Die Niederlage 1995 bezeichnet Becker als die Schlimmste

Die Niederlage 1995 bezeichnet Becker als die SchlimmsteBild: AFP/SID/PASCAL GUYOT

Das SID-Kalenderblatt am 30. April: Becker kassiert seine „schlimmste Niederlage“

Köln (SID) – Boris Becker hat in seiner Karriere viel gewonnen: 49 Turniere, darunter dreimal in Wimbledon, zweimal die Australian und einmal die US Open. Er hat aber – und das gehört zum Leben als Tennisprofi dazu – auch oft verloren. Seine „schlimmste Niederlage“, so nannte Becker sie später trotz der Pleite im Wimbledon-Endspiel 1991 gegen Michael Stich, kassierte er am 30. April 1995 im Finale von Monte Carlo. Auf dem ungeliebten Ascheplatz.

Zwei Matchbälle hatte Becker damals, zwei Chancen auf den ersten Sandsieg seiner so erfolgreichen Laufbahn. Und wären die Tennisgötter damals auf seiner Seite gewesen, wäre sein brutal riskanter zweiter Aufschlag nur um wenige Zentimeter früher ins Feld geflogen, dann hätte Becker nicht mit diesem Makel leben müssen, den er bis zu seinem Karriereende 1999 nicht mehr ausgleichen konnte: Unter den 49 Turniersiegen findet sich kein einziger auf Sand.

Damals im Fürstentum war Becker so nah dran wie nie zuvor und niemals danach. Die ersten beiden Sätze gegen den Österreicher Thomas Muster, zu dieser Zeit der alles überragende Spieler auf Sand, gewann Becker 6:4, 7:5. Muster war geschwächt von seinem Halbfinale gegen Andrea Gaudenzi aus Italien, nach dem er im Krankenhaus behandelt werden musste, doch er war ein Kämpfer und Becker an diesem Tag sein Endgegner. Aufstecken kam für Muster nicht infrage.

Es ging in Satz vier und dort in den Tiebreak. Bei 6:4 hatte Becker Matchball bei eigenem Aufschlag und verfehlte sein Ziel denkbar knapp. Muster holte sich den Satz und schließlich – mit 6:0 im Fünften – auch das Match, was Becker so sehr wurmte, dass er sich zumindest indirekt in Dopingvorwürfe verstieg. Die ATP bestrafte ihn dafür mit einer Buße von 20.000 US-Dollar, was Becker damals wohl verschmerzen konnte – anders als die ausgelassene Chance.

Einen Sandplatztitel hätte Becker wirklich gerne gewonnen, und so schlecht wie es im Rückblick erscheint, war er auf Asche gar nicht. Dreimal stand er bei den French Open im Halbfinale, dreimal in Monte Carlo im Finale, und auch in Rom und Hamburg fehlte ihm nur ein Sieg zum Triumph. Der gelang ihm auf Sand immerhin im Doppel an der Seite von Michael Stich: 1992 gewann das deutsche Duo Gold bei den Olympischen Spielen in Barcelona.