proben gibt es aber nur sehr vereinzelt. Zumindest öffentlich. Es gibt Grand Slam-Sieger mit schweren Verletzungen, die auf einmal einige Wochen ‚verletzt‘ von der Bildfläche verschwinden und dann sofort wieder große Turniere gewinnen. Für mich etwas eigenartig, aber wenn man solche Spieler offiziell sperrt, ist der Tenniszirkus genauso abgeschrieben wie der Radsport.“

Köllerer glaubt, dass zehn Prozent der Spieler bei einem Grand-Slam-Turnier gedopt seien und meint im Gegensatz zur oft verbreiteten Meinung, dass Doping im Tennissport nichts bringe: „Totaler Schwachsinn. Durch bestimmte Substanzen kann man die Erholung extrem beschleunigen. Und die Erholung ist in der Knochenmühle des Turnierkalenders der entscheidende Faktor.“ Trotz seiner lebenslangen Sperre ist Köllerer, der gelegentlich Tennistraining gibt, von seinen Fähigkeiten als Tennisspieler überzeugt. Sein aktuelles Niveau beschreibt er wie folgt: „Ein Future-Turnier könnte ich problemlos gewinnen.“