Eva Lys: „Wir haben auch Gefühle”
Vor Beginn des Masters-Turniers in Rom sprach Eva Lys im „The Changeover Podcast” ausführlich über ihr Leben als Tennisprofi und die Kritik an ihrer Person.
In den vergangenen Wochen stand Eva Lys besonders in der deutschen Presse stark unter Beschuss. Nach ihrem frühen Turnier-Aus in Madrid kritisierte Lys die deutsche Berichterstattung und dessen „durchgehend negative Grundhaltung“ in Schlagzeilen und Kommentaren. Im „The Changeover Podcast“ spricht Lys über genau diese Kritik, über ihr Comeback nach ihrer verletzungsbedingten Pause und darüber, dass es ihr „manchmal etwas zu wichtig ist, was andere Leute zu sagen haben“.
Eva Lys kritisiert deutschen Sportjournalismus
„Ich frage mich zunehmend, wohin sich der deutsche Sportjournalismus entwickelt“, schreibt Eva Lys auf Instagram. In einer Instagram-Story kritisiert die 24-Jährige die Negativität, die sie in den letzten Wochen in der deutschen Presse erfahren musste. Sie macht deutlich: Kritik gehöre zum Sport dazu. Es gehe ihr um „die Art und Weise, wie sie formuliert wird“. Die Kritik wirke abwertend und nicht konstruktiv. Lys sei ein „differenzierter und respektvoller Ton“ wichtig.
Die Kritik richte sich nicht an alle Journalisten. Grundsätzlich begrüße Lys jede Form der Berichterstattung – besonders im Frauensport, der laut der deutschen Profispielerin „lange nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die er verdient“. In ihrem Statement spricht sie auch die „Selbstverständlichkeit“ an, mit welcher Sportler kritisiert werden. „Leistungssport ist komplex“, schreibt die Hamburgerin. Und genau aus diesem Grund, sei das selbstverständliche Verurteilen fragwürdig. Mit dieser Wahrnehmung sei sie nicht allein.
Dass sie momentan nicht in ihrer besten Form ist, sei Lys bewusst. Zweieinhalb Monate musste sie verletzungsbedingt aussetzen. Trotzdem wünscht sich die Profispielerin „Unterstützung im eigenen Land “ und, dass „sachlich, fair“ und „differenziert“ über ihre Leistung gesprochen wird.
Eva Lys: „Ich hätte nicht erwartet, dass es die Leute so interessieren würde”
Ende April war Eva Lys im „The Changeover Podcast“ (wöchentliches Format von Jody Maginley und Justin Roberts) zu Gast. In dem Podcast spricht Lys unter anderem über ihr Comeback nach der Verletzungspause. „Ich hätte nicht erwartet, dass es die Leute so sehr interessieren würde.“ Sie habe in der Vergangenheit bereits Verletzungen gehabt, aber das öffentliche Interesse und die damit einhergehende Kritik an ihrem Comeback sei für Lys eine neue Erfahrung.
Eva Lys ist aktuell die Nummer 80 der Weltrangliste. „Ich weiß, dass es etwas Zeit braucht, um Matches zu gewinnen und meine Fitness zurückzugewinnen“, sagt Lys. Ihr Comeback-Match hatte sie bei den Miami Open im März gespielt. Das öffentliche Interesse an Lys’ Rückkehr auf den Court habe auch dazu geführt, dass die 24-Jährige viele Reaktionen von der „Außenwelt“ erhalten habe. Sie versuche sich aber auf sich selbst und die Meinung ihres Arztes, ihres Coaches und ihres Teams zu fokussieren.
„Das Internet ist manchmal ein gruseliger Ort“, sagt die 24-Jährige. In Zeiten von Social Media sind Tennisspieler nicht nur auf, sondern auch abseits des Courts Kritik ausgesetzt. Manche Menschen würden sich wohl genug fühlen, um im Internet alles zu sagen. Die Anonymität im Internet, hinter der sich viele User verstecken, ist nach wie vor ein großes Problem, welches weit über den Sport hinausgeht. Auch Coco Gauff wendete sich kürzlich über TikTok an anonyme Hater, die rassistische Kommentare auf ihrem Social-Media-Account hinterlassen würden.
Dass auch Eva Lys als Profispielerin in der Öffentlichkeit steht, ist klar. „Ich teile viel auf Instagram und Social Media, weil es mir Spaß macht“, erzählt Lys den Podcast-Hosts. Viele Social-Media-Nutzer würden dabei vergessen, dass die Online-Welt nicht das ganze Leben einer Person widerspiegelt. „Ich teile offensichtlich nicht alles“, sagt die Hamburgerin. „Menschen wissen nicht, was man durchmacht“, fügt Lys hinzu. Sie gehe durch Höhen und Tiefen. Besonders in den letzten Wochen habe die Profispielerin versucht, sich von den Kommentaren zu distanzieren: „Ich versuche mich auf den Support und die guten Seiten von Social Media und die Unterstützung zu konzentrieren und den Rest zu ignorieren und zu blockieren.”
Eva Lys: „Mein Problem ist, dass es mir manchmal zu wichtig ist, was andere Leute zu sagen haben”
Im Podcast „Changeover“ wird Lys auch auf ihre Kritik angesprochen, die sie kürzlich an der deutschen Berichterstattung ausgeübt hat. Auf die Frage, ob es ihr wichtiger sei, ihre Meinung zu äußern und Kontrolle über das Narrativ zu gewinnen oder die Leute einfach reden zu lassen, antwortet Lys: „Ich versuche beides zu tun. Mein Problem ist, dass es mir manchmal zu wichtig ist, was andere Leute zu sagen haben – also muss ich mich ein bisschen rausnehmen.“ Dennoch sei es ihr wichtig, Plattformen zu nutzen und über Dinge zu reden, die ihrer Meinung nach schief laufen würden.
„Ich bin offen für Kritik. Das sollte jeder sein“, sagt Lys. Diese Kritik solle jedoch respektvoll geäußert werden. Sie fügt hinzu: „Ich habe das Gefühl, dass Menschen so schnell urteilen, ohne wirklich die Umstände zu kennen. Dieses vorschnelle Verurteilen findet die deutsche Profispielerin „ein bisschen unfair“. Bezüglich des harschen und in ihren Worten zum Teil „unfairen“ Sportjournalismus habe Lys oft den Spruch „aber das war schon immer so“ gehört. Dazu sagt sie: „Nur weil es schon immer so war, heißt es nicht, dass es richtig ist. Wir haben auch Gefühle. Wir versuchen, das Beste in unserem Job zu geben.“
Es gebe viele tolle Journalisten, die Tennis nach außen tragen, sagt Lys und betont, dass sich die Kritik nicht an alle Journalisten richte. Jedoch sei die Berichterstattung über sie in den deutschen Medien „sehr negativ“ gewesen.
Eva Lys: „90 Prozent meines Lebens besteht aus Tennis”
„90 Prozent meines Lebens besteht aus Tennis“, erzählt Lys den beiden Profispielern und Podcast-Hosts Jody Maginley und Justin Roberts. Trotzdem werde sie anhand der zehn Prozent außerhalb der Tenniswelt beurteilt. Lys habe zum Teil das Gefühl, sie müsse nach jedem Social-Media-Post abseits des Courts versichern, dass sie noch auf den Sport fokussiert sei. Dabei bestehe ihr Alltag größtenteils aus: Training, Erholung, Fitness, Gym und Reisen.
„Ich lebe und atme Tennis“, sagt die Profispielerin. Aber es gebe eben auch die zehn Prozent abseits des Courts. Lys erklärt: „Ich bin ein Mensch. Ich möchte nicht nur auf dem Court, sondern auch außerhalb wachsen.“ Diese zehn Prozent verbringe sie gerne damit, in Restaurants essen zu gehen. Dafür, dass Eva Lys auf ihren Social-Media-Accounts nicht nur über den Alltag als Tennisprofi postet, erntet sie immer wieder Kritik. Auf ihrem Instagram-Account hat sie 321 Tausend Follower und auf TikTok verfolgen fast 60.000 Menschen das Leben der 24-Jährigen.
Neues TikTok-Duo: Eva Lys & Coco Gauff
Die Hosts des Podcasts sind sich sicher: dadurch, dass Eva Lys viele Seiten ihrer Persönlichkeit zeige, würden Zuschauer eine Verbindung zu ihr aufbauen. So habe Eva kürzlich ein TikTok-Tanz-Video mit Coco Gauff in Madrid gefilmt. „Ich habe ihr gesagt, dass sie den einfachsten Tanz aussuchen soll, weil ich nicht tanzen kann“, erzählt Lys lachend.
@cocogauff had to choose the easiest dance for @Eva 😅 #dance #fyp ♬ original sound – ❤️🩹
Für Eva Lys ist es wichtig, besondere Momente zu genießen und Spaß zu haben. Spaß zu haben bedeute nicht, dass sie nicht hart arbeite oder für ihre Träume kämpfen würde. Im Podcast macht Lys deutlich: Sie habe Träume und werde alles tun, um diese zu verfolgen. Sie fügt hinzu: „Ich weiß, dass ich eine der Spielerinnen bin, die Spaß haben muss.“ Das bedeute, Dinge zu tun, die einem das Gefühl von „Selbstverwirklichung“ geben würden. „Ich denke, am Ende ist das der wichtigste Part für mich“, sagt Lys im „The Changeover-Podcast“-Interview.
