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Australia's Ajla Tomljanovic prepares to hit a return against Spain's Paula Badosa during their women's singles match on day one of the Australian Open tennis tournament in Melbourne on January 17, 2022. - -- IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE -- (Photo by MICHAEL ERREY / AFP) / -- IMAGE RESTRICTED TO EDITORIAL USE - STRICTLY NO COMMERCIAL USE -- (Photo by MICHAEL ERREY/AFP via Getty Images)

Ajla Tomljanovic: „Man ist oft einsam”

Im Interview mit tennis MAGAZIN spricht die 29-jährige Australierin Ajla Tomljanovic über ihre kroatischen Wurzeln, den Alltag auf der Profi-Tour, ihr Verhältnis zu Andrea Petkovic und ihren Bezug zur deutschen Sprache.

Erschienen in Ausgabe 08/2022

Frau Tomljanovic, Sie sind Kroatin mit ­aus­tralischer Staatsbürgerschaft. Was an Ihnen ist kroatisch und was australisch?
Aus Kroatien habe ich das, womit ich geboren wurde. Meine Eltern sind Kroaten. Wir haben Lebensfreude, Kampfgeist in uns und lieben es, herumzualbern. Das ist so ähnlich wie bei den  Australiern. Die verstehen Spaß und wissen, wie man mit anderen scherzt. Die Australier sind immer draußen, gut gelaunt. Sie lieben es, zu feiern und sich zu amüsieren. Sie sind gesellig, freundlich und offen. Das Essen ist fantastisch. Ich liebe es, zu frühstücken und Kaffee zu trinken. Der australische Lebensstil passt zu mir. 

Ihr Hauptwohnsitz aber liegt in den USA?
Genau, ich lebe in Boca Raton, Florida.  

2021 standen Sie in Wimbledon im Viertel­finale. Mögen Sie es, auf Rasen zu spielen?
Bis letztes Jahr mochte ich Rasen nicht. Mir gefiel das Unerwartbare nicht. Die Leute haben mir immer gesagt, dass mein Spiel gut sei für Gras. Aber es hat nie Klick gemacht. Dann habe ich ein paar Änderungen vorgenommen und mental akzeptiert, dass es nicht mein Lieblingsbelag ist. Ich habe die Augen dafür geöffnet, dass Wimbledon etwas Besonderes ist.

Tomljanovic: „Ich bekomme kein Heimweh“

Auf der Tour haben Sie Ihre eigene Tennisfamilie: Sie reisen mit Ihrer Cousine, der Freundin von Felix Auger-Aliassime – ein Privileg?
Auf jeden Fall. Mein Vater reist immer mit mir. Meine Mutter ist dieses Jahr ziemlich viel dabei. Ich weiß, dass sich Cousins und Cousinen manchmal nicht so nahe stehen, aber wir sind zusammen aufgewachsen. Das ist schön, denn beim Tennis ist man oft einsam. Deshalb habe ich bei den Turnieren nicht das Gefühl, weit weg von zu Hause zu sein. Ich bekomme kein Heimweh. Aber ich muss zugeben, ich vermisse meine Schwester, sie ist in Miami.

Stimmt es, dass Sie auch Deutsch sprechen?
Ein bisschen (antwortet auf Deutsch; Anm. d. Red.). Mein Vater hat Handball in der Schweiz gespielt. Als Kind habe ich vier Jahre in Thun gelebt. Ich habe mit meiner Schwester Schweizer­deutsch gesprochen, quasi als erste Sprache. Dann ging es zurück nach Kroatien und meine Mutter hat uns weiter unterrichtet. Als wir in die USA gezogen sind, habe ich nicht mehr viel geredet. Jetzt bin ich zu schüchtern, um Deutsch zu sprechen, aber ich verstehe es. 

2022 haben Sie nicht in Deutschland gespielt. Werden Sie demnächst dort auftreten?
Wer weiß. Ich liebe Deutschland und ich liebe das Essen dort. Ich mag die Tenniskultur sehr und ich bin gut mit Andrea Petkovic befreundet. Sie spricht immer gut über Deutschland.

Tomljanovic über Petkovic: „Ich liebe ihre Ehrlichkeit“

Was mögen Sie an Andrea Petkovic?
Unsere Eltern haben die gleichen Wurzeln, also sprechen wir Kroatisch und Bosnisch gemischt. Ich liebe ihre Ehrlichkeit. Wir sprechen kaum über Tennis. Es ist schön, eine echte ­Freundin auf der Tour zu haben, die nicht nur eine ­Tennisfreundin ist. Ich genieße es einfach, Zeit mit ihr abseits des Platzes zu verbringen. 

Denken Sie, dass kombinierte Herren- und Damenturniere die Zukunft im Tennis sind? 
Ja, ich mag kombinierte Events. Aus der Sicht eines Fans ist es einfach schön, Frauen und Männer zusammen zu sehen. Manchmal können die Anlagen zu voll sein, aber das ist eher ein Luxusproblem. Wenn nur ein Frauenturnier stattfindet, gibt es weniger Profis. Es ist eine bessere  ­Stimmung, wenn die Herren dabei sind. 

Was würden Sie am Tennis ändern?
Ich würde mir wünschen, dass es mehr Emotionen gibt, mehr Raum, um sich auszudrücken. Tennis ist streng geworden. Ich verstehe, dass es ein Gentleman-Sport ist, das ist toll. Aber es wäre schön, wenn wir mehr Gefühle zeigen könnten, ohne gleich eine Geldstrafe zu bekommen.