2022 US Open – Day 2

Leichter Abstieg: Im März 2018 stand Ostapenko unter den Top fünf. Aktuell belegt sie Rang 16 (Stand 4. Oktober 2022).📸: Getty Images

Jelena Ostapenko: „Ich kann endlich tragen, was ich will”

Die 25-jährige Lettin, Jelena Ostapenko, spricht im Interview mit tennis MAGAZIN über ihre Leidenschaft für Tanzen, ihr Faible für Mode und die Hoffnung auf höheres Preisgeld für die Damen.

Das Interview erschien in Ausgabe 09/2022.

Frau Ostapenko, 2017 haben Sie die French Open gewonnen.  Wie erging es Ihnen seitdem?
Ich habe schöne Erinnerungen an Paris, aber es liegt einige Zeit zurück. Ich arbeite hart daran, ein weiteres Grand Slam-Turnier zu gewinnen und wieder unter die Top Ten zu kommen. Die Zeit bis heute war schwer. Ich war verletzt, hatte Schmerzen im Handgelenk. Es wurde besser. Aber je mehr ich gespielt habe, desto stärker wurden die Schmerzen. Es bleibt nie viel Zeit, sich auszukurieren. 

Haben Sie noch ein Privatleben?
Manchmal ist es schwierig, aber natürlich habe ich ein Privatleben, das sollten alle Athleten haben. Wenn es nur noch Tennis gäbe, würde man verrückt werden. 

Was machen Sie privat gerne?
Ich gehe gerne spazieren oder ins Kino, treffe mich mit Freunden, gehe einen Kaffee trinken. Einfach entspannen. Ich plane nie viel. Wenn ich aufwache, entscheide ich, worauf ich Lust habe.

Ostapenko: „ich musste mich entscheiden“

Als Kind haben Sie getanzt. Tanzen Sie immer noch?
Wenn ich Zeit habe. Ich habe sieben Jahre professionell getanzt. Das war ein großer Teil meines Lebens. Wenn ich nicht Tennisspielerin geworden wäre, wäre ich Gesellschaftstänzerin. Alle Lehrer haben mich gebeten, nicht aufzuhören. Aber meine Ergebnisse im Tennis waren gut, ich musste mich entscheiden. Ich liebe das Tanzen immer noch. Manchmal, wenn ich die Musik höre, zu der ich früher getanzt habe, möchte ich sofort tanzen.

Sie haben Ihr Tenniskleid selbst entworfen. Wie kam es dazu?
Ich habe das Design mit einer lettischen Marke gemacht. Es macht mir viel Spaß, zu beobachten, was im Trend ist und so zu entscheiden, was man designen könnte. Ich kann endlich tragen, was ich will. Manchmal habe ich angezogen, was ich anziehen musste. Viele Outfits waren toll. Andere passten einfach nicht zu mir. Jetzt kann ich alle Farben, die Form und Materialien selbst auswählen. Ich liebe Mode. 

Ostapenko: „Es gibt Verbesserungspotential“

Was genau gefällt Ihnen daran?
Ich mag es, in Geschäfte zu gehen, Sachen zu kaufen und alle Teile zu einem Outfit zusammenzustellen. Manchmal kaufe ich wirklich tolle Teile, weiß aber nicht, wie ich sie mit anderen Kleidungsstücken kombinieren soll. Ich habe zu Hause eine Stylistin, sie hilft mir dabei. 

Was sollte sich Ihrer Meinung nach in der Zukunft des Tennissports ändern?
Ich habe das Gefühl, dass alles gut funktioniert. Im Hinblick auf die Preisgelder gibt es Verbesserungspotential. Bei gleichen Turnieren bekommen wir weniger Preisgeld als die Herren. Das finde ich unfair, weil wir den gleichen Sport betreiben und die Männer bei diesen Turnieren nicht über fünf Sätze spielen. Bei den Grand Slams könnte ich es verstehen, schließlich sind die Herren dort länger im Einsatz.