Wimbledon: Graf gewinnt 1989 am selben Tag wie Becker

Wimbledon: Graf gewinnt 1989 am selben Tag wie BeckerBild: AFP/SID/-

9. Juli 1989: Becker und Graf gewinnen in Wimbledon

Köln (SID) – In den Tagen zuvor hat es unaufhörlich geregnet. Keiner dieser kräftigen englischen Landregen, aber immer wieder nieselt es, und ein fast schwereloser feuchter Teppich legt sich über das heilige Grün. Kein Wetter für Rasentennis, und ein Dach hat der Centre Court von Wimbledon, dieses mythische, stets ein wenig düster wirkende, sagenumwobene Bauwerk in London SW19 damals noch nicht. Immerhin liegt die Geschichte ja auch schon 32 Jahre zurück.

Kurzum: Am 8. Juli 1989, einem Samstag, kann nicht gespielt werden. Steffi Graf und Martina Navratilova, die beiden Finalistinnen im Dameneinzel, brechen nach endlosen Stunden des Wartens ihre Zelte auf der Anlage ab und kehren in ihre Häuser zurück. Boris Becker und Stefan Edberg haben die ihren gar nicht erst verlassen, ihr Finale ist ohnehin erst für Sonntag angesetzt.

An jenem 9. Juli 1989 hat der exzentrische englische Wettergott dann ein Einsehen. Es ist kein strahlender Sonnentag, aber die Plätze sind trocken, der finale Showdown kann über die Bühne gehen, und er dauert gar nicht mal so lange. Um 15.40 Uhr deutscher Zeit ist Teil eins beendet: „Game, set, match Miss Graf.“ Keine drei Stunden später wieder die magische Formel: „Game, set, match Becker.“ Gemeinsam haben die Königskinder des deutschen Tennis, damals 20 und 21 Jahre alt, ihr Gipfelkreuz errichtet.

Es ist in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag. Steffi Graf, die Beherrschte, Unterkühlte ringt die große Navratilova mit ungezügelter Leidenschaft und deutlich sichtbaren Emotionen nieder. Nach dem Matchball zum 6:2, 6:7, 6:1 sitzt Steffi Graf schluchzend auf ihrem Stuhl, und als sie den Silberteller für die Fotografen in die Höhe reckt, hat sie immer noch feuchte Augen.

Die Tränen kommen Boris Becker zwar nicht, aber zu einem Lächeln mag sich der eigentlich so hochemotionale Champion auch nicht hinreißen lassen. Der Mann, der in Wimbledon die Becker-Faust und den Becker-Hecht erfand, der die Menschen mit seiner ungezügelten Wildheit und seinen offen ausgelebten Gefühlen auf dem Platz fasziniert, wirkt an diesem Tag noch um einige Grad kühler als der ohnehin stets überdisziplinierte Stefan Edberg.

Als Becker mit einem Service-Winner das 6:0, 7:6, 6:4 perfekt gemacht hat, hockt er endlose Minuten lang in sich zurückgezogen auf seinem Stuhl, faltet die Hände und blickt zum Himmel – vielleicht ahnt er da schon, dass sein dritter zugleich sein letzter Wimbledon-Titel bleiben sollte. Die Wolken haben sich mittlerweile dick und schwarz über dem Centre Court zusammengerottet, genau fünf Minuten nach dem Matchball setzt der Regen ein.