Germany v Ukraine – FedCup World Group Play-Off

Porsche Grand Prix: Die Wildcard-Diskussion

Porsche. Wildcard. Sharapova. Konta. Siegemund. Görges. Was passiert gerade in Stuttgart? Ein Erklärungsversuch.



In den letzten Tagen ging es in Stuttgart natürlich um das – am Ende erfolgreiche – deutsche Fed Cup-Team. Hinter den Kulissen ging es vor allem um zwei Buchstaben – WC. Das klingt wie – genau – Toilette. Und ein bisschen passte das auch. Für viele war die Diskussion um die WC für den… – Sie wissen schon.

WC steht in der Szene für Wildcard. Das Thema gärt seit Wochen und wird wohl auch noch nicht erledigt sein, wenn Maria Sharapova am Mittwoch um 18.30 Uhr zum ersten Mal den Centre Court in der Porsche Arena betritt.

Am Wochenende nahm der WC-Talk neue Fahrt auf. Manche sprachen schon von WC-Ente. Was war geschehen? Plötzlich wurde realisiert: Julia Görges, die Heldin vom Fed Cup-Wochenende, stand ohne Wildcard da. Um direkt ins Turnier zu rutschen, dafür war ihr Ranking zu schlecht – Platz 46. Also wäre es nur mit Starthilfe gegangen. Die gab es aber nicht. Und Julia Görges sagte bei ihrer abschließenden Pressekonferenz die Sätze: „Ich möchte mich grundsätzlich zu diesem Thema nicht äußern. Ich glaube allerdings, dass die zwei Siege an diesem Wochenende genug gesagt haben.“

Wildcards für Sharapova und Siegemund

Einmal ganz von vorne, denn die Thematik ist etwas kompliziert und wurde bei den Beteiligten, wie sich inzwischen herausgestellt hat, seit letztem Dienstag hin und her gewälzt. Der Veranstalter in Stuttgart hat zwei Wildcards, die er vergeben darf. Die eine bekam bekanntlich Maria Sharapova. Ob zurecht oder nicht – da scheiden sich die Geister. Die Diskussion darüber hängt einem schon zum Halse raus.

Die andere Wildcard sollte die deutsche Teamchefin Barbara Rittner anstelle des Veranstalters in ihrer Funktion als „Miss Tennis Germany“ vergeben. Da Rittner befangen ist – schließlich will sie keiner ihrer Spielerinnen einen Vor- oder Nachteil verschaffen –, schob sie die Entscheidung wieder zum Veranstalter.

Der entschied sich, die zweite WC an Laura Siegemund zu geben. Die Gründe: Nach Angelique Kerber ist sie die zweitbeste Deutsche im Ranking (Platz 37). Sie ist die Vorjahresfinalistin. Vor allem: Sie ist Schwäbin. Ein echter Local Hero also. Das Pro für Siegemund kann man durchaus nachvollziehen.

Kontas Wildcard nicht offiziell kommuniziert

Was die Diskussion zum Kochen brachte: Es stellte sich heraus, dass Johanna Konta, aktuell die Nummer sieben der Welt, ebenfalls eine Wildcard bekommt. Und zwar – aufgepasst – durch die WC Top 20-Regelung. Die sieht laut WTA-Reglement vor, dass bei Anfrage einer Top 20-Spielerin diese auch die Chance bekommen soll, noch ins Turnier zu rutschen. Der Veranstalter hatte dies nur wenig kommuniziert, was die Kritiker nicht lustig fanden. Allerdings könnte auch niemand absehen, dass die Personalie Konta eine entscheidende Rolle spielen würde.

Zumal: Als die Entscheidung fiel, war noch nicht einmal klar, dass Görges als deutsche Nummer zwei beim Fed Cup auflaufen würde. Geschweige denn, dass sie zum Star des Wochenendes avancieren würde.

Konta hatte ursprünglich nicht vor, in Stuttgart zu spielen. Ihr Plan war es, Indian Wells, Miami und Charleston zu spielen und nicht beim PTGP (Porsche Tennis Grand Prix) aufzulaufen. Da sie sich aber in Miami verletzte und Charleston absagte, wurde Stuttgart wieder interessant für sie. Und der Veranstalter freute sich. Denn der Anspruch der Veranstaltung ist es, so Turnierchef Markus Günthardt, „dass die Besten der Welt bei uns spielen“. Dazu kommt: In Konta sieht man eine potenzielle Grand Slam-Siegerin. Also will man sie in Stuttgart dabeihaben.

Welche Rolle spielt die Britin Konta in der Causa Görges? Achtung, jetzt wird’s tricky: Hätte Konta keine Wildcard erhalten, würde – Stand jetzt – Laura Siegemund mit ihrem Ranking direkt ins Hauptfeld rutschen. Die WC wäre für Görges frei. Und man darf wohl behaupten: Frau Konta hätte nicht mehr Tickets verkauft als Frau Görges. Eine weitere Deutsche bei dem deutschen Damenturnier schlechthin wäre eine schöne Sache gewesen. Vor allem: Weil Görges gerade für positive Schlagzeilen sorgt.

Ein nicht vorhersehbars Szenario

Fakt ist aber auch: Zu dem Zeitpunkt, als Konta die Wildcard erhielt, war Laura Siegemund weit von einer direkten Qualifikation entfernt. In der Zwischenzeit hatte sich Siegemund aber aufgrund von Absagen anderer Spielerinnen auf der sogenannten „Alternate“-Liste von Platz vier auf eins vorgeschoben und wäre somit erste Nachrückerin gewesen. Die Frage aller Fragen in der WC-Diskussion: Hätte der Veranstalter, die Wildcard für Konta solange zurückhalten sollen, weil eventuell die Konstellation eintreten würde, die sich jetzt herausgestellt hat? Dass nämlich noch eine Deutsche die Chance gehabt hätte, in Stuttgart dabei zu sein. Meine Antwort: Nein! Kein Mensch hätte dieses Szenario erahnen können.

Der beste Satz, um die leidige Diskussion zu beenden, stammt ausgerechnet von einem der Leidtragenden. „Wir arbeiten daran, dass Jule künftig solche Diskussionen erspart bleiben und sie direkt im Hauptfeld steht“, sagte Görges-Trainer Michael Geserer der Süddeutschen Zeitung.

Spiel, Satz, Sieg – großes Tennis hier bei uns im Livescore! Verpasst kein Match! Klickt Euch rein: http://www.tennismagazin.de/livescore/


  1. Stefan Höfel

    Danke Herr Antic! Da hat sich mein Besuch auf der Website vom PTGP, dem Stuttgarter WTA-Turnier, wirklich gelohnt. Ohne meine „Meldungen“ hier hätte es diese Erklärung wohl nicht gegeben. Es wäre interessant, wenn Konta das Turnier gewinnen würde, und „man“ erst während des Endspiels erfahren hätte, dass sie nur per WildCard in Stuttgart spielt. Enttäuschend, dass der SID auch an ZDF usw. so unvollständige Infos liefert. Und das seit im Tennis schon seit über zwei Jahrzehnten!

  2. Dietmar

    Kann mir eigentlich mal einer erklären, warum in Stuttgart nur 28 Spielerinnen im Hauptfeld sind? Kerber und Co. haben in der ersten Runde ein Freilos. Sollen sie doch 32 Spielerinnen starten lassen, dann wäre die ganze Diskussion wegen der Görges-Wildcard hinfällig. Und gerechter sowieso, weil dann alle Spielerinnen die gleiche Anzahl von Spielen haben. Ausserdem: Wenn Görges in den letzten Jahren ab und zu mal ein Tennisspiel gewonnen hätte, dann bräuchte sie gar keine Wildcard, sondern wäre direkt qualifiziert.

  3. Stefan Höfel

    Moin Dietmar,

    es gibt auch bei den Männern mittlerweile Turniere mit 28er-Feld, aktuell in Genf, wo auch Wawrinka ein Freilos hatte. Ich denke, der Hauptgrund ist der, dass man so versucht die Top-Spieler zu einem Start zu überzeugen. Denn die bekommen dann das Freilos in Runde 1, müssen später anreisen, bekommen aber die gleiche Punktzahl für den Turniersieg wie beim 32er Feld, falls die Turniere der selben Kategorie angehören. Natürlich haben sie den Vorteil von einem Match weniger als der Großteil der anderen Teilnehmer. Augen auf bei der Berufswahl! 🙂 Übrigens gibt es auch schon lange 56er Felder. In Miami und Indian Wells 96er Felder. Auch die Australian Open wurden vor der Umstellung auf Hartplatz im Jahr 1988 zeitweise mit nur 96 oder sogar noch weniger Teilnehmern gespielt.


Schreibe einen neuen Kommentar