Stringster

Saiten-App „Stringster”: Die Frequenz der Frische

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Ein Unternehmen aus Hamburg hat die App „Stringster“ ­entwickelt, die mithilfe des Klangs die Qualität einer Saite ­bestimmen kann. tennis MAGAZIN hat das neue Tool getestet.

Jeder, der ambitioniert Tennis spielt und mit zwei Rackets zu einem Match antritt, kennt diese Prozedur: In jeder Hand hält man jeweils einen Schläger, dann haut man mit dem einen Rahmen auf die Saite des anderen und lauscht dem Klang der schwingenden Besaitung. Danach ist der andere Schläger an der Reihe. Auch bei ihm wird genau hingehört. Am Ende versucht man, über den Klang des Saitenbetts jenen Schläger mit der besseren Saite herauszu­hören. Mit dem stellt man sich schließlich dem Gegner. 

Auch wenn es für das menschliche Ohr schwer zu erfassen ist, ob die Schläger tatsächlich unterschiedlich klingen, ist dieser „Hörtest“ nicht aus der Luft gegriffen – ganz im Gegenteil. Dass Tennis­saiten je nach Bauart, Beschaffenheit des Rahmens und Zugkraft, mit der sie aufgezogen worden sind, unterschiedliche Frequenzen von sich geben, sobald man sie zum Schwingen bringt, ist bekannt. Der wissenschaftliche Nachweis dafür wurde 2001 erbracht, als der australische Physiker Rod Cross eine Studie zum Thema „Messung der Saitenspannung in einem Tennis­schläger“ veröffentlichte. Fazit: Mit dem richtigen Instrument lässt sich die Schwingungsfrequenz zur Spannungsmessung nutzen.

Über 200 Schläger- und Saiten-Modelle hinterlegt

Das Hamburger Unternehmen „sportsnext applications“ will mit seiner App namens Stringster nun das geeignete Mittel gefunden haben. Der Clou: Über das Handy-Mikrofon misst die App die Frequenz der Saite, die man dafür zum Schwingen bringen muss. Über hinterlegte Algorithmen errechnet die App den Qualitätszustand der Saite. Genauer: Sie erfasst eine „Rest-Elastizität“, die Aufschluss darüber geben soll, wie frisch die Saite noch ist. 

Stringster-App

Noch knackig: Nach dem dreiwöchigen Test hält die Stringster-App unsere Testsaite für gut.

Nun ist dieses Verfahren an sich nichts Neues. Es gibt schon lange Apps wie RacquetTune oder TennisTension, die auch per Klang den Zustand der Saite beurteilen. Stringster behauptet nun, exakter zu sein. Der Grund: Man kann während des Messvorgangs genau das Setting aus einer Datenbank auswählen. Über 200 Schläger- und 400 Saiten-Modelle sind dort hinterlegt, weil diese Komponenten natürlich maßgeblich Einfluss auf die Messung haben. Es wird bei den Saiten zwischen verschiedenen Durchmessern und Farben unterschieden. Jede auswählbare Saite wurde auf das tausendstel Gramm genau vermessen und spezifisch analysiert. Gleichzeitig entwickeln sich die hinterlegten Algorithmen mit jeder getätigten Messung weiter – Stichwort: Künstliche Intelligenz. 

Zuverlässig und unkompliziert

Wie genau ist aber nun die Saiten-Messung über den Klang mit der Stringster-App? tennis ­MAGAZIN machte den Test. Dafür wurde der Redaktion ein Stringster-Prototyp zur Verfügung gestellt. Drei Wochen lang wurden die Stringster-Werte mit den Messungen eines ERT 300 verglichen, einem in der Saitenindustrie anerkannten Standard-Messgerät. Am Ende waren die Abweichungen äußerst gering. Unser Fazit: Die Stringster-App arbeitet zuverlässig und ist für Tennisspieler eine gute Hilfe, um sich schnell und unkompliziert über den Zustand der eigenen Saite zu informieren. Negativ fiel nur auf, dass beim Start der App der Schriftzug der Saitenfirma Luxilon aufpoppt und Produkte dieses ­Herstellers empfohlen werden, wenn Stringster zu einer neuen Saite rät. Welche Rolle spielt Luxilon, das zur Tennis­marke Wilson gehört, in der App? 

Elmar Sperling

Hört auf seine Saiten: Der Hamburger ­Elmar Sperling, 58, hat die Stringster-App entwickelt.

Elmar Sperling, Erfinder der Stringster-App und Geschäftsführer bei  „sportsnext applications“, versichert: „Stringster ist komplett unabhängig. In der Entwicklungsphase haben wir vom Netzwerk von Luxilon und Wilson profitiert. Das bedeutet aber nicht, dass deren Produkte in der App besser abschneiden. Letztlich sind es nur Werbe­einblendungen.“ Geht es nach Sperling, soll Stringster zum „globalen Mess-Standard für Tennis­saiten“ werden. Seine Zukunftsvision geht noch weiter: „Als eine Art Airbnb für Besaitungsleistungen wollen wir den Markt beleben.“ Heißt: Über die App soll man bald Besaiter finden und kontaktieren können – egal, wo man sich befindet. Für den Start ­seiner App wünscht er sich: „Wir wollen das Thema Besaitung transparent und nahbar machen.“ Dafür eignet sich Stringster optimal. 

Die Stringster-App im Schnell-Check

+ leichte Handhabung, ansprechendes Design, schneller Messvorgang
+liefert verlässliche Informationen zum Zustand der Saite
+ speichert Messdaten unterschiedlicher Schläger
+ basiert auf der Datengrundlage von 200 Schläger- und 400 Saiten-Modellen 

– Einblendung der Saitenfirma Luxilon und Empfehlung ihrer Produkte ist verwirrend
– In der Free-Version werden keine ­kg-Werte für die Messungen angezeigt

Stringster

Infos Zur Stringster-App

Die neue App zum Checken des Saitenzustands gibt es als freie und als kostenpflichtige Version. In der Stringster-Free-App lassen sich maximal zwei Schlägerprofile anlegen, mit denen man unbegrenzt Saiten-Messungen vornehmen kann – allerdings ohne Angabe der kg-Werte. Die Stringster-Plus-App kostet 9,99 Euro im Jahr, 6,99 Euro für eine Saison (sechs Monate) oder 1,99 Euro für einen Probemonat. In der Voll-Version werden auch die kg-Werte angezeigt. Zusätzlich kann man so viele Schlägerprofile anlegen, wie man will. Außerdem lässt sich in der Plus-Variante genau das Saiten-Modell auswählen, das man auf dem Schläger hat – in der kostenlosen Stringster-App ist das nicht möglich. Beide Versionen stehen für Android-Nutzer und Apple-User zum Download im Google Play- und im Apple App-Store bereit.
Infos: www.stringster.net