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Siegemund exklusiv: „Die Angst spielt eine große Rolle“

Vor einem Jahr überraschte Laura Siegemund mit ihrem Sieg beim Porsche Tennis Grand Prix die komplette Weltelite. Nur wenige Wochen später zog sie sich in Nürnberg einen Kreuzbandriss zu. Am heutigen Dienstag bestreitet sie als Titelverteidigerin ihre Auftaktbegegnung gegen Barbora Strycova. Wie geht es einer, die rund zehn Monate verletzt war? tennis MAGAZIN traf Laura Siegemund und war erstaunt, wie entspannt die letztjährige Siegerin auftrat. Ein Gespräch über mentale Stärke.

Frau Siegemund, Sie haben sich im Mai 2017 beim Turnier in Nürnberg verletzt – Diagnose Kreuzbandriss. Haben Sie in dem Moment gedacht, es sei etwas Schlimmes?

Ja, mir war sofort klar, dass es ein Kreuzbandriss ist.

Weil Sie Ihren Körper gut kennen?

Weil ich meinen Körper sehr gut kenne. Ich hatte noch nie einen Kreuzbandriss, aber ich hatte mir vorgestellt, dass es sich genau so anfühlt. Ich habe sofort gemerkt: Da ist etwas Größeres kaputt gegangen.

Was geht einem durch den Kopf?

Im ersten Moment war ich total überrascht. Ich war in allen Bereichen superfit und Verletzungen zieht man sich eigentlich zu, wenn man überspielt ist. Es bricht schon viel über einem ein. Mir war sofort klar: Die Saison ist gelaufen. Die erste Minute ist schon sehr schlimm, weil du denkst: ‘Das darf nicht wahr sein. Ausgerechnet jetzt.’ Aber schon als ich abtransportiert wurde, hatte ich positive Gedanken. Ich spürte ziemlich schnell eine tiefe Akzeptanz.

Ziemlich ungewöhnlich. Die meisten Menschen würden Wochen hadern.

Ich war auch von mir selbst überrascht. Ich denke, es liegt daran, dass ich versuche, grundsätzlich mit einer positiven Einstellung an Herausforderungen und Schwierigkeiten heranzugehen und sie als Teil der mir gestellten Aufgaben zu sehen.

Nach Ihrem sensationellen Erfolg in Stuttgart haben viele gedacht, Sie seien die Geheimfavoritin für Paris. Sie auch?

Nein, so etwas denke ich nie. Ich bin jemand, der immer den nächsten Schritt vor Augen hat. Ich bin sehr fokussiert und auch sehr zielgerichtet, aber ich bin niemand, der in der Kategorie ‘wollte, hätte, könnte’ denkt. Ich wurde auch oft darauf angesprochen, wie bitter der Kreuzbandriss in so einer Situation sei, aber für mich spielt das keine Rolle. Eine Verletzung kommt nie zu einem guten Zeitpunkt. Vielleicht war es ein besonders schlechter Zeitpunkt. Klar war der Titel in Stuttgart eine super Ausgangssituation für Paris. Aber dass man dann automatisch als Titelfavoritin gehandelt wird – ich weiß nicht. Solche Gedanken mache ich mir nicht.

Sie haben über zehn Monate pausiert. Fußballspieler sind manchmal zwei Monate nach einer schweren Verletzung wieder im Einsatz. Warum dauerte es bei Ihnen so lange?

Das hat mit der Schwere der Verletzung zu tun. Kreuzband ist nicht gleich Kreuzband. Bei mir war es kein einfacher Kreuzbandriss, sondern eine Komplexverletzung. Das heißt, es wurden noch einige andere Sachen im rechten Knie beschädigt. Es hat auch etwas mit meiner Einstellung zu tun: Ich habe von Anfang an zu meinen Team und meinen Ärzten gesagt, dass ich langfristig ein gesundes Knie haben möchte. Nicht nur für den Leistungssport, sondern damit ich auch über das Karriereende hinaus ein gesundes Knie habe. Ich möchte auch mit 50 noch Joggen gehen. Und deswegen war es mir wichtig, nicht auf einen schnellen Erfolg zu setzen und die Nachhaltigkeit zu vernachlässigen. Ich habe zum Beispiel sehr viel Zeit mit Beweglichkeitsübungen verbracht.‘

War der ursprüngliche Plan, in Melbourne zurückzukommen?

Nein, einen starren Zeitplan habe ich mir nicht gesetzt. Mir war immer klar, dass das Knie entscheidet, wann es wieder so weit ist. Natürlich gibt es Turniere, die man gern spielt. Am Anfang haben wir hochgerechnet: Wenn alles ideal läuft, könnte Melbourne möglich sein. Es war dann aber doch zu früh und auch vom Belag her nicht ideal.

Hartplatz ist schlecht für den Körper?

Hartplatz ist stumpf. Gerade bei Drehbewegungen ist Hartplatz Gift für die Gelenke.

Können Sie einmal schildern, wie Sie die Zeit verbracht haben? Haben Sie auf der Couch gesessen und Netflix geguckt, als Sie keinen Sport treiben durften?

(lacht) Netflix nicht, ich habe nicht einmal einen Account. Puuh, das verschwimmt ja alles. Da ist so viel passiert. Aber ich kann mich erinnern, dass ich die erste Woche im Krankenhaus lag. Und die zweite Woche war ich daheim und saß wirklich eine Woche lang auf dem Sofa. Ich habe immer probiert, das alles als Positiverfahrung zu sehen. Du lernst viel, was du auch in Matches brauchst. Gerade in Sachen Geduld.

Laura Siegemund im Interview mit tM-Chefredakteuer Andrej Antic.

Laura Siegemund im Gespräch mit tM-Chefredakteuer Andrej Antic.

Das klingt fast nach Dalai Lama: Akzeptiere die Situation.

Ja, man kann das spirituell sehen, wenn man möchte. Die Einstellung macht viel aus. Ich hatte noch nie so eine schwere Verletzung, vor allem keine, die mich von einen Tag auf den anderen rausgerissen hat. Ich hatte wahnsinnig viel vorher gespielt, auch gut gespielt. Und von einen Tag auf den anderen ging nichts mehr. Das sind Extremerfahrungen, die ich so noch nicht kannte. Ich wusste zwar ungefähr, wie die nächsten sechs Monate aussehen werden, aber wenn man in dem Prozess drinsteckt, ist es noch einmal eine ganz andere Nummer.

Was konkret haben Sie unternommen?

Ich habe noch nie so viel gelesen. Psychologie ist ja meine Leidenschaft. Und auf Turnieren besteht der Tag letztlich aus Tennis und Regeneration, da hatte ich dann auch oft nicht mehr die Energie, um noch Psychologie-Bücher zu lesen. Und jetzt konnte ich die ganzen Bücher, die sich zuhause stapeln, die ich schon immer mal durchackern wollte, endlich lesen. Ich bin noch eingeschrieben im Master-Studiengang Psychologie an der Fernuni Hagen. Sobald es das Knie vom Schmerz her zuließ, habe ich mit der Reha angefangen, zuerst zu Hause und dann in der VfB Reha-Welt in Stuttgart. Da trifft man Fußballer, Handballer, Basketballer. So eine Reha wird relativ schnell zu einem Vollzeitjob. Da habe ich mehr Zeit verbracht als sonst mit normalem Training.

Wie lief so ein Tag ab?

Start um sieben Uhr, eine halbe Stunde Physiotherapie, dann zwei Stunden Trainingstherapie, also Beweglichkeit, und später auch Kräftigung. Anschließend wieder Physiotherapie, Mittagspause. Und später, als das Knie stärker wurde, am Nachmittag noch mal das gleiche.

Klingt nicht gerade nach Spaß.

Doch! Es kommt natürlich drauf an: Wenn ich mir jetzt noch fünf Kreuzbandrisse zuziehe, dann sagt man halt irgendwann: Das muss ich jetzt nicht noch einmal haben. Und natürlich geht man nicht jeden Tag hin und schreit vor Freude. Es gibt Tage, da will man alles hinschmeißen. Es gibt ganz harte Tage, da ist man einfach enttäuscht von sich. Aber insgesamt hatte ich viel Spaß und tolle Momente.

Gab es Rückschläge?

Es gibt immer Rückschläge. Auf jedem Niveau kann man nur bestimmte Sachen machen, zum Beispiel Fahrrad fahren: Du brauchst einen bestimmten Kniewinkel dafür und wenn du den nicht hast, brauchst du dich nicht aufs Rad zu setzen, man kommt nicht einmal rum mit den Pedalen. Und dann kommt der Tag, da klappt das endlich und du schaffst eine Umdrehung und fühlst dich, als hättest du den Mount Everest erklommen. Einen Tag später sitzt du auf dem Ergometer und es geht plötzlich wieder nichts. Das sind die Momente, die richtig wehtun.

Wann haben Sie das erste Mal wieder auf dem Tennisplatz gestanden?

Ende September? Könnte aber auch Mitte Oktober gewesen sein. Da habe ich draußen gespielt. Die ersten richtigen Trainingseinheiten hatte ich Anfang Dezember. Dazwischen habe ich ein paar Wochen nur Bälle geschlagen, weil man so eingerostet ist.

Waren Sie zu dem Zeitpunkt schmerzfrei?

Ja. Es geht dann um Beweglichkeit und Geschmeidigkeit. Es tut nichts weh, aber das Knie ist nach dem Training steif. Man muss darauf achten, wie belastbar es ist, also wie viel Gewicht man stemmen kann.

Welche Rolle spielt Angst?

Eine große. Das Gehirn ist bestrebt, das Knie zu beschützen. Das ist auch gut so, sonst liegt man schnell wieder im Krankenhaus. Aber es kommen immer mehr Momente, bei denen man das Knie komplett vergisst und das ist ein gutes Zeichen. Es sind fließende Übergänge. Irgendwann klappt es und das sind Meilensteine. Man merkt dann erst, wie sehr man an dem Sport hängt. Es hat mich darin bestätigt, dass die langsame Herangehensweise für ein langfristig gesundes Knie die richtige war.

Gab es einen Moment, bei dem Sie dachten, die Profikarriere sei vorbei?

Den gab es nicht und das war echt interessant: Ich saß am Tag nach der Verletzung im Auto auf dem Weg ins Krankenhaus und ein Bekannter schrieb mir, ob ich jetzt mit meiner Tenniskarriere aufhöre. Das war das erste Mal, dass mir überhaupt in den Sinn kam, dass das ja auch das Karriereende bedeuten könnte. Von mir selbst war dieser Gedanke so weit weg, er hat mich richtig geärgert.

Es war Ihnen klar, dass diese Verletzung Sie nicht stoppen wird.

Genau. Das liegt aber nicht daran, dass ich außer Tennis spielen nichts kann. Selbst wenn ich nie wieder Tennis spielen könnte, würde ich andere Sachen finden, die mir genau so viel Spaß machen. Aber ich bin ein Kämpfertyp und wenn mir so etwas in den Weg rollt, dann habe ich Freude daran, es wieder aus dem Weg zu räumen. Ich hatte ja vor der Verletzung gut gespielt, hatte eine tolle Saison. Für mich war völlig klar: Da komme ich wieder hin. Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, dass es keinen Sinn mehr macht, dass der Aufwand zu hoch ist, dann hätte ich sicherlich gesagt: ‘Okay, dann ist meine Karriere jetzt zu Ende.’ Aber dieser Gedanke war überhaupt nicht da.

Welche Dinge sind das, die Ihnen genauso viel Spaß machen wie Tennis?

Ich möchte nach meiner Karriere etwas mit Psychologie machen. Ich habe schon verschiedene Angebote bekommen, zu bestimmten Themen zu referieren – von Firmen, vom DTB, dem Württembergischen Tennis Bund. Es liegt daran, dass ich generell den Themen Leistung, Motivation und Erfolg als Leistungssportler sehr nahe bin. Man hat quasi in Extremsituationen damit zu tun.

Es gibt ein Video, das Sie als Referentin bei einer Trainerfortbildung in Göttingen zeigt. Augenzeugen waren schwer begeistert von Ihnen.

Es sind Themen, über die ich viel zu erzählen habe und es macht mir einfach Spaß, meine Erfahrungen zu teilen. Diese psychologische Komponente aus dem Sport in ein Konzept zu schnüren, sich hinzusetzen und aufzuschreiben, was man auf der Tour alles lernt – das könnte jede andere Spielerin auch machen, weil wir uns tagtäglich damit beschäftigen.

Einspruch!

Ich hatte immer den Wunsch, dass ich das für mich gedanklich ordne, und jetzt gab es eine Phase, in der ich die Zeit dazu hatte. Das Leben auf der Tour ist so anspruchsvoll, dass einem am Abend die Energie fehlt. Da braucht man auch einen geistigen Ausgleich, da liest man vielleicht mal eine Stunde. Aber in einer Stunde kann man kein Konzept aufschreiben. Dafür muss man sich in Ruhe ein paar Stunden hinsetzen.

Das Video wurde produziert von TennisGate für den DTB Online Campus, der führenden Lehrmittel-Plattform im Tennis. TennisGate veranschaulicht im DTB Online Campus die Ausbildung und setzt Details in Szene, die den Unterschied ausmachen. Hier können Sie den Vortrag von Laura Siegemund kaufen.

Es klingt, als hätten Sie die Tour gar nicht vermisst.

Die Tour an sich habe ich tatsächlich nicht so sehr vermisst – dieses Tour-Leben, die permanente Reiserei von einem Ort zum anderen, die Routinen. Was ich vermisst habe, ist der Sport an sich und nach drei Monaten dann auch wirklich das Tennis, die technischen und taktischen Komponenten. Als ich wieder Bälle schlagen konnte, hat mir zunehmend der Wettkampf gefehlt. Ich habe stattdessen Vorträge gehalten und vor dem ersten Vortrag war ich nervös. Ich wusste gar nicht, wann ich davor das letzte Mal aufgeregt war. Dadurch habe ich gemerkt, wie sehr mir die Anspannung bei den Matches gefehlt hat. Ich habe ja ein, in Anführungszeichen, ganz normales Leben geführt. Ich war zuhause, habe viel Zeit mit Freunden und Familie verbracht. Da gab es diese emotionalen Höhen und Tiefen nicht.

Ihnen fehlte Adrenalin.

Genau, Adrenalin. Nerven. Zweifel. Dieser ganzen Gefühlsbreite ist man auf der Tour jeden Tag ausgesetzt. Und dieses ganze Hoch und Runter, das ich davor jeden Tag hatte, war plötzlich nicht mehr da. Und wenn man den ganzen Zirkus nicht mehr hat, merkt man, dass er einem fehlt.

Wenn Sie als Tennisprofi nicht spielen, verdienen Sie kein Geld. Wie gehen Sie mit dem finanziellen Aspekt um?

Darüber habe ich mich mit vielen anderen Athleten ausgetauscht. Als Einzelsportler ist man in einer ganz anderen Situation als ein Fußballspieler, der sein Gehalt weiter bekommt – egal, wie schnell er wieder auf die Beine kommt. Grundsätzlich ist es für mich finanziell keine günstige Situation. Aber die Saison davor lief gut und ich muss mir keine Sorgen machen. Aber noch einmal: Es ist alles andere als optimal. Es gibt Einbußen.

Beschäftigt man sich in dem Zusammenhang nicht zwangsläufig mit der Zeit nach der Karriere?

Nein. Generell ist es so: Wenn man erfolgreich ist, verdient man im Tennis gutes Geld. Aber das darf nicht im Vordergrund stehen. Die Motivation muss eine tiefere sein. Klar heißt mein Beruf Tennisprofi, aber ich habe auch schon zu Schulzeiten geguckt, dass ich ein zweites Standbein habe. Ich habe studiert. Das nimmt ein Stück weit den Druck raus. Ich möchte nicht Tennis spielen müssen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Nichtsdestotrotz bin ich überzeugt, dass man nur dann erfolgreich ist, wenn man einen gewissen Grad an Leidenschaft hat. Wenn man nur an das Finanzielle denkt, wird man ein gutes Niveau, aber kein herausragendes erreichen können. Das gilt für Tennis und für die Zeit danach.

Sie meinen, wenn man leidenschaftlich ist, kommt der Erfolg von alleine?

Das ist meine Überzeugung. Wenn meine Eltern gesagt hätten, ich soll Jura studieren, und ich hätte Meeresbiologie studieren wollen, dann hätte ich Meeresbiologie studiert. Ich denke, es ist wichtig, dass man eine Leidenschaft für etwas hat und dort seine Energie reinsteckt. Meine Leidenschaften sind Psychologie und Tennis. Aber das Finanzielle kann man nie komplett ausklammern. Wenn ich mit Tennis kein Geld verdienen würde, dann funktioniert es auf Dauer nicht. Ich habe ja lange auf dem Niveau gespielt, auf dem sich das finanziell nicht lohnt.

Sie haben in Ihrer Karriere rund 1,5 Millionen Dollar an Preisgeld gewonnen.

Klingt viel, aber das muss versteuert werden. Die Leute denken, so viel liegt auf meinem Konto. Das ist so weit von der Realität entfernt. Die meisten Menschen haben keine Vorstellung, was das Leben auf der Tour kostet.

Sie haben eine Wildcard für Stuttgart bekommen. Was können denn die Zuschauer von Ihnen erwarten und was erwarten Sie von sich?

Ich habe sehr viel an mir gearbeitet, körperlich, aber auch in anderen Bereichen, beim Men­talen etwa. Oft ist es so, dass man symptomorientiert arbeitet, weil es immer irgendwo brennt. Aber in dieser Zeit konnte ich mich um Dinge kümmern, die sonst nicht im Fokus stehen, weil sie nicht so einen großen Leidensdruck verursachen.

Sie könnten also noch besser sein als vor Ihrer Verletzung?

Man setzt ja immer pauschal diesen Hashtag #comebackstronger, das wird ja inflationär genutzt. Andererseits: Wenn man es gut anstellt, kann man tatsächlich stärker zurückkommen.

Sie sind 30. Spielt das Alter eine Rolle?

Nein, das sieht man bei vielen Leuten: Roger zum Beispiel oder auch Serena. Ich denke nicht, dass das Alter eine Barriere ist. Wir reden nicht davon, dass ich 40 bin. Es ist eine Einstellungsfrage: Will man das oder will man das nicht. Und vor allem: Wie viel Freude hat man daran? Ich habe die Pause super genutzt. Es ging eine ganze Zeit lang nichts mit den Beinen und deswegen haben wir dann obenrum ganz anders trainiert und dadurch haben wir auch teilweise technische Ver­änderungen vorgenommen. Aber am Ende spielen die Spielpraxis und das Selbstvertrauen eine riesige Rolle. Das ist der Part, der mir fehlt und da gilt es, schnell wieder reinzukommen.

Ich habe Ihr Finale vor einem Jahr in Stuttgart komplett gesehen. Es gab einen Punktabzug gegen Sie. Wie haben Sie es geschafft, in dieser matchentscheidenden Situation cool zu bleiben?

Das genau ist übrigens Teil meines Vortrags. Viele Leute, die mir erzählten, sie seien vor dem Fernseher ausgerastet, haben mich gefragt, wie ich so ruhig bleiben konnte. Die Antwort bekommt man, wenn man sich einen Vortrag von mir anhört.

Welche Antwort?

Die gebe ich doch hier nicht preis (lacht)!

Wäre diese coole Reaktion im Match möglich gewesen ohne Ihren psychologischen Background?

Mein Werdegang hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Aber man muss kein Psychologie-Studium abgeschlossen haben, um in der Situation cool zu bleiben. Da gibt es viele Wege, die nach Rom führen. Manche Leute sind von Natur aus so tiefenentspannt, dass sie sich selbst da keine Gedanken machen. Zugegeben, das sind wahrscheinlich wenige. Aber die guten Leute haben da alle irgendwelche Strategien am Start. Und deswegen kann ich in den Vorträgen auch nur von meinen Strategien berichten. Ich denke, dass das weniger mit theoretischem, psychologischem Wissen zu tun hat als mit einer Frage der Einstellung: Man muss ein Stück weit die Emotionen raus nehmen können aus so einer Situation. Aber das ist ein Prozess. Es ist keinesfalls so, dass man sagt: ‘Das kann ich jetzt’. Sondern es ist jeden Tag aufs Neue eine Herausforderung.

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