2017 Australian Open – Previews

Tommy Haas: Auf die harte Tour

Sollte Tommy Haas nun nicht endlich aufhören? Eigentlich schon, finden die Sandplatzgötter. Sie sind aber andererseits genauso zerrissen wie der ewig spielende Tommy.

Wir haben extra noch mal nachgeguckt. Im ATP-Rulebook, in der DTB-Wettspielordnung und auch in der Platzordnung unseres Clubs. Wir können Tommy Haas zwar zum Wässern der Plätze vor dem Spiel zwingen und auch dazu, die Terrasse nicht mit Tennisschuhen zu betreten. Das Tennisspielen selbst verbieten können wir ihm allerdings nicht. Wollen wir aber auch gar nicht. Auch wenn einige das so interpretiert haben, als wir nach seiner Aufgabe bei den Australian Open auf unserer Facebook-Seite darüber sinnierten, ob man den richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt verpassen kann. Mehr noch: Ob es diesen perfekten Zeitpunkt, nach dem auch er eigenen Aussagen zufolge sucht, überhaupt gibt.

Man weiß nie, was noch kommt

Denn das Schöne am Sport ist, dass es sich eben nicht um eine „Scripted Reality“ handelt – von Wettmanipulationen mal abgesehen. Man weiß nie genau, was noch kommt oder schlimmer: nicht mehr kommt. Mit einem letzten großen Sieg aufzuhören, das ist eine schöne Vorstellung. Der aber oft das Spitzensportler-Ego im Weg steht, das signalisiert: Der letzte große Sieg muss noch nicht der allerletzte gewesen sein. Und manchmal kommt es ja wirklich so. Siehe Roger Federer.

Tommy Haas ist allerdings von einem letzten großen Sieg sehr weit entfernt. Dieser Wahrscheinlichkeit ist sich Haas hoffentlich selber bewusst, auch wenn Zitate wie „Wenn ein Wunder geschieht und ich noch mal in die Top 100 komme …“ leise Zweifel daran aufkommen lassen. Hinzu kommt seine Verletzungsanfälligkeit: Wer nicht kurz und im besten Falle tatsächlich schmerzlos Schluss macht, sondern eine komplette Abschiedstournee plant, vergrößert die Gefahr, dass – wie gerade nicht gewünscht – am Ende doch eine Verletzung steht.

Tommy Haas

STARKER BODY: Aber auch ein durchtrainierter Körper schützt Tommy Haas nicht komplett vor Verletzungen.

Haas hat in den letzten zwei Saisons insgesamt fast ein Viertel seiner Turniere durch Aufgaben beendet. Bei der Vorstellung, dass er Anfang Mai im kalten München aufschlägt, tun uns schon jetzt ersatzweise die ähnlich alten Schlag-Schultern weh. Neben dem legitimen Wunsch, dass ihn seine Tochter bewusst beim Tennis spielen erleben soll, erwähnt Haas als Beweggrund für sein letztes Comeback die Möglichkeit, mit sich „ins Reine“ zu kommen.

Gleichzeitig spricht er auch davon, längst mit sich im Reinen zu sein. Er hat ein ausgefülltes Privatleben und mit dem Turnierdirektor-Job in Indian Wells eine berufliche Perspektive, kann aber trotzdem nicht vom Leben als Tennisprofi lassen. Selbst wenn es, wie von ihm in Melbourne geschildert, nicht die reine Freude ist, auf dem Platz zu stehen. „Ich war kurzatmig und habe mich nicht gut gefühlt. Gedanklich und emotional war ich im Kopf so müde wie noch nie“. Den Abschied wohlverdient zu genießen, hört sich dann doch anders an.

Haas hat seinen Platz in der deutschen Tennis-Historie sicher

Wir „dürfen“ ihm ja keine Ratschläge geben. Und wir wollen ihn auch gar nicht kritisieren. Wir würden ihm nur gerne vermitteln, dass es gar keinen Grund für diese innere Zerrissenheit gibt. Er ist der erfolgreichste Spieler Deutschlands nach der Becker/Stich-Ära. Haas ist ein mitreißender Wettkämpfer, der uns so oft positiv überrascht hat und dem wir höchsten Respekt zollen. Und er hat seinen Platz in der deutschen Tennis-Geschichte sicher. Egal, was jetzt noch passiert. Wir wünschen ihm, dass ihm all das in den nächsten Wochen und Monaten absolut klar wird. Wenn es denn sein muss, auch auf die harte (Abschieds)-Tour.

Kolumne Sandplatzgötter

REINE SANDPLATZGÖTTER: Die Medenmannschaft vom TC RW Möllen (Niederrhein) spielt seit Jahrzehnten zusammen. 2017 treten sie in der Herren 30-Bezirksklasse A an.

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