Gabriela Sabatini

BUENOS AIRES, ARGENTINA - FEBRUARY 16: Former argentinian tennis player Gabriela Sabatini smiles during the trophy ceremony after Casper Ruud of Norway won the Men's Singles Final match against Pedro Sousa of Portugal as part of day 7 of ATP Buenos Aires Argentina Open at Buenos Aires Lawn Tennis Club on February 16, 2020 in Buenos Aires, Argentina. (Photo by Marcelo Endelli/Getty Images)

Gabriela Sabatini: Die Perle der Pampas

Gabriela Sabatini galt als Sex-Symbol der 80er- und 90er-Jahre. Die „göttliche Argentinierin” wusste sich als Marke zu inszenieren. Heute vor 30 Jahren gewann sie bei den US Open ihren einzigen Grand Slam-Titel. 

Erschienen in der tennis MAGAZIN-Ausgabe 6/2020

Die Haut: nussbraun. Der Körper: verschwitzt. Der Blick: feurig. Die Spielweise: aufregend. Der Gang: wie John Wayne. Die Stimme: rauchig. Die Aura: unnahbar. Wer den Tennissport in den 80er- und 90er-Jahren verfolgte, der kam an ihr nicht vorbei. Gabriela Sabatini war das große Sexsymbol im weißen Sport der damaligen Zeit. Zahlreiche Männerherzen brachte sie zum Schmelzen. Auch knapp 25 Jahre nach ihrem Rücktritt bleibt die Argentinierin im kollektiven Gedächtnis – und sie ist schön wie eh und je. Sabatini hat das geschafft, was nach ihr nur wenigen Spielerinnen gelungen ist. Sie hat sich zu einer globalen Marke entwickelt. Eine Parfümserie trägt seit mehr als 30 Jahren ihren Namen. Sogar eine Rosenzüchtung ist nach ihr benannt.

Gabriela Sabatini

Wunderkind: Mit 15 Jahren zog Sabatini erstmals in die Top Ten ein und blieb dort zehn Jahre lang.

Am 16. Mai 1970 kam Gabriela Beatriz Sabatini in Buenos Aires zu Welt. Ein Name, der wie ein feiner Wein oder eine magische Melodie klingt, wenn man ihn ausspricht. Es gab viele klangvolle Bezeichnungen, um Sabatini zu charakterisieren. Die göttliche Argentinierin. Gorgeous Gaby. Oder die Perle der Pampas. Sabatini ist ausgezogen, um die beste Spielerin ihres Landes sowie von ganz Südamerika zu werden. Wenn der Begriff Wunderkind gerechtfertigt ist, dann auf jeden Fall bei ihr.

Sabatini spielt sich in die Rekordlisten

Nach Erfolgen bei den Juniorinnen, mit dem Sieg bei den French Open sowie beim prestigeträchtigen Orange Bowl, wechselte sie als Nummer eins der Welt im Jahr 1984 zu den Profis. Sabatini spielte sich zügig in diverse Rekordlisten. Erstes WTA-Finale mit 14 Jahren. Jüngste Halbfinalistin bei den French Open mit 15 Jahren und wenigen Tagen. Erster WTA-Titel mit 15 Jahren und fünf Monaten. Nur acht Spielerinnen waren bislang jünger. „Wenn ich jemals gegen eine 14- oder 15-Jährige verlieren sollte, würde ich sofort auf dem Platz sterben“, sagte die US-Amerikanerin Pam Shriver, bevor sie gegen die 14-jährige Argentiniern verlor. Es waren nicht nur die frühen Erfolge, mit der Sabatini Eindruck hinterließ, sondern vor allem ihre Spielweise, die es im Damentennis zuvor so noch nicht gegeben hatte. 

Gabriela Sabatini

Gefürchtet: Sabatini gehörte zu den besten Aufschlägerinnen ihrer Zeit. Ihre Aufschlagbewegung war unnachahmlich. Im Laufe ihrer Karriere avancierte sie zu einer Serve-and-Volley-Spezialistin.

Sie war eine komplette Spielerin, die jeden Schlag traumwandlerisch sicher beherrschte, sogar den Ball durch die Beine, ihren persönlichen „Saba-tweeny“. Mit ihren hohen Topspinbällen auf Vor- und Rückhand sowie ihrem Slice-Aufschlag bereitete sie ihren Gegnerinnen Kopfzerbrechen. „Es war so hart und so viel Arbeit, gegen ihre Schläge zu spielen. Gaby war grandios. Sie war so früh schon so gut“, sagte Chris Evert. Es war nicht nur ihre begeisternde Spielweise, sondern vor allem ihr Äußeres, das Sabatini zum Weltstar machte. 

Angebliche Romanzen mit Michael Bolton und Donald Trump

Sabatini, die von von der französischen Zeitung Le Sport als die „Sportlerin mit dem meisten Sex-Appeal“ bezeichnet wurde, war sich ihrer Wirkung auf die Männerwelt stets bewusst. „Ich bevorzuge es, auch für meine Schönheit und andere Qualitäten Wertschätzung zu erfahren, als nur als Tennis-Champion gesehen zu werden“, äußerte sie sich in jungen Jahren selbstbewusst. Zahlreiche Affären und Romanzen wurden ihr nachgesagt, darunter mit ihrem Kollegen Guillermo Perez-Roldan, dem Schmusesänger Michael Bolton und sogar dem heutigen US-Präsidenten Donald Trump. Die große Liebe schien es damals nie gewesen zu sein. Im Jahr 1993 gestand sie: „Ich war nie verliebt. Ich freue mich darauf. Es muss ein tolles Gefühl sein, aber mir ist es bislang noch nicht passiert. Ich hätte gerne jemand Besonderen, der mich liebt als Person und nicht für das, was ich darstelle.“

Gabriela Sabatini

Freizügig: Sabatini spielte gerne mit ihren weiblichen Reizen. Die große Liebe hat sie bis heute anscheinend noch nicht gefunden.

Sabatini ging in die Tennis-Annalen ein als sogenannte Kronprinzessin – eine der besten Spielerinnen, die es nie auf Platz eins in der Weltrangliste schaffte. Bis auf Platz drei im WTA-Ranking rückte sie vor. Von ihren 18 Grand Slam-Halbfinals gewann die Argentinierin nur drei. Bei den French Open 1992 hätte sie mit einem Titelgewinn die Nummer eins werden können. Sie unterlag Monica Seles im Halbfinale nach einer 4:2-Führung im dritten Satz.

Gabriela Sabatini legt Seelenstriptease hin

Im Jahr 2013 legte sie einen Seelenstriptease hin, dass sie in den frühen Jahren ihrer Karriere beinahe am Ruhm und dem öffentlichen Druck zerbrochen wäre. Ihre große Schüchternheit machte ihr zu schaffen und verhinderte noch größere Erfolge. „Als ich jung war, habe ich einige Male absichtlich im Halbfinale verloren, nur um nicht mit der Presse sprechen zu müssen. Ich habe den ersten Satz verloren, danach habe ich das Match quasi weggeworfen“, gestand sie im Interview mit der argentinischen Tageszeitung La Nacion. „Ich glaube, dass diese Scheu etwas damit zu tun haben könnte, dass ich nicht die Nummer eins geworden bin. Mit dem Ruhm hätte ich große Schwierigkeiten gehabt. Es war nicht das, was ich wollte. Es war nicht die Nummer eins an sich, sondern das, was damit verbunden gewesen wäre“, sagte sie.  

Gabriela Sabatini, US Open 1990

Königin von New York: Bei den US Open 1990 gewann Sabatini ihren einzigen Grand Slam-Titel. Ihre Finalgegnerin: Steffi Graf. „Ich werde nie den letzten Schlag vergessen. Es war ein heißes und ermüdendes Match. Ich habe alles in diesen letzten Schlag gelegt“, sagte sie hinterher.

Sabatini stand allerdings nicht nur die Schüchternheit im Weg, sondern auch ihre langjährige Rivalin Steffi Graf. Von 40 Duellen mit der Deutschen gewann sie zwar elf, aber bei den zwölf Vergleichen auf Grand Slam-Ebene siegte die Argentinierin nur einmal – als sie 1990 bei den US Open ihren einzigen Grand Slam-Titel gewann. 

Sabatini und ihr besonderes Verhältnis zu Steffi Graf

Besonders schmerzhaft war die Niederlage im Wimbledonfinale 1991. Sabatini schien nach fünf Siegen in Folge den Graf-Code geknackt zu haben. Im Endspiel servierte sie zweimal zum Titel, war nur zwei Punkte vom Sieg entfernt. Doch wieder einmal war es letztendlich Graf, die ein wichtiges Match gewann. Auf dem Platz waren die beiden Konkurrentinnen, neben dem Platz entstand zwischen den beiden, die einige Jahre erfolgreich Doppel zusammen spielten, eine Verbundenheit. Auch Sabatini entschied sich, genauso wie die Deutsche, nach ihrer Karriere ein wenig öffentliches Leben zu führen. Sie wohnt mittlerweile die meiste Zeit in der Schweiz in der Gemeinde Pfäffikon. Es war schließlich Graf, die im Jahr 2006 die Einführungsrede für Sabatini in die Tennis Hall of Fame hielt. „Athletisch, graziös, ehrlich und loyal zu sein, kann alles in einem Namen zusammengefasst werden: Gaby“, sagte Graf bei Sabatinis Aufnahme in die Ruhmeshalle des Tennissports. 

Gabriela Sabatini, Steffi Graf

Rivalinnen und Partnerinnen: Sabatini spielte zu Anfang ihrer Profikarriere regelmäßig Doppel mit Steffi Graf – und das überaus erfolgreich. Die beiden erreichten dreimal das Finale bei den French Open und gewannen 1988 in Wimbledon.

Die Karriere der Argentinierin endete bereits im Alter von 26 Jahren. Im Oktober 1996 spielte sie in Zürich ihr letztes Match, als sie Jennifer Capriati unterlag. Es war nicht nur eine Bauchmuskelverletzung, die zum vorzeitigen Karriereende führte, sondern vor allem ihre mangelnde Motivation. „Während der letzten Jahre meiner Karriere habe ich gelitten. Und wie ich gelitten habe. Ich bin morgens aufgewacht und dachte: ‘Oh mein Gott, ich muss trainieren und ich will das nicht wirklich.’ Mir ging es miserabel, aber ich wusste nicht, was es war. Also habe ich einen Psychologen aufgesucht, der mir sagte: ‘Du gehst entweder in diese Richtung – Tennis. Oder in jene Richtung – ein neues Leben. Es hängt von dir ab.’ Ich begriff, dass ich in ‘jene Richtung’ gehen möchte. Weg vom Tennis, was ich begann zu hassen“, sagte sie nach ihrem Karriereende. 

Liebeserklärung ans Tennis

Auf der Tennisbühne tritt Sabatini genauso wie Steffi Graf nur noch sehr selten in Erscheinung. Die Argentinierin pflegt ihre Hobbys und unterstützt viele Wohltätigkeitsveranstaltungen. Sie versuchte sich 1998 sogar als Sängerin. Ihre 24-jährige Nichte Oriana ist in dieser Branche ein Superstar in Argentinien. Auf ihre Parfümlinie, die 1989 auf den Markt kam, ist Sabatini besonders stolz. „Ich war eine sehr introvertierte Person. Es war nicht einfach, mich anderen anzuvertrauen. Tennis hat mich in Kontakt gebracht mit so vielen positiven Dingen, die ich ohne Tennis wohl nie erfahren hätte“, sagte sie, als sie 2006 in die Tennis Hall of Fame aufgenommen wurde.

Gabriela Sabatini

Lässig: Sabatini ist bis heute ein gefragtes Fotomodel. Hier bei einem Shooting auf einer Harley Davidson im Jahr 1995 beim WTA-Turnier in Miami.

„Ich bin überzeugt, dass Tennis nicht nur ein Sport ist. Es gibt dir die Chance, deinen Verstand zu öffnen. Es hilft dir, zu wachsen und früh erwachsen zu werden. Es hilft dir, Hindernisse zu überwinden. Alles, was ich im täglichen Leben anwenden kann. All diese Dinge haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Daher bin ich diesem Sport so dankbar“, machte sie ihrem Sport eine Liebeserklärung. Mit 50 Jahren wirkt Sabatini immer noch jugendlich schön. Es scheint so, als ob sie gerade erst aufgehört hätte. Einen veganen Lebensstil, wie man vermuten könnte, führe sie allerdings nicht. Ihr Erfolgsrezept für ihr jugendliches Aussehen: „Ich bin Argentinierin. Ich esse Fleisch, viel Fleisch.“ 

Vita Gabriela Sabatini

Die Argentinierin, die am 16. Mai 50 wurde, ist bis heute die erfolgreichste Spielerin aus Südamerika in der Open Era. Sie gewann 27 Turniere im Einzel, 14 davon als Teenagerin, und erreichte Platz drei in der Weltrangliste. Bei den US Open 1990 holte sie ihren einzigen Grand Slam-Titel im Einzel. Mit Steffi Graf triumphierte sie 1988 in der Doppelkonkurrenz in Wimbledon. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann sie die Silbermedaille. 2006 wurde Sabatini, die bereits mit 26 Jahren ihre Karriere beendete, in die Tennis Hall of Fame aufgenommen.