2017 US Open Tennis Championships – Day 7

NEW YORK, NY - SEPTEMBER 03: Julia Goerges of Germany returns a shot in her women's singles fourth round match against Sloane Stephens of the United States on Day Seven of the 2017 US Open at the USTA Billie Jean King National Tennis Center on September 3, 2017 in the Flushing neighborhood of the Queens borough of New York City. (Photo by Matthew Stockman/Getty Images)

Julia Görges: „Man muss Neues zulassen können“

Wo haben Sie Ihre Trainingsbase?
In Regensburg, wo ich ja auch Bundesliga spiele. Wir haben dort einen Hartplatz, jede Menge Sandplätze und wenn man auf einem schnelleren Belag trainieren möchte, gibt es Teppichcourts. Dazu ein klasse Fitnessstudio und viele Wege, die ich mit dem Fahrrad erledigen kann. Das passt alles super und Regensburg ist eine wirklich schöne Stadt, sehr zu empfehlen (lacht).

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation auf der Tour?
Im Damentennis ist nichts unmöglich. Es gibt keine dominierende Spielerin mehr. Jede kann Turniere und Grand Slams gewinnen. Das gibt allen Spielerinnen Mut und Motivation, noch härter zu arbeiten.

Dominant: Julia Görges zeichnet sich durch ihre offensive Spielweise aus.

„Bin mir sicher, dass ich heute besser spiele“

Löst man sich im Laufe der Jahre vom Ranglisten-Denken?
Klar wird man nach dem Ranking beurteilt. Da zeigt sich, wie du im letzten Jahr gespielt hast. Damit meldest du die Turniere, es ist also nicht unwichtig. Ich habe jetzt eine gute Ausgangsposition für das kommende Jahr, bin bei den großen Turnieren direkt im Hauptfeld, was die Sache ungemein leichter macht. Ich bewerte die Dinge nicht mehr so, wie ich das vielleicht einmal getan habe. Ich möchte einfach die beste Tennisspielerin werden, die ich werden kann. Wenn ich mein Potential ausschöpfe, bin ich zufrieden. Das hat mich schon einmal zu Position 15 geführt (2012 Anm. d. Red.). Aber das Tennis hat sich weiterentwickelt und ich bin mir ganz sicher, dass ich heute besser spiele als damals. Ich habe mich körperlich und tennisspezifisch weiterentwickelt. Als Spielerin ist es wichtig, mit dem Gesamtpaket, das man mit sich trägt, wohlfühlt und übereinstimmt. Und mit meinem jetzigen Paket stimme ich mehr überein als mit dem damaligen. Das hatte mit der Konstanz und dem Tennis, das ich jetzt spiele, nicht viel zu tun.

Wie haben Sie seitdem ihre Spielweise verändert?
Ich möchte nicht die Spielerin sein, die über den Platz rennt und die Bälle ausgräbt. Das möchte ich nur dann sein, wenn ich mal in die Defensive komme, um danach wieder die Offensive zu suchen. Ich weiß, dass ich mehr Fehler mache als viele meiner Gegnerinnen, aber auch oftmals mehr Winner. Da muss man die Balance finden. Für mich ist wichtig, dass ich Spaß dabei habe. Denn wenn man seinen Job mit Spaß macht, kann man sagen, dass man gar nicht arbeitet, sondern genießt, was man tut. Das hat sich bei mir in der letzten Zeit zum Guten geändert. Auch das Wissen, wie hart wir im Team arbeiten. Das gibt einem auf dem Platz Selbstvertrauen in das, was man macht. Man kann nicht erwarten, dass man immer gut spielt. Es geht darum, immer sein Bestes zu geben, dann kann man in den Spiegel schauen und sagen: „Das war gut, das war nicht so gut und weiter geht’s.“

Selfietime: tennis MAGAZIN-Reporter Florian Vonholdt traf Julia Görges zum Interview.

Ist Position 15 also noch einmal ein Ziel?
Ja, weil ich glaube, das noch Potential in mir steckt. Ich sehe, wie offen die Matches auch gegen die Top-Spielerinnen sind und dass sie oft auch in meiner Hand liegen. Ich glaube, das gibt Mut zu mehr. Ich bin eine Spielerin, die spielt, um Matches zu gewinnen – und nicht um zu hoffen, dass die Gegnerin die Fehler macht. Auch wenn ich mal ein Spiel verliere und zehn Fehler zu viel mache, bin ich mit dem zufrieden, wie ich spiele, weil ich mich damit identifizieren kann.

Sie sind seit Jahren eine feste Größe im Fed Cup. Was macht es für Sie so besonders mit der Mannschaft zu spielen?
In den Fed Cup-Wochen gilt es, als Einheit zu agieren, die gleichen Ziele zu verfolgen. Ich spiele zum einen gern für mein Land und zum anderen mag ich auch den Teamsport. Deswegen spiele ich gerne im Doppel. Wenn du die richtige Partnerin hast, kann das Spiel verdammt viel Spaß machen. Das durfte ich letztes Jahr auf der Tour mit Karolina Pliskova erfahren. Und es hat mir auch für das Einzel geholfen. Ich habe eine bessere Übersicht am Netz und viel mehr Touch. Das kann man ins Einzel einbauen und dadurch ein bisschen anders spielen als viele Frauen. Das ist auch ein Bonus.

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