Rebeka Masarova

Hohe Ziele: Rebeka Masarova möchte einmal Wimbledon gewinnen.Bild: Imago

Rebeka Masarova: Zurück zur Heimat

Rebeka Masarova spielt seit 2025 wieder für die Schweiz und darf diese auch im Billie Jean King Cup vertreten. Was hinter ihrem Nationenwechsel wirklich steckt.

Text: Simon Graf
Der Text erschien in der Smash-Ausgabe 4/2025

Als die Baslerin Rebeka Masarova 2016 mit 16 den Juniorinnentitel von Roland Garros gewann, schien alles angerichtet für den Aufstieg einer neuen Schweizer Tennisheldin. Sie siegte im Final gegen die Amerikanerin Amanda Anisimova und beeindruckte mit ihrer Athletik und ihrem angriffigen Spiel. Doch kaum war die Euphorie entfacht, folgte die Ernüchterung: Anfang 2018 gab Masarova bekannt, fortan für Spanien zu spielen. Der Bruch kam abrupt, der Ärger im Schweizer Tennisumfeld war gross.

Jahrelang blieb sie ausserhalb des hiesigen Radars – bis sie Anfang 2025 ankündigte, wieder unter Schweizer Flagge antreten zu wollen. Viele wussten nicht, wie sie diesen Schritt einordnen sollten. Denn Masarovas Geschichte ist komplexer – und persönlicher – als ein einfacher Nationenwechsel.

Rebeka Masarova für die Schweiz: Kein PR-Coup

Der Wechsel zurück zur Schweiz ist für sie kein PR-Coup, sondern Ausdruck eines inneren Reifungsprozesses. Sie habe den Wunsch zur Rückkehr schon lange gespürt, aber vor sich hergeschoben, weil sie die Kontroverse scheute, sagt sie im Interview. Als sie gegen Ende letzten Jahres wegen einer Knie- und einer Ellbogen-Operation einen guten Monat ausfiel, hatte sie Zeit, sich nochmals intensiv mit dem Gedanken auseinanderzusetzen.

«Ich sagte mir: Tu das, was du wirklich willst. Und fühlst. Nicht das, was andere wollen. Mein Wechsel zu Spanien war nicht meine Entscheidung gewesen. Und ich wollte nicht mehr akzeptieren, dass etwas so Grosses wie die Nationalität, die ich repräsentiere, nicht meine Wahl gewesen ist.» Auch wenn sie es nicht selbst sagen möchte: Es war ihre Mutter Marivi, die das für sie entschieden hatte.

Masarova war zu jenem Zeitpunkt schon volljährig. Doch der Internationale Tennisverband ITF folgte der Argumentation von Swiss Tennis, sie sei damals gezwungen worden, zu Spanien zu wechseln, zur Heimat ihrer Mutter. Seit Juni ist klar: Masarova darf auch im Teamwettbewerb wieder für die Schweiz spielen.

Captain Heinz Günthardt könnte sie erstmals im November für die Aufstiegsspiele in Cordoba gegen Argentinien und die Slowakei aufbieten. Und der Zürcher hat eine hohe Meinung von Masarova: «Sie ist eine der besten Athletinnen auf der Tour und hat ein enormes Potenzial. Wenn sie es versteht, ihre Grösse und ihre Athletik noch besser zu nutzen, traue ich ihr viel zu.»

Rebeka Masarova: Trainingsbasis in Barcelona

Masarovas Rückkehr zur Schweiz ist keine Abkehr von Spanien. Ihr ist das wichtig zu betonen. Sie trägt beide Kulturen in sich, liebt mediterranes Essen genauso wie Schweizer Schokolade. Und sie hat ihre Trainingsbasis immer noch in Barcelona. 2021 zog sie alleine dorthin, mit zwei Koffern und 200 Euro, um ihrem Traum vom Tennisprofi nochmals eine Chance zu geben.

In Barcelona baute sie ihr neues Leben auf: Im Spanier Pipo Maresma fand sie einen Coach, der an sie glaubte. Und sie verliebte sich in den brasilianisch-argentinischen Doppelbürger Oscar Gutierrez, den sie durch das Tennis kennenlernte. Im November 2022 heirateten sie. Gutierrez schwingt ebenfalls das Racket, bestreitet kleinere ITF-Turniere. Sie trainieren beide an der Akademie von Marcus Roy.

Rebeka Masarova

Tennis verbindet: Rebeka Masarova ist mit dem Tennisspieler Oscar Gutierrez (bestes ATP-Ranking: 363) verheiratet.

Masarova ist mit 26 immer noch jung. Ihre beste Klassierung war bisher Rang 62, bei Grand Slams kam sie noch nie über die zweite Runde hinaus. Doch ihr Traum ist immer noch der gleiche wie als kleines Mädchen: Wimbledon zu gewinnen. «Inzwischen verstehe ich, wie schwierig das ist. Aber ich bin jetzt näher dran als noch vor ein paar Jahren.» Man darf gespannt sein, wie ihre Geschichte weitergeht. Und als Schweizerinnen und Schweizer mit ihr mitfiebern.