Rafael Nadal wechselt die Seiten – zumindest ein Stück weit. Aus dem prominentesten Fan im Bernabéu soll ein Mann werden, der bei Real Madrid mitentscheidet. Für den 22-fachen Grand-Slam-Sieger erfüllt sich damit ein Kindheitstraum.
Der Vorstand von Real Madrid hat am 4. November einstimmig beschlossen, Nadal als neues Mitglied der Junta Directiva vorzuschlagen. Endgültig wird die Berufung am 21. November. Dann muss die Versammlung der Socios Compromisarios, der Delegierten der Vereinsmitglieder, in einer außerordentlichen Sitzung zustimmen – mit Nadal als einzigem Tagesordnungspunkt. Der Verein sprach von einem „enormen Stolz“, eine Figur dieser sportlichen und menschlichen Größe in seinen Reihen zu haben. Nadal, Mitglied Nummer 67.778 und seit 2011 Ehrenmitglied des Klubs, bedankte sich bei Präsident Florentino Pérez und schrieb, er habe den Vorschlag mit großer Begeisterung angenommen und wolle lernen und beitragen, so gut er könne.
Ein Madridista von Kindesbeinen an
Dass ausgerechnet Nadal im Vorstand der Königlichen landet, ist keine Überraschung. Schon als kleiner Junge in Manacor auf Mallorca fieberte er mit den Weißen und das, obwohl sein Onkel Miguel Ángel Nadal damals ausgerechnet beim Erzrivalen FC Barcelona spielte. Die Familie ist seither gespalten, Rafa blieb Madrid treu. Sein Onkel und langjähriger Trainer Toni Nadal erzählte einmal, Rafa habe zwar für den Onkel und damit für Barça mitgefiebert, überzeugt gewesen sei er aber nie – er sei schlicht ein Real-Fanatiker.
Wann immer es der Turnierkalender zuließ, saß Nadal im Santiago Bernabéu, oft auch in der Ehrenloge. Daneben schlägt sein Herz für den Heimatklub RCD Mallorca, bei dem er als Kind schon mit dem Onkel im Stadion stand. Gerüchte, er wolle selbst Präsident werden, wies er im Mai 2026 noch zurück und lobte stattdessen Florentino Pérez als einen der besten Präsidenten der Vereinsgeschichte. Nun bekommt er einen Platz an dessen Seite.
Respekt unter Champions: Nadal und die Fußballer
Nadal hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr er Fußballer bewundert – und die Bewunderung beruht auf Gegenseitigkeit. Cristiano Ronaldo, zu seinen Madrider Zeiten der größte Star des Klubs, kam zu Nadals Matches in London und Madrid, um ihn von der Tribüne aus anzufeuern. Die beiden sind befreundet.
2012 standen sie dann sogar gemeinsam auf dem Platz – allerdings auf einem Tennisplatz. Für einen Nike-Spot, gedreht auf Mallorca, trat Ronaldo auf Rasen gegen Nadal an: Nadal mit Schläger, Ronaldo nur mit seinen neuen Fußballschuhen, mit denen er die Tennisbälle zurückschoss. Hinter den Kulissen drehte Nadal den Spieß um und interviewte Ronaldo über Fußball, Tennis und Tempo. Auch über die heutige Generation spricht er mit Hochachtung: Kylian Mbappé traut er zu, der beste Spieler der Welt zu werden.
Seinen wohl emotionalsten Fußballmoment erlebte Nadal im Sommer 2010. Wenige Tage nach seinem zweiten Wimbledon-Sieg reiste er nach Johannesburg zum WM-Finale Spaniens gegen die Niederlande. Als Andrés Iniesta in der 116. Minute das erlösende 1:0 erzielte, kamen ihm nach eigenen Worten die Tränen, noch bevor er es überhaupt merkte. Nach dem Abpfiff gehörte er zu den ganz wenigen Gästen, die in die streng abgeschirmte Kabine der Weltmeister durften. Dort feierte er mit Iker Casillas, Sergio Ramos und Co. und hielt den WM-Pokal selbst in den Händen. Ein überwältigender Moment für einen, der selbst einmal Fußballer werden wollte. Er habe dieses Finale „mit maximaler Begeisterung und Intensität“ erlebt, sagte Nadal später. Spaniens WM-Titel und die beiden EM-Triumphe drumherum nannte er historisch und wohl unwiederholbar. Noch 16 Jahre danach, vor dem WM-Finale 2026, schrieb er, er erinnere sich bis heute an die Emotion jener Nacht in Südafrika.
Der Fußballer, der Tennisspieler wurde
Fast wäre Nadals Lebensweg ganz anders verlaufen. Als Kind galt seine erste Leidenschaft dem Fußball, und er war gut darin. „Ich war ziemlich gut im Fußball. Ich war Stürmer“, sagte er später. Das Talent lag in der Familie: Onkel Miguel Ángel spielte von 1991 bis 1999 für den FC Barcelona, gehörte dort zu Johan Cruyffs legendärem „Dream Team“, gewann 1992 den Europapokal der Landesmeister und bestritt 62 Länderspiele für Spanien. Er gilt bis heute als erfolgreichster Fußballer Mallorcas.
Parallel dazu stand der kleine Rafa schon ab etwa drei Jahren mit Onkel Toni auf dem Tennisplatz. Mit elf Jahren wurde er spanischer Meister der Unter-12-Jährigen – und musste sich entscheiden, denn beides auf diesem Niveau ging nicht mehr. Er wählte das Tennis.
Ein Glück für uns alle. Denn was folgte, ist Sportgeschichte: 14 Titel bei Roland Garros, eine Dominanz auf Sand, die es so nie gegeben hat und wohl nie wieder geben wird, dazu insgesamt 22 Grand-Slam-Titel. Hätte Nadal sich damals für den Fußball entschieden, wären uns all diese Momente entgangen. Nach seinem Karriereende im November 2024 kehrt er nun doch noch zum Fußball zurück – nicht als Stürmer, sondern als Vorstandsmitglied seines Lieblingsvereins.
Hochhalten statt Aufschlag: Nadal zeigt seine Fußballkünste: