Panna Udvardy

Schock für Panna Udvardy: Vor ihrem Match in Antalya wurden sie und ihre Familie bedroht. Bild: IMAGO

Massive Drohungen gegen WTA-Spielerin: „Bekam Panik in der Nacht“

Panna Udvardy aus Ungarn erhielt eine Entführungsdrohung auf ihr privates Handy und kritisiert nun das Sicherheitskonzept der WTA-Tour. 

So etwas will niemand auf seinem Handy lesen müssen. Panna Udvardy aus Ungarn, Nummer 95. der Weltrangliste, berichtet auf Instagram, sie habe kurz vor einem Match beim WTA-Turnier im türkischen Antalya eine einschüchternde Nachricht auf ihrem privaten Smartphone erhalten – inklusive Entführungsdrohung und Fotos ihrer Angehörigen.

 

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„Die Person drohte mir, meiner Familie etwas anzutun, falls ich mein heutiges Spiel nicht verlieren würde“, schrieb die 27-Jährige bei Instagram. Die Person habe demnach behauptet, zu wissen, „wo meine Familie wohnt, welche Autos sie fährt und dass sie ihre Telefonnummern hätte. Sie schickte sogar Fotos meiner Familienmitglieder und ein Bild einer Pistole“. Dazu wurde der Hinweis versendet, man habe „zwei Gruppen nahe Ungarn bereitstehen“ – falls es nötig sei.

Panna Udvardy: „Konnte nicht einschlafen“ 

Dem Web-Portal The Athletic schilderte Udvardy, dass sie die Nachricht mitten in der Nacht im Hotel erhalten hätte. „Ich bekam Panik und hatte große Angst“, sagte sie 27-Jährige. Sie leitete die Drohung sofort an ihre Eltern weiter und informierte außerdem die Turnieraufsicht sowie Verantwortliche bei der WTA-Tour. „Danach konnte ich zwei Stunden lang nicht schlafen.“ Von der Turnierleitung erfuhr sie, dass ähnliche Nachrichten offenbar bereits andere Spielerinnen erreicht hätten. Gleichzeitig sei ihr erklärt worden, man untersuche mögliche Lecks persönlicher Kontaktdaten, weil mehrere Profis zuletzt direkt über ihre privaten Telefonnummern kontaktiert worden seien.

Für Udvardy wirkte das Vorgehen der WTA-Tour wenig zielstrebig. „Ich hatte den Eindruck, dass die Situation etwas heruntergespielt wurde“, sagte sie The Athletic. Besonders beunruhigend für die Ungarin ist, dass Unbekannte offenbar Zugriff auf ihre privaten Kontaktdaten haben. „Sie haben meine Telefonnummer und viele persönliche Informationen – wer weiß, was diese Leute sonst noch alles über mich wissen“, sagte sie.

Udvardy erhielt von der WTA-Tour die Information, dass es sich bei dem Foto der Waffe um ein älteres Modell handeln würde. Das könnte eventuell darauf hindeuten, dass der Absender gar keine Schusswaffe besitzt. Für die Ungarin ändert das jedoch wenig: „Ich verstehe nicht, warum das die Situation besser machen soll.“

Panna Udvardy: Match mit Polizeischutz

Immerhin: Nach den Drohungen erhielt sie in der Türkei Polizeischutz, weil ihre Eltern zwischenzeitlich das ungarische Konsulat verständigt hatten. „Das Konsulat reagierte sehr schnell und schickte drei Polizeibeamte zu meinem Spiel, wofür ich sehr dankbar bin“, betonte Udvardy: „Die Polizei fuhr auch zu meinen Eltern und meiner Großmutter nach Hause, und nach dem Spiel erstattete ich hier in der Türkei offiziell Anzeige bei der Polizei.“

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Hassnachrichten an Tennisprofis – Das ungelöste Problem

Unter den Augen der Polizisten bestritt Udvardy das Viertelfinale gegen die Ukrainerin Anhelina Kalinina, das sie am Ende 6:7, 5:7 verlor. Anschießend betonte sie, dass sie stolz darauf sei, unter diesen Umständen überhaupt konkurrenzfähig gespielt zu haben. Nach der Niederlage wurde ich angeboten, während ihres Aufenthalts in Antalya dauerhaft von Sicherheitspersonal begleitet zu werden.

Udvardy ist mit ihren Erfahrungen nicht allein. Auch die Italienerin Lucrezia Stefanini berichtete jüngst von ähnlichen Drohungen, die ebenfalls ein Foto einer Waffe enthielten. Stefanini erhielt die Drohnachricht vor ihrer Niederlage in der Qualifikation von Indian Wells. Nach ihren Angaben reagierten WTA und Turnierleitung sofort mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen.

 

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In einer E-Mail erklärte die WTA später, es gebe bislang keine Hinweise auf ein offizielles Datenleck innerhalb der Organisation. Gleichzeitig bestätigte die Tour, dass das FBI an der Untersuchung zur Herkunft der Drohnachrichten beteiligt sei. Profis wurden aufgefordert, bedrohliche Nachrichten – egal ob über soziale Netzwerke oder private Telefone – umgehend an das Sicherheits-Team der WTA-Tour zu melden.

Panna Udvardy: „Darf nicht normal werden“

Für Udvardy zeigt der Vorfall, dass diese Drohungen gegen Tennisspielerinnen nun eine neue Eskalationsstufe markieren. Beschimpfungen aus anonymen Online-Accounts kenne sie bereits, sie stammen zu einem überwiegenden Teil von enttäuschten Wettern. „Aber eine Nachricht direkt auf mein persönliches Telefon habe ich noch nie bekommen“, betonte sie.

Sie fordert deshalb konsequentere Schutzmaßnahmen. „Warten wir erst darauf, dass etwas passiert, bevor wir handeln? So etwas darf nicht zur Normalität werden.“