Die ATP will Doppel abschaffen

Doppel – Tennis Bild: Imago

Volles Haus: Henri Patten (re.) und Harri Heliovaara bejubeln ihren Titelgewinn in Wimbledon.

Hinter den Kulissen der ATP-Tour sorgt ein Plan für große Aufregung unter den Doppelspezialisten. Unser Kolumnist Andreas Mies macht sich ernshaft Sorgen, wie und ob seine Sportart  überleben kann.

Wenn es um die Zukunft des Doppels geht, mache ich mir ernsthaft Sorgen. Denn das, was die ATP derzeit plant, geht in die Richtung, das Doppel im Laufe der nächsten Jahre abzuschaffen. Von den Plänen der ATP habe ich über Social Media erfahren. Geplant ist, dass mit Beginn der Saison 2028 die bisherige Preisgeldverteilung zwischen Einzel und Doppel von 80:20 auf 90:10 reduziert wird. Zudem sollen die Doppelfelder bei ATP-Turnieren stark verkleinert werden. Bei Masters-Turnieren von 32 auf 16 Paarungen, sowie bei 500er- und 250er-Turnieren von 16 auf nur noch acht Paarungen. Bei Challenger-Turnieren gehen die Startplätze im Doppel bevorzugt an Einzelspieler.

Doppel auf der ATP-Tour: Ein Gefühl, dass du ungewollt bist

Es ist nicht das erste Mal, dass die ATP Reformen ankündigt oder sogar durchführt zulasten von uns Doppelspielern. Vor zwei Jahren gab es beim Masters-Turnier in Madrid einen Testballon. Die Doppelkonkurrenz wurde in der zweiten Woche innerhalb von fünf Tagen gespielt. 16 der 32 Startplätze waren für Duos vorbehalten, bei denen ausschließlich das Ranking in der Einzel-Weltrangliste ausschlaggebend war. Ich habe damals erst einen Tag vorher erfahren, dass ich mit meinem Partner Nicolas Barrientos ins Hauptfeld komme. Wir sind dann morgens nach Madrid geflogen, haben uns kurz eingespielt in 600 Metern Höhenlage und anschließend direkt unser Match gespielt, was wir verloren haben. Es war katastrophal organsiert. 

Es ist ein wiederkehrendes Thema, es ist zäh und undankbar für uns Doppelspieler, weil du immer von der ATP das Gefühl bekommst, dass du ungewollt bist, dass wir überflüssig sind und man unsere Disziplin abschaffen will. Bereits Mitte der 2000er-Jahre plante die ATP gravierende Reformen, die dazu geführt hätten, dass reine Doppelspezialisten praktisch vom Profizirkus ausgeschlossen wären. Die damals besten Doppelspieler, darunter die legendären Bryan-Zwillinge Bob und Mike, reichten Klage ein. Man einigte sich schließlich außergerichtlich. Als Kompromiss führte man den Match-Tiebreak im dritten Satz ein, um Doppelmatches fernsehtauglicher zu machen.

Viele Einzelspieler sehen Doppel nur als Warm-up

Man hat dieses Jahr in Paris und Wimbledon gesehen, was passieren könnte, wenn man Doppel nur noch für Einzelspieler zugänglich machen möchte. Viele Einzelspieler sehen Doppel nur als Warm-up fürs Einzel oder ziehen aus dem Wettbewerb kurzfristig raus so wie in Paris, als es insgesamt sieben Nachrücker-Duos gab sowie sogar drei Walkover, weil so schnell mögliche Doppelteams gar nicht anreisen konnten. Die ATP sollte Möglichkeiten kreieren und nicht Jobs wegnehmen. Anstatt nach einer Lösung zu suchen, damit Tennis als Gesamtprodukt wächst, will die ATP das Doppel bewusst klein halten. Wie wäre es damit, das Dopel auch zu promoten? Ein Anfang wäre ein eigener Social-Media-Account. 

Über respektlose Äußerungen von Einzelspielern wie Reilly Opelka, der uns Doppelspezialsten als überbezahlte Athleten bezeichnet und uns fehlendes Talent vorwirft, kann ich nur lachen. Die Aussagen sind komplett falsch. Opelka hat keinerlei Ahnung vom Doppel und weiß überhaupt nicht, wie das Spiel funktioniert. Ich glaube, er ist frustriert, dass er im Doppel gegen die Spezialisten verliert. 

Derzeit bin ich noch am Knie verletzt, aber ich hoffe, dass ich die Chance bekomme, überhaupt noch Doppel zu spielen.