Marc-Andrea Hüsler

Perfektes Karriereende knapp verpasst: Marc-Andrea Hüsler erreichte bei seinem letztem Turnier, beim Challenger in Zug, das Finale.Bild: Freshfocus

Marc-Andrea Hüsler und sein Karriereende: Der richtige Zeitpunkt

Nach elf Jahren als Tennisprofi ist Marc-Andrea Hüsler zurückgetreten und schlägt nun ein neues Kapitel auf: Er wird studieren. Im Rückblick schauen wir auf die großen  Momente seiner Karriere und erklären seine Zukunfts­pläne. Klar ist für ihn, dass er mit dem Tennissport verbunden bleiben wird – auf welche Art auch immer.

Als einer von nur sieben Schweizer Tennisspielern gelang Marc-Andrea Hüsler im Februar 2023 der Sprung unter die besten 50 Spieler der Welt. Dreieinhalb Jahre später, im Alter von 30 Jahren, zog der Zürcher den Schlussstrich unter seine professionelle Karriere. Sein Abschied beim ATP Challenger in Zug verlief dabei noch einmal hoch emotional: Mit dem Finaleinzug begeisterte er das heimische Publikum und bewies eindrucksvoll, dass er spielerisch nach wie vor mit der Weltspitze mithalten kann.

Die Entscheidung zum Rücktritt fiel Hüsler nicht leicht: «Ich weiss, dass ich nach wie vor ein gutes Niveau habe und gute Spieler schlagen kann. Aber nachdem ich bereits unglaublich viel erleben durfte, hatte ich irgendwann das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, den Schalter umzulegen». Besondere Bedeutung hatte für ihn der Austragungsort seines letzten Turniers. Zug sei für ihn wirklich ein Zuhause, weshalb sich der Schritt trotz aller Emotionalität richtig anfühle: «Nach so vielen Jahren auf der Tour ist es nicht einfach, sich davon zu verabschieden. Aber ich bin froh und glücklich, dass ich diesen Schritt jetzt gemacht habe.»

Marc-Andrea Hüsler: „Ich bin ein Teamplayer“

Blickt der Schweizer auf seine Karriere zurück, stechen zahlreiche Highlights heraus. Als ausgeprägter Teamplayer blieben ihm vor allem die Erfolge im Davis Cup in besonderer Erinnerung – darunter die emotionale Auswärtspartie gegen Ecuador sowie der Sieg über Deutschland, bei dem er Alexander Zverev besiegen konnte. «Ich bin ein Teamplayer und finde es unglaublich schön, wenn man gemeinsam etwas erreichen und feiern kann», betont Hüsler. Im Einzel ragt für ihn das Fünf-Satz-Match gegen John Millman bei den Australian Open heraus: «Fünf Stunden, volles Haus, eine unglaubliche Stimmung – das war etwas ganz Besonderes.» Aber auch unerwartete Erfolgsmomente und seine Turniere in Mexiko, wo er über die Jahre «fast eine zweite Familie gefunden» hat, haben bleibenden Eindruck hinterlassen.

Dem Tennissport wird Hüsler auch nach dem Ende seiner Profikarriere eng verbunden bleiben. Nach einer kurzen Pause kann er sich gut vorstellen, weiterhin im Interclub aufzuschlagen. Da zudem seine Familie und seine Freundin eng mit dem Sport verwoben sind, bleibt Tennis ein fester Bestandteil seines Lebens. Ob er künftig auch beruflich in der Tenniswelt tätig sein wird, lässt er noch offen. Feststeht für ihn jedoch: «Tennis wird immer ein grosser Teil meines Lebens sein.»

Marc-Andrea Hüsler: „Vertraut eurem Weg”

Für die Zeit nach dem Profisport hat Hüsler bereits konkrete Pläne: Er beginnt ein Wirtschaftsstudium und sucht parallel nach Praktika, um praktische Erfahrungen in verschiedenen Bereichen zu sammeln. Die elf Jahre auf der Tour bezeichnet er als eine «riesige Lebenserfahrung und eine unglaubliche Lebensschule». Gleichzeitig sei der Profisport aber auch eine eigene Realität: «Wenn man so lange darin lebt, weiss man teilweise gar nicht, was es ausserhalb davon alles gibt.» Nun gelte es, sich Zeit zu geben, um sich an den neuen Alltag und das Sesshaftwerden zu gewöhnen.

Jungen Nachwuchstalenten rät der ehemalige Top-50-Spieler, sich nicht schon in jungen Jahren unter Druck setzen zu lassen und dem eigenen Weg zu vertrauen. Hüsler selbst wurde erst mit 19 Jahren nach der Matura Profi und schaffte dennoch den Durchbruch. «Das Niveau ist heute bereits in jungen Jahren unglaublich hoch. Manchmal habe ich deshalb etwas Angst, dass das Pulver zu früh verschossen wird», warnt er. Entscheidend sei nicht, möglichst früh in die Top 100 zu kommen, sondern eine lange und gesunde Karriere aufzubauen: «Vertraut eurem Weg, glaubt an euch und behaltet vor allem den Spass am Tennis.»