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Arriens: Haas in manchen Bereichen kein Vorbild

Köln (SID) – In der allgemeinen Begeisterung über den vierten Tennis-Frühling von Tommy Haas hat sich Davis-Cup-Teamchef Carsten Arriens kritisch über den 35-Jährigen geäußert. „In vielen Bereichen ist er ein Vorbild, aber in manchen sicher nicht“, sagte Arriens im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Haas könne „emotional noch etwas ausgeglichener sein. Er hat es immer noch nicht verstanden, dass auch er besser spielt, wenn er emotional ausgeglichener ist.“ In dieser Hinsicht sei beispielsweise Philipp Kohlschreiber „cooler und abgeklärter“.



Die Stärken von Tommy Haas seien gleichzeitig die Schwächen der deutschen Nachwuchsspieler. „Seine Trainingsintensität, die Fokussierung, die Konzentration – da haben die jungen Spieler Defizite, und das ist vielleicht auch ein bisschen der Zeitgeist“, sagte Arriens der FAZ.

Viele junge Menschen hätten offenbar Schwierigkeiten, die Konzentration über einen längeren Zeitraum zu halten, und in diesem Bereich sei gerade Haas außergewöhnlich. „Der geht auf den Platz, nimmt den Schläger aus der Tasche und ist wie in einem anderen Film. Dann wird trainiert, so lange bis der Trainer ihn stoppt, und da herrscht ein unheimlich hoher Grad an Aufmerksamkeit bei ihm“, sagte Arriens, vor zwei Jahren selbst als Trainer mit Haas unterwegs.

An der grundsätzlichen Misere im deutschen Nachwuchsbereich seien die Verbandstrainer nicht unschuldig. Bei den deutschen Turnieren „wird man nicht viele finden, die da mal zugucken und sich informieren“. Das sei ein sehr wichtiges und komplexes Thema. „Die Verbandstrainer sind die Schnittstellen, die müssen wissen, wie ich Zwölf-, Vierzehn-, Sechzehnjährige wirklich ausbilde, damit die international tatsächlich ankommen können“, sagte Arriens.

Das vielzitierte und bisher nicht umgesetzte Nachwuchskonzept des Deutschen Tennis Bundes sei bisher stets am Geld gescheitert. „Inhaltlich steht das ja schon lange. Was fehlt, ist das Budget“, sagte Arriens der FAZ. Der Verband sei mittlerweile in einem Genehmigungsverfahren beim Bundesinnenministerium, „damit wir Teil der Olympiaförderung werden. Bislang hieß es ja immer, der DTB kann das selbst finanzieren, aber wir haben ja nicht viel und können das nicht selbst aus eigenen Mitteln machen.“

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