Bandscheiben

Bandscheiben im Tennis: Wenn die Stoßdämpfer ausfallen

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Schnelle Rotationen mit dem Oberkörper sind typisch für Tennisspieler. Besonders die Bandscheiben werden dabei stark belastet und im Extremfall auch geschädigt. Zum Glück gibt es wirksame Therapien.

Text: Gabriele Hellwig

Wie wichtig die Bandscheiben sind, ­merken Tennisspieler meistens erst, wenn etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist. Typische Symptome sind dann Rückenschmerzen. Nils Hansen-Algenstaedt, Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist im OrthoCentrum Hamburg: „Die Schmerzen können zum Teil sehr stark sein und bis in das Bein strahlen – vor allem, wenn Nerven von der erkrankten Bandscheibe eingeklemmt werden.“

23 Bandscheiben hat jeder Mensch. Sie sitzen direkt in der Wirbelsäule, und zwar zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Ihre Aufgabe: Die Wirbelsäule vor zu großen Belastungen schützen. Sie dämpfen harte Stöße ab und ermöglichen Bewegungen der Wirbel­körper. Oft werden die Bandscheiben deswegen zu recht mit den Stoßdämpfern eines Autos verglichen: Wenn sie ausfallen, wird das Fahren äußerst unangenehm. 

Diagnose: Bandscheibenvorfall

„Beim Tennis sind insbesondere der Aufschlag und schnelle Drehbewegungen eine starke Belastung für die Wirbelsäule“, erklärt Hansen-Algenstaedt. Vor allem die Lendenwirbelsäule, die den unteren Teil der Wirbelsäule bildet, aber auch die obere Halswirbelsäule können dabei geschädigt werden. Das kann selbst dann passieren, wenn die Rumpfmuskulatur, die die Wirbelsäule schützt und stützt, gut trainiert ist. Auch Profispieler sind vor akuten Bandscheibenvorfällen nicht gefeit. Beispiel: die frühere Weltranglistenerste Simona Halep. Sie erhielt 2018 die niederschmetternde ­Diagnose: Bandscheibenvorfall!

Häufig sind chronische Über- oder Fehlbelastungen die Ursache für Bandscheibenschäden. Hansen-Algenstaedt: „Bei ständiger Überlastung – und zunehmendem Alter – verliert das elastische Gewebe der Bandscheibe an Flüssigkeit. Dadurch wird die Bandscheibe dünner und schwächer und ist ihrer Aufgabe als Stoßdämpfer nicht mehr so gewachsen wie früher. Die Wirbelgelenke werden einem stärkeren Druck ausgesetzt und nutzen sich ab.“

Es gibt zahlreiche Erkrankungen der Bandscheibe. Die häufigste ist die Bandscheibenvorwölbung (Protrusion). Sie gilt als Vorstufe für einen Bandscheibenvorfall (Prolaps). Hansen-Algenstaedt: „Jede Bandscheibe besteht aus einem Faserknorpelring und einem darin befindlichen weichen Gallertkern. Bei Überlastung verschleißt sich der Faserring, der Gallertkern verliert an Elastizität. So kann es zu einer Bandscheibenvorwölbung kommen, bei dem der Faserring sich über den Wirbelkörperrand hinaus wölbt.“ Eine Bandscheibenvorwölbung ist mitunter von starken Schmerzen begleitet, da die vorgewölbten Teile auf ­Nerven drücken können. 

Wenn ein Stückchen der Bandscheibe abreißt und sich in den Wirbelkanal verschiebt, spricht man von einem Bandscheibenvorfall, medizinisch Diskusprolaps genannt. Der Schmerz entsteht dadurch, dass die beschädigte Bandscheibe auf einen Nerv drückt oder diesen einklemmt. Im schlimmsten Fall kann es zu Lähmungserscheinungen in den Beinen und Füßen kommen. 

Konservative Therapie in meisten Fällen hilfreich

Ein Orthopäde kann eine Erkrankung der Bandscheiben gut diagnostizieren. Er überprüft die Beweglichkeit und führt einige neurologische Tests durch, um die Funktion der Nervenbahnen zu überprüfen. Zusätzlich veranlasst er in der Regel eine Röntgenuntersuchung sowie eine Kernspintomographie, auch Magnetresonanztomographie (MRT) genannt. Ein MRT kann weiche Strukturen wie Bandscheiben, Nerven­wurzeln und Rückenmark detailliert darstellen. Die Behandlung richtet sich nicht in erster Linie nach dem Befund, sondern wie stark die Schmerzen und Beschwerden sind. In 90 Prozent aller Fälle genügt eine konservative Therapie, um einen Bandscheibenvorfall erfolgreich zu behandeln. Denn der Körper baut vorgewölbtes Bandscheibengewebe meist innerhalb von wenigen Wochen ganz von allein ab. Schwellung und Entzündung bilden sich zurück und der Druck auf die Nerven schwindet. „Sofern keine neurologischen Ausfälle wie Lähmungen bestehen und die Schmerzen nicht zu stark sind, sollte zunächst immer eine nicht-operative Behandlung versucht werden“, bestätigt Experte Hansen-Algenstaedt. 

Am Anfang sind unter anderem schmerz- und entzündungshemmende Medikamente empfehlenswert. Bei stärkeren Schmerzen können auch ­Injektionen von örtlichen Betäubungsmitteln und Kortisonpräparaten neben die eingeengte ­Nervenwurzel helfen. Wichtig sind auch Physiotherapie und eine Stärkung der Muskulatur, sobald sich der Patient wieder schmerzfrei bewegen kann. Bei den Übungen werden Rücken- und Bauchmuskulatur gestärkt und die Bandscheiben entlastet. 

Bessern sich die Beschwerden trotz umfassender konservativer Therapie nicht, sollte eine Operation in Betracht gezogen werden. Zwar gibt es verschiedene OP-Verfahren, aber alle operativen Methoden haben das Ziel, den Bandscheibenvorfall möglichst vollständig zu entfernen, um damit dem eingeklemmten bedrängten Nerv wieder mehr Raum zu geben.

Dynamischer Bandscheibenersatz als Alternative 

Bei kleineren Vorfällen reicht es oft aus, den Vorfall mikro-chirurgisch oder minimal-invasiv zu entfernen. Bei größeren Vorfällen mit einem stark eingeklemmten Nerv, zählte früher die sogenannte Versteifung zum Standardverfahren. Hierfür wird ein Implantat in den Bandscheibenraum eingeführt. Dort wird er mit seiner Umgebung fest verankert. Der Nachteil: Der betroffene Wirbelabschnitt kann überhaupt nicht mehr bewegt werden. Außerdem werden die Anschlusssegmente sehr belastet, denn dieser Bereich der Wirbelsäule muss die Funktion des stillgelegten Wirbelsäulenabschnitts übernehmen. Folge: Überlastung und erneute Schäden an der Wirbelsäule.

Eine Alternative ist der moderne dynamische Bandscheibenersatz. Es handelt sich um eine spezielle Prothese, also einen künstlichen Ersatz für die verschlissene oder verletzte Bandscheibe. Mithilfe eines Operationsmikroskops entfernt der Arzt vorsichtig die beschädigte Bandscheibe. „Dann wird in den leeren Raum, der durch die Entfernung der Bandscheibe entstanden ist, die Bandscheibenprothese zwischen die Wirbelkörper platziert. Dort verankert sie sich durch metallene Fortsätze“, beschreibt Hansen-Algenstaedt den Eingriff. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule bleibt erhalten. Alle Wirbelgelenke werden gleich belastet. „Der dynamische Bandscheibenersatz eignet sich besonders für aktive Menschen, die viel unternehmen und auch regelmäßig Tennis spielen“, sagt Hansen-Algenstaedt.

Nach einer Bandscheiben-Operation sollte man sich etwa sechs Wochen lang schonen. Dann kann man die Gelenke wieder normal belasten und langsam mit dem Tennistraining beginnen. Hansen-Algen­staedt: „Wir entwickeln für jeden Patienten ein individuelles Trainingsprogramm, um gezielt die individuelle Rückenmuskulatur zu stärken.“