Philipp Petzschner

during day ten of the Wimbledon Lawn Tennis Championships at the All England Lawn Tennis and Croquet Club on July 9, 2015 in London, England.

Philipp Petzschner: „Ich will noch mal nach Wimbledon”

Der frühere Davis Cup-Spieler über sein Trainieramt beim DTB und sein großes Ziel für 2021.

Herr Petzschner, Sie machen gerade Ihren Trainerschein. Wie läuft es?

Es ging erst mal darum, die Zulassungsprüfung zum A-Trainerschein zu machen. Die eigentliche Prüfung folgt im Laufe des Jahres. 

Sie arbeiten schon jetzt für den DTB?

Ja, meine Base ist in Hannover. Da betreue ich die U17 vor Ort und auf Turnieren. Wir reden über acht Spieler, die zusätzlich noch bei ihren Heimcoaches trainieren.

Sehen Sie bei Ihren Schülern Perspektiven für eine Karriere auf der Tour?

Auf jeden Fall. Namen möchte ich keine nennen, aber es gibt ein paar Spieler, die im nächsten Jahr bei Junioren-Grand Slams dabei sein könnten. Es ist aber utopisch zu glauben, dass der nächste Sascha Zverev schon bereit steht. So einen Spieler gibt es nur alle zehn, 15 Jahre.

Wie kamen Sie zu dem Job beim Deutschen Tennis Bund?

Der DTB fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Vollzeit für den Verband zu arbeiten. Ich hatte schon während meiner aktiven Karriere  für die Waske-Tennis-University immer mal wieder gecoacht. Es gab zwei, drei Gespräche mit Michael Kohlmann (Head of Men’s Tennis), Klaus Eberhard (Sportdirektor) und Dirk Hordorff (Vize-Präsident). Dann war beiden Seiten schnell klar, dass es eine gute Entscheidung sein könnte. Bei den US Open 2019 trafen wir uns erstmals zu Gesprächen. Am 1. Januar 2020 begann die Zusammenarbeit. 

Sie waren die Nummer 35 im Einzel und die Nummer neun im Doppel. 2018 spielten Sie Ihr letztes Match auf der Tour. Ihr Karriereende haben Sie nie verkündet. Warum nicht?

Ich war lange verletzt und hatte immer die Hoffnung, dass ich noch mal spielen könnte. Jetzt arbeite ich gerade daran, dass die Karriere offiziell zu Ende geht.

Sie machen uns neugierig.

Ich habe mit Jürgen Melzer verabredet, dass wir in diesem Jahr noch einmal in Wimbledon antreten und dort einen schönen Abschluss haben. Er ist inzwischen Sportlicher Leiter beim österreichischen Verband und hat seine Karriere auch noch nicht offiziell beendet. Ich habe noch ein Protected Ranking, Jürgen ist so gut platziert, dass er ohnehin ins Hauptfeld kommt. 

Das Revival elf Jahre nach Ihrem ­spektakulären Erfolg in Wimbledon.

Genau. Eigentlich war es eine Schnapsidee, aber jetzt wollen wir uns noch mal fit machen. Ich möchte meine Karriere ordentlich beenden und nicht so von der Bildfläche verschwinden. 

Philipp Petzschner, Jürgen Melzer

Meriten: 2010 siegte Philipp Petzschner mit Jürgen Melzer im Doppel in Wimbledon.

Wie ist die aktuelle Spielstärke?

Schwer zu sagen. Ich habe zwei Jahre keine Turniere gespielt. Sagen wir so: Wenn ich mit meinen Jungs in Hannover trainiere, habe ich den Ball ganz gut im Schläger. 

Einige werden sich noch erinnern, dass Sie 2010 gegen die damalige Nummer eins Rafael Nadal im Achtelfinale von Wimbledon 2:1-Sätze führten. War das Ihr bestes Match?

Nein. Den Sieg in Wien gegen Gael Monfils im Finale würde ich höher bewerten. Aber es war ein unglaubliches Erlebnis, auf dem Centre Court von Wimbledon gegen Nadal zu spielen. Als Trainer würde ich dorthin gerne mal zurückkehren.