BNP Paribas Open – Day 8

Kerber wie Houdini: „Ich habe an mich geglaubt“

Angelique Kerber bewies in Indian Wells ihre Houdini-Qualitäten. Die designierte Weltranglistenerste holte bei ihrem Drittrundensieg gegen Pauline Parmentier einen 1:4-Rückstand im entscheidenden Satz auf.



Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lieben sie den Nervenkitzel. Vielleicht mehr noch als woanders. Es ist deshalb kein Zufall, dass Angelique Kerber in den USA sehr beliebt ist. Und dass die designierte Nummer eins vor geraumer Zeit von den Amerikanern einen liebevoll gemeinten Spitznamen verpasst bekam: Houdini.

Kerber holt 1:4-Rückstand auf

Ihre Entfesselungskünste stellte Kerber beim 7:5, 3:6, 7:5 gegen Pauline Parmentier (Frankreich) in der dritten Runde des Turniers von Indian Wells wieder mal eindrucksvoll unter Beweis. Nachdem die Kielerin bereits im ersten Durchgang einen Satzball abgewehrt hatte, lag sie im entscheidenden Satz mit 1:4 zurück. Mehr noch: Die im wahrsten Sinne wie entfesselt aufspielende Parmentier war urplötzlich nur noch einen Punkt von einer 5:2-Führung entfernt.

„In solchen Momenten denkt man nicht über Druck oder solche Dinge nach. Ich habe nur daran gedacht, dass ich schon viele solcher Matches gedreht habe in den letzten Jahren. Und ich habe wieder an mich geglaubt“, erzählte Kerber nach dem zweieinhalbstündigen Schlagabtausch unter der gleißenden kalifornischen Wüstensonne und ihrem ersten Achtelfinal-Einzug seit 2013 beim „fünften Grand-Slam-Turnier“.

Kerber: „Deshalb trainiere ich“

Wie so oft bei der 29-Jährigen war der bedrohliche Rückstand eher Ansporn als Hemmschuh. „Da kam mein Biss zurück. Ich habe mir gesagt: Jetzt oder nie, sonst ist es zu spät“, berichtete die stressresistente Kerber, die in der Endphase auch ihre physischen Stärken in die Waagschale warf: „Deshalb trainiere ich und mache Sachen wie Intervallläufe: Damit ich endlos laufen kann. Egal, ob es heiß ist oder nicht.“ Heiß war es im malerischen Coachella Valley: Weit über 30 Grad Celsius – und das schon am späten Vormittag.

Durch die vom Erfolg gekrönte Aufholjagd nach einer Partie „mit Aufs und Abs“ tankte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin wieder ein bisschen Selbstvertrauen auf dem Weg zurück zu alter Stärke. „Ich habe meinen Rhythmus gefunden und fühle mich gut“, sagte die an Nummer zwei gesetzte Kerber, die im Match um einen Platz im Viertelfinale in der Nacht zum Mittwoch (MEZ) auf Elina Vesnina (Russland/Nr. 14) trifft.

Kerber wie Houdini: "Ich habe an mich geglaubt", sagte sie nach ihrem Sieg über Pauline Parmentier.

Glückliche Siegerin: Angelique Kerber (li.) hatte einige Mühe mit Pauline Parmentier.

„Habe aus den Ergebnissen kein Drama gemacht“

Kerber indes wirkt in diesen Tagen sichtlich entspannt. Nach den Enttäuschungen auf der Australien-Tour zu Jahresbeginn hatte sie weiter hart gearbeitet. „Ich habe aus den Ergebnissen kein Drama gemacht. Mein Umfeld und ich sind positiv geblieben, nachdem ich vielleicht nicht so gespielt habe, wie es alle erwartet hatten“, meinte Kerber. Ihrem Spitznamen jedenfalls hat sie in Indian Wells alle Ehre gemacht. Das würde sicher auch Harry Houdini bezeugen, der große Entfesselungskünstler. (SID)

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  1. Gerd Bruder

    Habe das Match am TV mitverfolgt. 36°C in Indian Wells, „sonnige“ 49°C (= gemessene 121° F, Thermometer wurde eingeblendet) auf dem Court – das sind Arbeitsbedingungen, die man niemandem wünscht. Unter diesen Umständen, zeitweilig mit dem Rücken zur Wand, sich reinzubeissen in das Match und um jeden Punkt zu fighten gegen eine Gegnerin in der dankbaren Rolle des Underdog, die über sich hinauswuchs – dazu meinen ganz großen Respekt für Kerber! Auch wenn sie nicht ihr bestes Tennis gespielt hat (wie denn auch bei 49°), am Ende hat ihre überragende Physis den Ausschlag gegeben, mit der sie Parmentier bezwingen konnte. Glückwunsch, Angie. Super Leistung, Chapeau!

  2. Joseph

    Meiner Meinung nach war das nur ein Sieg „mit Ach und Krach“.
    Parmentier hatte über weite Strecken dominiert und am Ende nur wegen 2 oder 3 Punkten verloren. Sie hätte den Sieg mindestens genauso verdient gehabt.
    Aber, das zeichnet eine Nummer 1 aus: Nervenstärke, um auch an einem weniger guten Tag die Oberhand zu behalten. – Glückwunsch.


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