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Sharapova im Interview: „Serena und Ich sollten gefeiert werden“

Ab Dienstag schlägt Maria Sharapova beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart auf. Auf tennismagazin.de spricht sie über ihre Zeit nach der Dopingsperre, die Anstrengungen für ihren Körper, ihre Ziele, ihren Blick auf die Fans, ihr Buch „Unstoppable“, die Erfolge der Vergangenheit, die ewige Rivalin Serena Williams und vieles mehr – 18.000 Zeichen Sharapova ungefiltert. Lesen Sie heute den zweiten von drei Teilen.

Der Titel Ihres Buches heißt „Unstoppable“. Ist das auch das Motto, um wieder in die Weltspitze zu kommen?

Der Name kam eher aufgrund der Probleme und Schwierigkeiten zustande, die ich bewältigen musste, um Profi zu werden. Die Titelidee kam mir, als wir an den letzten Kapiteln gearbeitet haben. Die erste Hälfte dreht sich um meine Kindheit. Es gab so viele Hürden, denen mein Vater und ich gegenüberstanden. Aber wir waren in der Lage, diese zu überwinden und eine Menge davon haben wir meiner Meinung nach auch wegen der Mentalität meines Vaters geschafft. Das Buch ist meine Autobiographie und so geschrieben, wie ich das sehe. Ich weiß definitiv, dass ich mittlerweile eher am Ende meiner Karriere bin und ich möchte die Dinge auf meine eigene Art beenden. Das ist sehr persönlich für mich. Ich hatte große Erfolge. Ich muss das für niemanden machen, sondern stelle mir selbst diese Aufgabe. Ich will es für mich schaffen. Es ist ein tolles Gefühl, sich zu verbessern und zu merken, dass man etwas sehr gut kann.

Haben Sie es selbst geschrieben?

Ich habe es zusammen mit Rich Cohen (ein US-Autor, der auch für die Magazine Vanity Fair und Rolling Stone schreibt, Anm. d. Red.) geschrieben. Aber ich mag es auch, selbst zu schreiben. Wir beide haben eine Menge geschrieben.

NEW YORK, NY – SEPTEMBER 12: Atmosphere at Hamptons Magazine’s Celebration with Cover Star Maria Sharapova at PHD Terrace at Dream Midtown on September 12, 2017 in New York City. (Photo by Mark Sagliocco/Getty Images for Hamptons Magazine)

Klingt nach viel Arbeit.

Es war eine Menge Arbeit. Ich werde jetzt erst einmal kein zweites Buch schreiben (lacht). Es ist nicht das Schreiben, es ist der Prozess, der so anstrengend ist – wenn du mit dem Lektor in Kontakt trittst, nachdem du das eigentliche Buch schon geschrieben hast. Du gehst dann Wort für Wort und Kapitel für Kapitel durch. Ich habe mehr Mails geschrieben, als ich jemals in meinem Leben schreiben wollte. Aber das Schreiben des Buches habe ich genossen.

Wird die Geschichte des Buches über Ihr Leben ein Happy End haben?

Das weiß man nie. Du musst dein eigenes Ende kreieren. Was für den einen ein glückliches Ende ist, muss für den anderen kein glückliches Ende sein.

Was wäre ein schönes Ende für Ihre Karriere?

Ich denke, wenn ich mich danach hinsetze, zurückschaue und die Erfolge blicke, die ich heute schon habe, kann ich ziemlich glücklich sein. Nicht nur wegen der Zahlen oder der Trophäen. Ich habe mich in einem sehr jungen Alter diesem Sport verschrieben und werde danach eine Menge Möglichkeiten haben, andere Dinge in meinem Leben zu tun. Auf dem Court dreht sich alles um die Frage, wie ich mich verbessern kann und das ist auch das erste, an das ich morgens denke. Aber ich genieße es, andere Dinge zu tun. Weil es mich aus dieser anspruchsvollen Denkweise etwas herausbringt. Dennoch möchte ich weiterhin Leute inspirieren. Ich denke, dass ich lange nicht wahrgenommen habe, wie wichtig ein einzelner Athlet für Fans sein kann. Meine Wahrnehmung hat sich durch die schwierige Zeit in den letzten Jahren verändert. Es geht jetzt auch mehr um die Fans und nicht mehr nur um mich und mein Team.

Sie haben in Ihrem Buch auch über ihre Beziehung zu Serena Williams geschrieben. Gibt es irgendeinen Kontakt zwischen Ihnen? Reden Sie miteinander?

Über die Jahre gab es eine Menge Dinge, die über unsere Beziehung und unsere Rivalität gesagt worden sind. Wir sollten für das, was wir erreicht haben, gefeiert werden. Wir haben sehr verschiedene Hintergründe, aber wir haben beide einen Weg gefunden, es an die Spitze zu schaffen. Ich denke es wird häufig zu sehr auf die Rivalität geguckt. Aber ich habe sehr viel Respekt für das, was sie getan hat und ihre Fähigkeit immer weiter nach Erfolg zu streben. Das ist sehr speziell. Ich denke, dass wir eine professionelle Beziehung haben. Sie kommt im Buch sehr viel vor, weil es merkwürdig wäre, wenn darin über eine meiner größten Rivalinnen nicht gesprochen werden würde. Es gibt eine Menge Autobiographien von Tennisprofis und manchmal kommen die größte Rivalen gar nicht im Buch vor. Das finde ich dann immer sehr merkwürdig.

Denken Sie, dass Sie nach ihrer Karriere ein freundschaftliches Verhältnis mit ihr haben könnten?

Ich glaube nicht. Ich hatte das Glück, in meiner Karriere viele Freundschaften in jungen Jahren zu schließen, die sehr wichtig für mich sind. Das hilft den Kopf freizubekommen und zu wachsen. Am Ende des Tages werden wir immer Wettkämpfer sein. Von einem sehr jungen Alter, als ich noch nie gegen sie gespielt hatte, habe ich schon diesen Wettkampf gespürt. Ich wollte auf dieses Level und zeigen, dass ich sie schlagen kann. Das ist das, was uns ausmacht. Der Ansporn besser zu werden.

Das Interview wurde im Rahmen eines Round Table-Gesprächs in kleiner Runde am Rande des Turniers von Indian Wells geführt.

 Mitarbeit: Sebastian Seidel

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