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Lieber Spanien: Talent Nicola Kuhn verlässt den DTB

Nicola Kuhn ist ein besonderer Spieler. Das wissen alle Insider der Szene. Und das weiß er vor allem selbst. Der 15-jährige Nachwuchsspieler („Mein Wille ist so groß wie der von Djokovic!“) erreichte im Januar 2014 das U14-Finale im französischen Tarbes, wo das weltweit bedeutendste Turnier dieser Altersklasse stattfindet. Kurz danach wurde er mit der deutschen U14-Mannschaft Europameister in der Halle und auch draußen. Im August 2014 gewann er schließlich mit Rudolf „Rudi“ Molleker und Fabian Penzkofer den U14-Team-Weltmeistertitel. Und in diesem Jahr brachte Kuhn, flankiert von Marvin Möller und Maximilan Todorov, das deutsche U16-Team ins Finale das Junior-Davis Cups – als bester (und fast jüngster) Spieler des Turniers. Spätestens seitdem haben ihn sämtliche Scouts der global operierenden Management-Agenturen auf dem Schirm. Und in der deutschen Tennis-Szene machte sich die Erkenntnis breit: Es gibt noch Hoffnung für das deutsche Herrentennis! Riesentalent Alex Zeverv, auch erst 18, Kuhn und auch „Rudi“ Molleker können es noch weit bringen.

In Spanien erfolgreich, in Deutschland zunächst unbekannt

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Im Trio: Joel González (Taekwondo), Nicola Kuhn und Paula Badosa (beide Tennis) werden künftig für Spanien antreten (v.l.n.r.).

Von künftigen Erfolgen Kuhns wird das deutsche Tennis nun allerdings nicht mehr profitieren. Gestern gab er auf einer Pressekonferenz in Girona bekannt, dass er ab sofort für Spanien antreten werde. „Ich lebe seit meiner Kindheit in Spanien und fühle mich schon immer spanisch. Es war stets mein Traum, für Spanien zu spielen“, sagte Kuhn. Hintergrund: Als Sohn eines deutschen Vaters und einer russischen Mutter verbrachte Nicola schon als kleiner Junge viel Zeit in Spanien, wo die Eltern in der Nähe von Alicante ein Ferienhaus besitzen. Er wuchs viersprachig auf (deutsch, russisch, englisch, spanisch) und entschied sich mit zwölf Jahren, in die Equelite Academy von Ex-Profi Juan Carlos Ferrero zu ziehen, während die Eltern Alfred und Rita größtenteils in Ludwigsburg lebten. „Nico“ räumte schon bald in Spanien etliche Jugendtitel ab und galt als großes Talent. In Deutschland kriegte man davon nichts mit. Erst als Bundestrainer Hans-Peter Born den Jungen bei einem Turnier in Tschechien sah, wurde er auf ihn aufmerksam. Born sorgte dafür, dass Kuhn bei den internationalen  Team-Wettbewerben für Deutschland an den Start ging. Er wurde vom DTB gefördert, blieb aber in der Ferrero-Akademie bei Alicante wohnen. Als der DTB nun ein neues Förderpaket für 2016 mit Kuhn und dessen Familie schnüren wollte, kam heraus, dass „Nico“ sich um die spanische Staatsbürgerschaft bemühen würde.

„Wir gaben ein gutes Angebot ab, aber bei der Entscheidung von Nicola spielten finanzielle Aspekte keine Rolle“, sagt DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard. „Es waren rein private Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben.“ Kuhns Lebensmittelpunkt ist seit Jahren Spanien, er fühlt sich eher spanisch als deutsch. In der Equelite Academy lebt er in einen hochprofessionellen Umfeld. Mit Fran Martinez hat er seinen eigenen Coach, mit dem er perfekt harmoniert. Anfang Dezember wurde er auf einer Gala als „Bester Nachwuchssportler“ der Region Alicante ausgezeichnet. „Weil bei Nicola alles optimal strukturiert ist, gab es von unserer Seite nie Pläne, ihn etwa in einem deutschen Leistungszentrum zu fördern“, sagt Eberhard. „Das wäre nicht sinnvoll gewesen und er hätte das auch nicht mitgemacht.“

Kein Junior Davis Cup für Spanien 2016

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Voll fokussiert: Nicola Kuhn will es als Tennisprofi weit bringen.

Insofern ist sein Schritt, künftig für Spanien zu spielen, schon verständlich. Kuhn, der keine direkten spanischen Wurzeln hat, erhält die spanische Staatsbürgerschaft aufgrund seiner langen Aufenthaltsdauer in Spanien. Er wird 2016 im Herrenbereich bei den Future-Turnieren und bei den großen Junioren-Turnieren unter spanischer Flagge auflaufen. Was nicht gehen wird, sind Junior-Mannschaftswettbewerbe! Weil er schon auf ITF-Junior-Ebene für Deutschland gespielt hat, darf Kuhn beispielsweise beim Junior Davis Cup 2016 nicht für Spanien auflaufen – obwohl er es vom Alter her könnte. Wenn allerdings alles planmäßig bei ihm läuft, sind Teamkämpfe auf Juniorenebene im nächsten Jahr eh kein Thema mehr für ihn. Als Erwachsener dürfte Kuhn dann auch für spanische National-Teams antreten, etwa im „echten“ Davis Cup.

„Nicola ist ein prima Junge, der sich immer korrekt verhalten hat – und der sicherlich eine große Zukunft vor sich haben wird“, sagt Eberhard noch. Wo diese Zukunft liegen wird, ist nun auch klar: in Spanien. Irgendwie schade.

Lesen Sie auch das Interview mit Nicola Kuhn vom Oktober 2015:
„Mein Wille ist so groß wie der von Djokovic!“

 

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