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Überwachtes Spiel: Kamerasystem Playsight im Test

Ein Kamerasystem, das alle Aktionen auf dem Platz aufzeichnet, revolutioniert das Daten-Tracking im Tennis. Playsight liefert ähnliche Statistiken wie das Hawkeye auf der Tour – kommt aber vor allem an der Basis zum Einsatz. Unser Reporter Felix Grewe machte in München den Selbstversuch.

Fotos: Stefan Heigl

Was können wir heutzutage nicht alles überwachen. Welche Seiten wir im World Wide Web besuchen, wird schon lange kontrolliert. Stichwort: personalisierte Anzeigenschaltung. Quälen wir uns im Fitnessstudio für die Traumfigur, messen Pulsuhren unseren exakten Kalorienverbrauch und zeigen an, wie lange wir noch ackern müssen, um endlich das Tagesziel zu erreichen.

Auch auf dem Tenniscourt nimmt die Bedeutung der Datenerfassung immer mehr zu. Armbänder und Schlägersensoren messen in Echtzeit unsere Schläge und erstellen nach dem Spiel mehr oder weniger genaue Statistiken. Das Hawkeye auf der Profitour hat sich bereits seit Jahren etabliert. Der Videobeweis nach zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen gilt längst als unersetzbares Spannungselement – vor allem für die Zuschauer.

Playsight ermöglicht totale Überwachung

Ein neues System für Trainingsanalysen revolutioniert nun das sogenannte Datentracking auch auf Amateurebene. Playsight nennt sich die Entwicklung, die eine totale Überwachung ermöglicht und den Spieler zu einem gläsernen Athleten macht. Big Brother is watching you – auch auf dem Court. Ein Hightech-System, das aus mindestens sechs Kameras besteht, zeichnet das Geschehen auf dem Platz aus verschiedenen Positionen auf. Ähnlich wie beim Hawkeye der Profis werden Ballgeschwindigkeiten und Spinwerte gemessen, Laufwege registriert, Winner und Fehler gezählt. Nach dem Spiel scrollt man durch seitenlange Statistiken. Zudem können einzelne Schläge ausgewählt, in Super-Zeitlupe abgespielt und auf technische Fehler analysiert werden. Das Besondere: Die Daten werden ähnlich wie bei Apple in einer Cloud gespeichert. Nach einer kostenlosen Registrierung kann der Spieler sämtliche Zahlen und Videos jederzeit auf dem Laptop, Tablet oder Smartphone abrufen.

Playsight verbreitet sich rasant

Entwickelt wurde Playsight in Israel. Die Macher produzierten ursprünglich Überwachungssysteme für Cockpits von Armee-Piloten. 2013 wurde der erste Playsight-Court eingeweiht, inzwischen gibt es weltweit rund 75 Anlagen, die das System nutzen. Vor allem in den USA verbreitet sich Playsight derzeit explosionsartig. Große Tenniscenter investieren in die Innovation, vor allem aber rüsten die Colleges auf.

In Deutschland gibt es derzeit drei Playsight-Anlagen (siehe Kasten rechts). tennis MAGAZIN testete das System in Taufkirchen bei München, wo Alexander Raschke eine Tennisschule betreibt. Der 48-Jährige nutzt Playsight seit Juli und setzt das System häufig für Sichtungen von College-Spielern ein. „Die Jungs und Mädels werden hier wie bei einem Casting auf dem Court gefilmt und die Scouts in den USA können jederzeit auf sämtliche Videos und Daten zurückgreifen“, erzählt Raschke.

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