50 Jahre tennis MAGAZIN: Die ersten Popstars (1976 bis 1980)
tennis MAGAZIN feiert im Juni 2026 seinen 50. Geburtstag. Wir blicken zurück auf historische Highlights. Diesmal: die Jahre 1976 bis 1980.
Da war er plötzlich. Dieser 17-jährige Schwede mit der blonden Mähne und der ernsten Miene, der bei den French Open 1974 seinen ersten von elf Grand Slam-Titeln gewann. Björn Borg hat dem Tennissport nicht nur eine neue Richtung gegeben, er hat ihn revolutioniert und für einen riesengroßen Boom gesorgt. Der Schwede war Popstar und Sexsymbol zugleich und lockte viele Frauen in die Stadien.
Björn Borg und die Aura des Mysteriösen
Dass ausgerechnet Borg, der kaum redete und noch weniger Emotionen zeigte, der erste Popstar im Tennis wurde, scheint rückblickend etwas suspekt. Es war sicherlich auch diese Aura des Mysteriösen, die Borg zum Phänomen auf und abseits des Platzes machte. Um ihn herum entwickelten sich Spieler, die von den Fans nicht nur gefeiert, sondern vergöttert wurden. Guillermo Vilas, Ilie Nastase, John McEnroe, Martina Navratilova oder das einstige Traumpaar der Tennisszene Jimmy Connors und Chris Evert, die zwischenzeitlich verlobt waren.

1976: Ilie Nastase war der erste Titelheld von tennis MAGAZIN.
Sie alle hoben Tennis nicht nur spielerisch, sondern vor allem medial auf eine neue Ebene. Über allem schwebte aber Borg, den kreischende Groupies auf Schritt und Tritt verfolgten. Die Hysterie um ihn ging sogar so weit, dass während des Wimbledonturniers 1978 der Präsident des All England Clubs Briefe an die Direktoren von 60 Mädchenschulen schickte mit der Forderung, sie sollten doch bitte während des Turniers ihre Schülerinnen im Zaum halten.
Björn Borg: „Das war nur Schauspielerei”
Apropos Wimbledon: Legendär ist Borgs Rivalität mit John McEnroe und die beiden Endspiele auf dem „heiligen Rasen“. „Wir waren wie Feuer und Eis“, sagte McEnroe über die Duelle mit Borg. Viel unterschiedlicher hätten die beiden Charaktere und Spielstile nicht sein können. Der leidenschaftliche McEnroe, der regelmäßig ausflippte, auf der einen Seite; ihm gegenüber der stille Borg, der das Temperament eines Eisblocks zu haben schien.

Posterboy: Um Björn Borg entstand in den 70er- und 80er-Jahren ein riesiger Personenkult.Bild: Imago
„Ich war nie so kalt wie es schien. Das war nur Schauspielerei. Ein Schauspiel, das ich perfekt spielte. Es war Teil meiner Waffenkammer. Ich dachte, wenn meine Gegner nicht wissen, wie ich mich wirklich fühle im Inneren, dann bin ich unbesiegbar“, gestand Borg nach seiner Karriere. Besonders traurig war McEnroe über den frühen Rücktritt von Borg mit 26 Jahren. „Wenn du deinen größten Gegner verlierst, verlierst du auch einen Teil deiner selbst“, sagte er.
Tracy Austin – Das erste Wunderkind
Wunderkinder im Tennis gab es einige. Sie war die Erste: Tracy Austin. Mit 13 Jahren spielte die US-Amerikanerin ihr erstes WTA-Turnier. Mit 14 Jahren und 28 Tagen ist Austin bis heute die jüngste Titelträgerin (1977 in Portland) der WTA-Tour. Mit 16 Jahren und 270 Tagen gewann sie die US Open 1979 – als jüngste Siegerin in New York. 1980 führte sie mit 17 Jahren die Weltrangliste an.

Teenie-Star: Tracy Austin bei ihrem Grand Slam-Debüt in Wimbledon 1977 mit 14 Jahren.Bild: Imago
Austin war das Wunderkind mit der Vorbestimmung, Großes zu vollbringen. Mit vier Jahren war sie auf dem Cover des Magazins World Tennis. „Druck? Habt ihr bemerkt, wie oft mein Bild auf dem Cover der Sports Illustrated war, als ich zwölf Jahre alt war“, kommentierte Austin ihr Image. Nur: Bereits mit 21 Jahren zwangen Rückenprobleme Austin zum Karriereende.

