Australian Open 2018 Wheelchair Championships

Grand Slam-Sieger Dylan Alcott: „Ich liebe es, im Rollstuhl zu sitzen“

Mit seinem vierten Australian Open-Titel in Folge ist Dylan Alcott etwas gelungen, was vorher nur zwei Größen des Sports erreicht haben. Der Einfluss des Rollstuhl-Tennis-Profis geht weit über den sportlichen Faktor hinaus. In seinem Heimatland ist er Werbestar und treibt erfolgreich seine Stiftung voran. Nun hat er nicht nur die Australier mit seinen Aussagen verblüfft.

Vor, während und noch nach den Australian Open kamen Besucher in Melbourne an diesem Gesicht nicht vorbei. In schöner Regelmäßigkeit strahlte Dylan Alcott von sämtlichen Bildschirmen in Downunder. Der Rollstuhlfahrer ist ein beliebtes, weil vorbildliches Werbegesicht.

Wer noch an der Wertschätzung seiner Landsleute gegenüber dem 27-Jährigen gezweifelt hatte, der staunte nicht schlecht, als das Halbfinale des Paralympics- und Grand Slam-Siegers kurzerhand zur Primetime in die Rod Laver-Arena verfrachtet wurde. Mehr Aufmerksamkeit für Behindertensport gab es allerhöchstens bei den Sommerspielen 2012 – dank der sportbegeisterten Briten.

Dylan Alcott: „Ich bin stolz darauf“

Nun hat der Australier aber auch seine Landsleute nochmals überrascht – dieses Mal aber nicht mit einer sportlichen Leistung. Alcott hat ein Interview gegeben: „Ich liebe den Fakt, dass ich im Rollstuhl sitze“, erklärte er gegenüber abc.net.au. Er sei gar wirklich stolz darauf.

„Mein Handicap hat mir jede Menge Herausforderungen und Möglichkeiten verschafft, die ich ohne Behinderung nicht gehabt hätte“, führte der Interviewte weiter aus. Er wolle die Zahl  gehandicapter Menschen steigern, die „selbstbewusst und mit einem guten Gefühl auf Festivals, zu ihren Jobs, zum Sport, zum Tennis oder einfach zu den Australian Open gehen können“.  Das sei sein zukünftiges Ziel.

Alcott`s Wirbelsäule von Tumor umspannt

Alcott selbst kam mit einem übergroßen Tumor am Rücken, so groß wie eine menschliche Faust, zur Welt. Der Tumor hatte sich um die Wirbelsäule des Säuglings gespannt. In einer Notoperation wurde sein Leben gerettet. Die Ärzte mussten die Eltern allerdings auf ein Leben im Rollstuhl vorbereiten.

Nach dem vierten Australian Open-Titel in Serie hat Dylan Akcott allen Grund zu strahlen.

Seine sportlichen Errungenschaftem hat er dieses Jahr in Melbourne in neue Höhen gehievt. Sein 7:6, 6:1-Erfolg gegen den an eins gesetzten Weltranglistenersten David Wagner war der vierte Major-Titel in Australien – in Serie. Schon vor Titel Nummer vier hatten ähnliche Serien nur Novak Djokovic und Roy Emerson vorzuweisen.

Dylan Alcott: „Das Wort Krüppel begleitete mich überall hin“

Bevor Alcott zum Tennis wechselte, spielte er erfolgreich Rollstuhl-Basketball. Im Tennis schaffte er es in die Weltspitze, gewann neben fünf Grand Slam-Titel auch zwei Goldmedaillen im Einzel und Doppel bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Im besagten Interview gab Alcott aber auch zu, dass es um sein Selbstverständnis, das nun viele bewundern, nicht immer so gut bestellt gewesen ist. Obwohl er stets versuchte, mit seinem Bruder Zack die sportlichen und physikalischen Grenzen zu verschieben, hatte er es in der Schule schwer. Einige Mitschüler hätten ihn damals dauerhaft als Krüppel beschimpft: „Dieses Wort begleitete mich überall hin. Das hat dazu geführt, dass mir mein Leben im Rollstuhl peinlich war.“

Dylan Alcott: „Der Sport hat mich gerettet“

Trotz des Supports seiner Familie habe es sein Leben ziemlich ruiniert. „Der paralympische Sport hat mich schließlich mit all seinen Facetten gerettet“, gestand Alcott. Der Sport habe ihn nicht nur fitter gemacht. „Ich habe viele Menschen wie mich getroffen, die aber nur positiv waren und die ganze Zeit gegrinst haben“, erklärte er. Diese Leute hätten für all das gestanden, wovon er dachte, es niemals erreichen zu können.

Alcott hat durch den Sport viele inspirierende Personen getroffen

Diese Vorbildrolle für jüngere Menschen mit Handicaps möchte Alcott selbst einnehmen.  Der Australier hat bereits eine Stiftung gegründet, die sich um junge Menschen mit Behinderung und deren Zukunftsgestaltung kümmert. „Welcher Sport passt zu mir? Wo soll es beruflich hingehen? Gibt es sogar die Möglichkeit für ein Stipendium?“, erörtert der Initiator die wichtigsten Fragestellungen.

Dylan Alcott: Zwischen Vorbildrolle und Barrierefreiheit

Neben der Vorbildrolle will er auch das Umfeld, in dem Rollstuhlfahrer leben und arbeiten, verbessern. „Wir tauschen uns mit Firmen aus, damit diese einladender werden für jedermann und Voraussetzungen geschaffen werden, um erfolgreich zu arbeiten“, sagt der Tennisspieler.

Alcott hat nicht nur Starpotential . Er ist es auch in Australien.

Die Sichtweise seiner Landsleute auf das Thema Behinderung – das ist in Australien zu spüren – hat er bereits verändert. Es wirkte natürlicher. Dylan Alcott ist ein echtes Vorbild für eine Zukunft, in der behinderte Menschen nicht mehr ausgegrenzt werden – und das nicht nur in Australien.