192391.jpg

Kühnen: „Es war ein gutes, ein erfolgreiches Jahr“

Auch wenn das deutsche Tennis in der vergangenen Woche eher zweifelhafte Schlagzeilen produziert hat, fällt das Fazit von Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen für das Jahr 2007 positiv aus. Im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) stellte der 41-Jährige fest: „Es war ein gutes, ein erfolgreiches Jahr.“

sid: „Was sagen Sie zu den Schlagzeilen, die das deutsche Tennis in den letzten Tagen produziert hat?“

Patrik Kühnen: „Es macht mich traurig, dass am Ende eines so erfolgreichen Jahres in dieser Weise über das deutsche Tennis gesprochen wird. Wir waren erstmals seit zwölf Jahren wieder in einem Davis-Cup-Halbfinale, umso mehr schmerzt jetzt diese Außendarstellung.“

sid: „Halten Sie denn Wettmanipulation im Tennis grundsätzlich für möglich?“

Kühnen: „Der Sport ist heutzutage Big Business, da geht es um Millionen. Deshalb sollte man nie ausschließen, dass Manipulation möglich ist. Ich lege aber großen Wert auf die Feststellung, dass es kein tennisspezifisches Problem ist. Jeder Sport ist anfällig dafür, das ist ganz einfach eine globale Problematik.“

„ATP und ITF müssen handeln“

sid: „Sind Sie zu Ihrer aktiven Zeit damit konfrontiert worden?“

Kühnen: „Zu meiner Zeit gab es das in dieser Form nicht. Ich zumindest bin nie damit in Berührung gekommen. Allerdings habe ich auch in den Jahren nach meiner Karriere nie erlebt, dass sich ein Spieler in der Players Lounge oder der Umkleidekabine in irgendeiner Weise damit beschäftigt.“

sid: „Muss der Deutsche Tennis Bund aus Ihrer Sicht in irgendeiner Weise reagieren?“

Kühnen: „Der DTB meiner Meinung nach nicht, in erster Linie sind die ATP und der Weltverband ITF gefragt. Die so genannte Watch List der ATP mit den 140 verdächtigen Matches liegt dem DTB gar nicht vor. ATP und ITF müssen handeln, aber wenn der DTB unterstützen und bei der Aufklärung helfen kann, so wird er das tun.“

sid: „Das zweite nicht weniger brisante Thema war der vermeintliche Giftanschlag auf Tommy Haas in Moskau. Was sagen Sie dazu?“

Kühnen: „Also, ich muss gestehen, diese Theorie hat mich schon sehr überrascht. Auch hier gilt: Wir müssen uns an konkreten Fakten orientieren, und die sind eigentlich nicht vorhanden. Ich habe mit unserem Mannschaftsarzt Dr. Erich Rembeck mehrfach über die Angelegenheit gesprochen, auch in Moskau haben wir uns natürlich sehr intensiv über Tommys Symptome unterhalten, die alle auf einen normalen Magen-Darm-Virus hingedeutet haben. Für einen konkreten Verdacht gab es nach Aussage von Dr. Rembeck keinerlei Anhaltspunkte.“

sid: „Zum Sport: Wie Sie schon sagten, war eine deutsche Davis-Cup-Mannschaft zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder ganz dicht am Finale. Geht das nächstes Jahr wieder?“

Kühnen: „Ich denke schon. Ich bin mit der Auslosung zufrieden, und obwohl wir die Koreaner sicher nicht auf die leichte Schulter nehmen werden, sind wir von der Papierform her natürlich favorisiert. Auch in der zweiten Runde haben wir die Chance auf ein Heimspiel, aber das ist eigentlich schon zu weit vorgegriffen.“

„Wir werden definitiv wieder eine gute Mannschaft haben“

sid: „Wie wird die deutsche Mannschaft 2008 denn aussehen?“

Kühnen: „Es wird definitiv wieder eine gute Mannschaft sein, die sich weitgehend aus dem gleichen Kreis zusammensetzt wie 2007. Darüber hinaus hat sich Michael Berrer in den letzten Wochen nach vorne gespielt, und auch Nicolas Kiefer gehört selbstverständlich zu diesem Kreis.“

sid: „Was sagen Sie zum Comeback von Nicolas Kiefer?“

Kühnen: „Es freut und überrascht mich, dass er nach einer so langen Pause in so kurzer Zeit wieder unter die Top 50 der Welt vorgestoßen ist. Seine spielerischen Qualitäten stehen ja ohnehin außer Frage.“

sid: „Wie fällt Ihr generelles Fazit des Jahres 2007 aus?“

Kühnen: Es war ein gutes, ein erfolgreiches Jahr. Einige Spieler haben sich nach oben gearbeitet und haben beste Chancen, in der Weltrangliste noch weiter nach vorne zu kommen. Die Erfolge des Davis-Cup-Teams, das übrigens auch in Moskau für unglaubliche Spannung gesorgt hat, beflügeln natürlich das große Ganze. In der Weltrangliste der ITF hat sich Deutschland in einem Jahr von Platz 17 auf Platz sechs verbessert. Das ist ein Riesenschritt, den wir uns hart erarbeitet und deshalb auch verdient haben.“

sid: „Sehen Sie dem Jahr 2008 mit gemischten Gefühlen oder rundweg positiv entgegen?“

Kühnen: „Wir werden den Rückenwind der sportlichen Bilanz von 2007 ins nächste Jahr mitnehmen und hoffentlich auch den Teamgeist, der ein Schlüssel zum Erfolg war, weiter transportieren. Ich bin sicher, es wird ein gutes Jahr.“

air jordan 1 mid outlet | how many jordans do they release