Caroline Wozniacki

Caroline Wozniacki: „Ich konnte mir nicht die Zähne putzen”

Die ehemalige Nummer eins über das Leben mit rheumatoider Arthritis und die glücklichsten Momente in ihrer Karriere.

Frau Wozniacki, Sie haben Ihre Karriere bei den Australian Open 2020 beendet. Was haben Sie seitdem gemacht?

Ich habe die Kampagne Advantage Hers mit ins Leben gerufen. Das ist mittlerweile ein großer Teil meines Lebens geworden. Mein Mann David und ich sind zudem Eltern geworden. Unsere Tochter Olivia wurde am 3. Juli 2021 geboren.

Worum geht es bei Advantage Hers?

Es hat lange Zeit gedauert, bis bei mir rheumatoide Arthritis diagnostiziert wurde. Ich fühlte mich nicht ernst genommen und war ziemlich sauer. Denn umso später man die Diagnose erhält, umso schwerer ist es, wieder auf Kurs zu kommen. Ich wusste, dass, wenn ich als Top-Athletin nicht ernst genommen werde, es bei anderen Frauen noch schlimmer ist. Viele Frauen leben mit dieser Krankheit viele Jahre, bevor sie die Antworten erhalten, die sie verdienen. Mit Advantage Hers möchten wir Frauen Mut machen und sie dazu inspirieren, lauter zu sprechen, sich selbst und anderen zu helfen. Durch Advantage Hers schaffen wir Aufmerksamkeit für die Krankheit. Es kann jede treffen: ob jung, alt, Athletin oder Nicht-Athletin.

Wie hat rheumatoide Arthritis Ihre Karriere beeinflusst?

Es gab Zeiten, da waren die Schmerzen so schlimm, dass ich nicht ohne Hilfe aus dem Bett aufstehen konnte. Ich konnte auch nicht Zähne putzen, weil ich nicht meine Arme bewegen konnte. Das war angsteinflößend. Ich wusste nicht, was in mir vorgeht. Als ich vor den US Open 2018 die Diagnose erhielt, begann ich, mich besser zu fühlen, weil ich den richtigen Behandlungsplan bekam. Als ich wenig später das Turnier in Peking gewann, wusste ich, dass ich mit meiner Geschichte andere Frauen inspirieren kann.

Haben Sie Befürchtungen, dass die Krankheit zu Komplikationen während der Schwangerschaft führt?

Glücklicherweise gehöre ich zu den 50 Prozent der Frauen, bei denen sich die Krankheit während der Schwangerschaft zurückbildet. Ich fühle mich derzeit richtig gut. Ich weiß aber, dass die Krankheit nach der Schwangerschaft zurückkehren wird.

Welche Leistung würden Sie höher einstufen: die 71 Wochen als Nummer eins der Welt oder der Australian Open-Titel 2018?

Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Ich stelle die eine Leistung nicht über die andere. Aber: Die Nummer eins der Welt zu werden und es auch zu bleiben, ist die schwerste Aufgabe im Tennis. Das Jahr als Nummer eins zu beenden, ist noch mal deutlich schwerer. Man muss das gesamte Jahr extrem konstant sein, viele Turniere gewinnen und die besten Spielerinnen regelmäßig besiegen. Ich bin unglaublich stolz, dass es mir zweimal gelang, am Ende des Jahres die Nummer eins zu sein.

Was haben Sie für das Leben gelernt während Ihrer Tenniskarriere?

Ich habe so viel gelernt. Tennis hat mir so viel gegeben: Disziplin, Unabhängigkeit, neue Freunde, das Erfahren und Lernen von neuen Kulturen, Leistung abrufen unter Druck. Als ich mit meinem Mann David, der Profi-Basketballer war, darüber sprach, was wir von unserem Kind erhoffen, ist es der Sport. Dieser ist solch ein großer Teil unseres Leben und hat uns so viel Freude gebracht. Wir möchten, dass sich der Sport positiv auf unsere Tochter auswirkt.

Haben Sie einen Moment in Ihrer Tenniskarriere, der Sie am glücklichsten gemacht hat?

Die Olympischen Spiele für Dänemark zu spielen und 2016 in Rio de Janeiro die Flaggenträgerin für mein Land zu sein, war eine der unglaublichsten Erfahrungen meines Lebens. Das steht sehr weit oben. Dass ich bei den Australian Open 2018 endlich meinen ersten Grand Slam-Titel gewonnen haben und dadurch wieder die Nummer eins der Welt wurde, ist natürlich auch besonders. Meinen ersten WTA-Titel, 2008 in Stockholm, werde ich auch nie vergessen. Und mein letzter Titel, 2018 in Peking, war besonders, weil bei mir da bereits rheumatoide Arthritis diagnostiziert wurde.

Sie haben ein enge Freundschaft mit Serena Williams. Was ist so besonders an Serena abseits des Platzes?

Serena ist wie eine große Schwester für mich und hat sich um mich gekümmert, als es mir nicht gut ging. Sie ist sehr aufmerksam und immer für einen da, wenn man sie braucht. Ich bewundere es, wie sie mit sich, ihrer Familie und Freunden umgeht.

Verfolgen Sie die WTA-Tour noch oder haben Sie sich etwas distanziert vom Tennisgeschäft nach Ihrem Karriereende?

Ich liebe Tennis so sehr. Es war so lange der Hauptbestandteil meines Lebens. Ich schaue mir immer noch viele Turniere an. Die letzten anderthalb Jahre waren eigenartig für alle. Die Turnieratmosphäre mit wenig Fans oder völlig ohne ist seltsam. Zum Glück normalisiert es sich allmählich.

Es gibt viele Mütter auf der WTA-Tour wie Serena, Azarenka oder Zvonareva. Können Sie sich ein Comeback in den nächsten Jahren vorstellen?

Mein Mann David macht immer Witze, dass es Zeit für ein Comeback sei, wenn das Baby auf der Welt ist. Derzeit genieße ich mein Leben abseits des Platzes so sehr. Mir gefällt der Stillstand und der weitaus weniger gefüllte Tagesplan. Derzeit ist ein Comeback überhaupt kein Thema. Aber ich werde niemals nie sagen. Es sind schon verrücktere Sachen passiert.