50 Jahre tennis MAGAZIN: Boris Beckers „ganz persönliche Mondlandung”
tennis MAGAZIN feiert im Juni 2026 seinen 50. Geburtstag. Wir blicken in dieser und den nächsten Ausgaben zurück auf historische Highlights. Diesmal: die Jahre 1981 bis 1985.
Der Centre Court in Wimbledon war für Boris Becker viel mehr als nur ein Tennisplatz. Es war sein Wohnzimmer. Zum heiligen Rasen pflegte Becker eine innige Liebesbeziehung. Am 7. Juli 1985, einem warmen Sonntagnachmittag im Südwesten Londons, schrieb Becker deutsche und internationale Sportgeschichte.
Er gewann mit 17 Jahren und 227 Tagen das prestigeträchtigste Tennisturnier, wurde der jüngste Wimbledonsieger, der erste ungesetzte Sieger auf dem heiligen Rasen und der bis dato jüngste Grand Slam-Champion. Deutschland hatte einen Sporthelden, dessen Werdegang die Menschen auch 40 Jahre nach seinem ersten Wimbledonsieg fasziniert.
Boris Becker: „Ich denke, dass es Tennis in Deutschland verändern wird”
„Ich bin der erste Deutsche, und ich denke, dass es Tennis in Deutschland verändern wird. Sie hatten niemals ein Idol, und nun haben sie vielleicht eines“, sagte Becker damals. Er behielt recht und löste einen sagenhaften Tennisboom in Deutschland aus. Das Leben des 17-jährigen Leimeners sollte sich fortan für immer verändern. Der Wimbledonsieg 1985 war seine „ganz persönliche Mondlandung“, wie Becker Jahre später in einem Werbespot schilderte. „Die Leute sahen mich an, als wäre ich nicht von dieser Welt“, befand Becker nach seinem geschichtsträchtigen und spektakulären ersten Wimbledontitel.
Für die Fernsehzuschauer war dieser historische Moment jedoch teilweise schwer zu verfolgen. Zu dem Zeitpunkt spielte man noch mit weißen Tennisbällen, die im Fernsehen nicht so gut zu erkennen waren. Kurz danach wurden auf Wunsch der Fernsehsender gelbe Tennisbälle eingeführt, die eine bessere Leuchtkraft hatten. Das Finale zwischen Becker und Kevin Curren war somit das letzte Match in Wimbledon, das mit weißen Bällen gespielt wurde.
Es wirkte fast so, dass Beckers Triumph Schicksal war. In der dritten Runde gegen den Schweden Joakim Nyström servierte sein Gegner im fünften Satz zweimal zum Matchgewinn. Bei den damals ultraschnellen Plätzen in Wimbledon war dies fast schon die halbe Miete.

Historisch: Boris Becker ist mit 17 Jahren der jüngste Wimbledonsieger der Geschichte.Bild: Imago
Boris Becker: „Wimbledon ist wie mein zweiter Geburtsort”
Doch Becker befreite sich zweimal aus dieser Situation. Eine Runde später, im Achtelfinale gegen den US-Amerikaner Tim Mayotte, stand Becker erneut kurz vor dem Aus. Er lag mit 1:2 in den Sätzen zurück und knickte im vierten Satz um. Becker signalisierte dem Schiedsrichter bereits, dass er aufgeben wollte, um sich im Bruchteil einer Sekunde doch erst einmal für eine dreiminütige Verletzungspause zu entscheiden. „Er humpelte in Richtung Netz und zeigte uns, dass Schluss ist. Das Glück wollte, dass Tim Mayotte an der Plane ganz hinten stand und wartete, dass Boris aufgibt. Das war eine große Entfernung bis zum Netz. In dieser Zeit war die Gelegenheit, Boris zuzurufen, dass er weiterspielen kann. Es ist nicht so schlimm“, schilderte Beckers damaliger Trainer Günther Bosch in einer NDR-Dokumentation die Ereignisse. Becker spielte tatsächlich weiter und gewann das Match in fünf Sätzen.
Wer weiß? Wäre Mayotte damals nicht so weit entfernt vom Netz gewesen, als Becker kurz vor der Aufgabe stand, hätte die Tennisgeschichte vielleicht ganz anders ausgesehen. „Wimbledon ist wie mein zweiter Geburtsort. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Matchball beim Finale 1985. Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass sich etwas verändert hat. Ich wusste nicht, was es war, aber ich hatte das klare Gefühl, dass sich irgendwas dramatisch verändert hat. Ich wurde der öffentliche Boris Becker“, resümierte Becker nach seinem Karriereende.
Martina Navratilova vs. Chris Evert –Die Mutter aller Rivalitäten
Bei den Damen prägten in diesen Jahren Martina Navratilova und Chris Evert die Szene. Ihr Duell war die Mutter aller Rivalitäten im Tennis. Zwischen 1973 und 1988 spielten die beiden 80 Mal gegeneinander, 60 Matches waren Endspiele – bis heute ist diese Zahl unerreicht. Navratilova beschrieb die Rivalität als das „amerikanische Mädchen von nebenan gegen die muskulöse Lesbe“.
Die Bilanz spricht mit 43:37 für Navratilova, die auch die wichtigen Spiele meist für sich entschied. 14 Mal trafen sich Navratilova und Evert in einem Grand Slam-Finale, zehnmal siegte Navratilova. In den Jahren 1981 bis 1985 waren die beiden das Nonplusultra, 17 der 20 möglichen Majortitel gingen an Navratilova oder Evert.

Rivalinnen und Freundinnen: Martina Navratilova (li.) und Chris Evert gewannen als Duo zwei Grand Slam-Titel im Doppel.Bild: Imago
„Das Schöne an unserer Rivalität war nicht nur, dass wir so oft gegeneinander gespielt haben, sondern der Kontrast. Wir waren wie Tag und Nacht. Sie war aggressiv, ich war eine Konterspielerin. Sie war muskulös, ich nicht. Sie kam aus einem kommunistischen Land, ich war eine Amerikanerin aus dem Land der Freiheit. Sie war emotional, ich war cool“, sagte Evert über die gemeinsame Rivalität.
Auch für Navratilova zählen die zahlreichen Duelle mit Evert zu der größten Sportrivalität der Historie. „Ohne Zweifel sind sie das. Es ist die Langlebigkeit. Wir hatten Qualität und Quantität. Die meiste Zeit waren wir Nummer eins und zwei. Es war einzigartig. Es ist schwer, das zu wiederholen.“
Ein Match zwischen Evert und Navratilova stach besonders wegen seiner Kuriosität hervor. Es war das 41. Duell zwischen den beiden – 1981 im Finale des Sandplatzturniers in Amelia Island. Evert verpasste ihrer ewigen Rivalin Navratilova den „Double Bagel“, also ein 6:0, 6:0. Es war das erste Mal, dass eine ehemalige Nummer eins die Höchststrafe erhielt.

