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Schlägerwahl für Senioren: Darauf müssen Sie achten

Der Kauf eines Rackets ist ein sensibles Thema. Auch im Senioren-Bereich bewirken kleine Veränderungen oft große Verbesserungen. Unser Experte mit den wichtigsten Tipps.

Wenn es um das eigene Racket geht, verstehen die meisten Spieler keinen Spaß. Hat ein Akteur sein Wohlfühlgefühl gefunden, behandelt er seinen Schläger fast wie ein Familienmitglied. Veränderungen an wichtigen Eigenschaften werden selten vorgenommen. Auch nicht im fortgeschrittenen Tennisalter. Genau dann können Veränderungen am Material aber helfen, das Spiel- und Körpergefühl signifikant zu verbessern. Generell gibt es eine große Bandbreite an Schlägern für Senioren. Aktive sollten sich nicht blenden lassen. Die schwindende körperliche Fitness und die weniger werdende Schnelligkeit im Arm und in den Beinen müssen berücksichtigt werden.

Gemeinsam mit unserem langjährigen Experten Alexander Schepp haben wir fünf wesentliche Elemente unter die Lupe genommen und beschreiben, welche Anpassungen nützlich sind: Schlagfläche, Saitenbild, Gewicht, Länge, Rahmenprofil. Diese Parameter müssen einzeln, aber auch übergreifend betrachtet werden. Als Faustregel gilt: Je besser Schwung und Technik eines Spielers noch sind, desto kleiner sollte der Schlägerkopf und umso dichter sollte das Besaitungsmuster sein. Dementsprechend schwerer kann das Racket mit einem tieferen Balancepunkt sein.  

Wir wollen Aktive mit langjähriger hochklassiger Erfahrung nicht zu Veränderungen bewegen. Durchschnittliche Seniorinnen und Senioren sowie Anfänger, die diesen schönen Sport erst spät für sich entdeckt haben, werden von den folgenden Tipps aber für ihr Spiel profitieren. 

Schlagfläche 

Power zu erzeugen und dabei die eigene Komfortzone und das Spielgefühl nicht zu verlieren: Darum geht es letztlich auf jedem erdenklichen Niveau. Dafür sollte der Schlägerkopf für das eigene Leistungsniveau nicht zu klein sein. Wir empfehlen für Senioren eine  660er-Schlägerkopf-Größe. Heißt: Die Schlagfläche beträgt 660 Quadratzentimeter. Kleiner als 645 sollte die Fläche bei Senioren nicht werden. Nach oben hin empfehlen wir Veränderungen bis 700 Quadratzentimeter. Dazwischen sollte es sich einpendeln.

Der Hauptvorteil eines größeren Schlägerkopfs ist der dadurch entstehende verbesserte und größere „Sweetspot“. Also das Gefühl, das jeder Tennisspieler gerne bei jedem Balltreffpunkt möchte – einen satten, mittig getroffenen Schlag. Dieser Sweetspot wird samt Saitenbild großflächiger, je größer die Schlagfläche ist.

Somit können Senioren Power mit etwas weniger Kraft erzeugen. Vor allem auch dann, wenn der Balltreffpunkt vielleicht nicht optimal war. Das Spiel wird also leichter und fehlerverzeihender mit einem großflächigeren Schläger, wie unsere empfohlene 660er-Größe. 645 Quadratzentimeter sind in der heutigen Zeit die Standardgröße. Anfänger mit unausgereiften Schwüngen sollten sich in Richtung 700 Quadratzentimeter orientieren. Ambitionierte Senioren, die hochklassig gespielt haben, sollten über eine Schlagflächenvergrößerung nur dann nachdenken, wenn sie Probleme mit der Power bekommen oder einen Schritt langsamer werden.

Saitenbild

Das Saitenbild ist selbstredend eng von der Schlagfläche abhängig. Für Senioren empfehlen wir tendenziell ein größeres offeneres Besaitungsmuster. Heutzutage besteht das klassische Bild aus 16 Längssaiten und 19 Quersaiten. Größer und offener würde für Senioren beispielsweise bedeuten: 16 mal 18 im Verhältnis Längs- zu Quersaiten. Auch hier verbessert ein vergrößertes Saitenbild den optimalen Balltreffpunkt.

Turnierspieler haben dichtere Saitenabstände auf ihrem Racket. Die Kontrolle ist in diesem Fall nur dann hoch, wenn der Balltreffpunkt punktgenau erfolgt. Kontrolle und Spielgefühl sind in dem Fall zwar kaum steigerbar. Wenn dieser Punkt aber nicht gefunden wird (mangels Technik, Schnelligkeit und Athletik), fühlt sich der Schlag unmittelbar unsauber an, der Spielspaß geht schnell verloren.

Auch beim Saitenbild geht es also um den Sweetspot und das Wohlfühlgefühl. Das wird größer, wenn die Abstände der Saiten größer werden. Zwar müssen Sie in diesem Fall Abstriche beim 100-prozentigen Spielgefühl machen. Im Gegenzug landen Ihre Bälle aber auch dann im Feld, wenn Schwung und Treffpunkt nicht nahe am Optimum sind. Sie werden schlichtweg weniger bestraft, körperliche und technische Defizite können besser ausgeglichen werden.

Wir empfehlen für Senioren mit diesen Defiziten also einen 645er-Schlägerkopf mit einem größeren Besaitungsbild für ein optimaleres Spielgefühl und schnellere Erfolge im fortgeschrittenen Alter.

Gewicht

Wir empfehlen für Senioren ein Schlägergewicht zwischen 260 und 280 Gramm (ein Profischläger wiegt im Schnitt 340 Gramm). Senioren, die bereits mehrere Jahrzehnte spielen und dementsprechend schwerere Schläger gewohnt sind, sollten in dieser Gewichtsklasse bleiben. 

Beim Schlägergewicht geht es ebenfalls um den Balancepunkt des Schlägers. Beim Balancepunkt des Rackets gilt: Seniorenschläger sollten tendenziell kopflastig sein. Der Balancepunkt wechselt in der Regel bei 33 Zentimetern (ausgewogener Balancepunkt) in Richtung kopflastig. Gemessen wird vom Griffanfang. 

Die Auswirkung eines kopflastigen Schlägers: Je höher der Balancepunkt ist, desto mehr Wucht kann bei weniger Aufwand des Schwungs auf den Ball erzeugt werden, was besonders Senioren entgegenkommt. Es bedarf also eines gesunden Mix aus Gewicht und Balancepunkt. Ein federleichtes Racket samt hohem Balancepunkt (36, 37) erzeugt ein größeres Schwunggewicht. Der Schläger erzeugt mehr Masse auf den Ball (Schwunggewicht trotz 260-Gramm-Racket um die 300 Gramm). So bekommt ein Spieler auch mit unausgereiftem Schwung oder weniger Kraft mehr „Wumms“ hinter seine Schläge. Je unausgereifter der Schwung, desto höher sollte der Balancepunkt also sein. Senioren mit einem guten Schwung und entsprechender Spielstärke sollten auf einen niedrigeren Balancepunkt vertrauen. Leichte Anpassungen für ein schonenderes Spiel schaden jedoch nicht. 

Länge

Die bekannte Standardlänge bei den meisten Herstellern beträgt 68,5 Zentimeter. Viele Freizeitschläger haben oft Überlänge. Sie sind meistens einen halben, manchmal sogar einen oder gar zwei Zentimeter länger. Das klingt erstmal nach nicht viel, macht aber auf dem Platz schon eine ganze Menge aus. Stichwort: Reichweite und Bewegung.

Wir empfehlen daher auch dem durchschnittlichen Seniorenspieler ein Spielgerät mit Überlänge. Schon ein Zentimeter kann helfen, die Reichweite und vor allem den Treffpunkt zu verbessern. Durch den etwas längeren Hebel unterstützt es auch den Schwung und das Netzspiel. Ein Zentimeter kann auch einen fehlenden Schritt ausgleichen.

Beachten Sie bei der Länge Ihres Schlägers auch, dass der Balancepunkt (siehe Gewicht) in Relation zur Länge gesetzt werden muss. Dieser wächst sozusagen mit. Lassen Sie sich also nicht von Kollegen beeindrucken, die einen hohen Balancepunkt haben. Es kann durchaus sein, dass der Schläger Überlänge hat. 

Wichtig ist, dass Sie die Attribute miteinander kombinieren, um zum besseren Spielgefühl zu gelangen. Je größer und besser Ihr Schwung, desto niedriger sollte die Länge sein und auch der Balancepunkt. Gleiches gilt für den Schlägerkopf. 

Das Besaitungsmuster sollte dann dichter sein, der Schläger schwerer, das Racket insgesamt grifflastig sein. Vor allem Anfänger sollten dagegen auf Überlänge setzen, um zu schnelleren Erfolgen und einem besseren Spielgefühl zu gelangen.

Rahmenprofil

Heutzutage sind die Angaben der Hersteller zu den Rahmenprofilen oft sehr variabel mit einem großen Spielraum angegeben. Lassen Sie sich davon nicht irritieren. Das liegt oft daran, dass Rahmen ergonomisch geschwungen sind. Oft sind Rackets am Schlägerherz schmaler. Für Ihr Spielgefühl ist die Angabe am Schlägerkopf entscheidend.

Hier empfehlen wir für Senioren eine Breite um die 26 Millimeter. Eine Faustregel besagt: Je breiter der Rahmen gestaltet ist, desto mehr Power kann mit dem Schläger erzielt werden. Vor allem für Anfänger gelten diese Rahmen sls geeigneter. Es vereinfacht das Schlaggefühl zu Beginn eindeutig. Außerdem: Selbst Nadal spielt einen breiten Rahmen! 

Fazit

Überstürzen Sie nichts bei der Schlägerwahl und nehmen Sie sich Zeit, die einzelnen Parameter und die jeweiligen Auswirkungen auf Ihr Spiel zu testen. Eine Kombination aus den beschriebenen Elementen kann Ihnen helfen,  ein besseres Spielgefühl zu erlangen. Dabei gilt: Ein größerer Schlägerkopf hilft, einen unausgewogenen Schwung zu kaschieren. In dem Fall empfehlen wir auch ein weiteres Besaitungsmuster und ein leichteres Gesamtgewicht mit einem hohen Balancepunkt. Bei der Schlägerlänge darf es in diesem Fall ein Zentimeter mehr sein.