Barbara Rittner

Barbara Rittner im Interview: „Was hätte ich da anders machen sollen?”

Das deutsche Fed Cup-Team spielt in Weißrussland mit einem ersatzgeschwächten Team um den Einzug ins Halbfinale. Barbara Rittner spricht im Interview mit tennis MAGAZIN über ihre neue Rolle und den deutschen Kader. 

Frau Rittner, es steht ein Fed Cup-Wochenende an. Deutschland spielt in Minsk gegen Weißrussland und Sie werden Samstag und Sonntag zum ersten Mal nach 13 Jahren nicht auf der Bank sitzen. Kommt da ein wenig Wehmut bei Ihnen auf?

Klar, etwas melancholisch bin ich schon – auch wenn es meine eigene Entscheidung war, als Teamchefin nicht mehr weiterzumachen. Der Job hat mir viel Spaß gemacht. Es wird ungewohnt sein, am Wochenende hinter der Bank zu sitzen. Aber ich habe vollstes Vertrauen in den neuen Kapitän Jens Gerlach. Ich bin gespannt, wie es sich dann ab Samstag tatsächlich anfühlen wird.

Sie kommen gerade von der Auslosung. Antonia Lottner wird morgen neben Tatjana Maria im Einzel auflaufen. Inwiefern waren Sie noch an dem Nominierungsprozess beteiligt?

Gar nicht. Ich bin erst seit Donnerstagabend in Minsk, da hatte sich Jens Gerlach längst für seine Nominierung entschieden. Ich hatte ihm aber auch vorher gesagt, dass er die gesamte Nominierung allein entscheiden soll. Natürlich kann er mit mir Rücksprache halten, aber die Verantwortung liegt allein bei ihm. Sonst hätte ich den Job auch weitermachen können.

Dass Antonia Lottner spielt, kommt etwas überraschend. Sie wurde nachnominiert, weil Carina Witthöft krankheitsbedingt ausfiel.

Letztlich hat sich die Mannschaft während der Trainingswoche hier in Minsk von selbst aufgestellt, weil Anna-Lena Friedsam gesundheitlich nicht bei 100 Prozent ist und Anna-Lena Grönefeld keine Option für das Einzel ist. So kommt neben Tatjana Maria nur Antonia Lottner in Frage.

Für Ihren Nachfolger Jens Gerlach ist das ein undankbarer Einstand, weil ihm etliche Stammkräfte fehlen. Angenommen Sie wären noch die Teamchefin: Hätten Sie dann am Wochenende eine stärkere deutsche Mannschaft aufbieten können?

Das weiß ich nicht. Wir hatten mit vielen unglücklichen Umständen zu kämpfen. Angie Kerber hat Anfang Dezember mit offenen Karten gespielt und uns als Verband sehr fair mitgeteilt, dass sie die ersten Wochen 2018 intensiv mit ihrem neuen Team verbringen möchte, um wieder in die Spur zu kommen. Dies ist ihr beeindruckend gelungen. Julia Görges wollte in St. Petersburg die Chance nutzen, die Top Ten zu knacken, was ihr auch gelungen ist. Beide haben somit andere Prioritäten gesetzt, standen in der Vergangenheit aber auch fast immer verlässlich dem Fed Cup-Team zur Verfügung. Andrea Petkovic will im Moment mehr auf sich gucken und spielt die Qualifikation in Doha. Das kann ich alles verstehen. Zumal der Doha-Termin auch sehr schwierig ist. Das Turnier ist für die besseren Spielerinnen ein Pflichtturnier, sie müssen dort also antreten – das verlangt die WTA-Tour. Hinzukommen Verletzungen und Krankheiten bei vielen weiteren Spielerinnen. Für Laura Siegmund kommt der Fed Cup zu früh, Mona Barthel ist derzeit nicht bei 100 Prozent, Carina Witthöft hatte eine Ohrenentzündung – was hätte ich da anders machen sollen als Jens Gerlach? Letztlich sind wir froh, dass wir noch ein gutes Team gefunden haben.

Wie sehen Sie den Fall von Carina Witthöft, die für den Fed Cup nicht zur Verfügung stand, aber nun nach Doha geflogen ist, um dort die Qualifikation zu spielen?

Sie kann nichts dafür, dass sie krank wurde. Einen Tag vor der Nominierung sagte sie für den Fed Cup ab. Aufgrund einer Ohrenentzündung war sie für eine Woche fluguntauglich. Insofern war eine gewissenhafte Vorbereitung in Minsk für sie nicht möglich. Dass Carina nun Doha spielt, mag etwas unglücklich wirken, aber man kann ihr daraus keinen Vorwurf machen.

Anna-Lena Grönefeld ist mit 32 Jahren die Erfahrenste im Team. Sie beide kennen sich gefühlt seit einer Ewigkeit. Ist Grönefeld nun die Mutter der Kompanie?

Das kann ich mir gut verstellen, aber genau weiß ich das nicht. Dafür fehlen mir die Einblicke ins Team-Innenleben. Klar ist aber: Sie und Tatjana Maria können mit all ihrer Erfahrung die beiden jüngeren Spielerinnen Anna-Lena Friedsam und Antonia Lottner mitreißen. Insbesondere Grönefeld, die ja für das Doppel vorgesehen ist, wird eine große Unterstützung für die Einzelspielerinnen sein.

Tatjana Maria ist die deutsche Nummer eins im Team. Kann sie diese Rolle voll ausfüllen?

Absolut. Sie hat schon soviel erlebt als Spielerin und als Mensch. Vergangenen Herbst spielte sie sich erstmals in die Top 50 – das ist schon beeindruckend. Tatjana ist eine totale Teamplayerin und brennt darauf, hier zum Einsatz zu kommen. Sie hat 2011 zuletzt im Fed Cup gespielt und freut sich darauf, wieder für Deutschland auflaufen zu können. Tatjana ist wertvoll für uns und konnte schon wichtige Punkte für uns holen. 2007 gewann sie beim schweren Relegationsspiel in Japan beide Einzel und das Doppel.

Gegner Weißrussland dürfte stärker sein als damals Japan.

Wahrscheinlich schon, die Weißrussinnen standen 2017 nicht umsonst im Fed Cup-Finale. In unserer jetzigen Besetzung haben wir in Minsk gar nichts zu verlieren. Die Mädels müssen über sich hinauswachsen, um hier zu überraschen. Aber das ist ihnen durchaus zuzutrauen. Sie können sich hier präsentieren, befreit aufspielen und dann ergibt sich vielleicht die eine oder andere Chance.

Im Team von Weißrussland sticht Aryna Sabalenka heraus, die nun mit dem bekannten Coach Magnus Norman zusammenarbeitet. Was halten Sie von ihr?

Das Mädchen ist 19 Jahre alt, steht auf Weltranglistenplatz 63 und hat einen extrem stark ausgeprägten Siegeswillen. Sie ist langfristig definitiv eine Kandidatin für die Top Ten. Körperlich und mental bringt sie dafür alles mit.

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