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Carsten Arriens

Carsten Arriens kontra DTB: Kündigung ohne Grund

Als die Pressemitteilung vom Deutschen Tennis Bund zur endgültigen Trennung mit Ex-Teamchef Carsten Arriens am Dienstagabend publik wurde, traute man zwischenzeitlich seinen Augen nicht mehr. Aber auch nach dem dritten Lesedurchgang blieb nur ein Gedanke: Das können die doch nicht ernst meinen! Die Quintessenz dieser merkwürdigen und fast schon satirisch anmutenden Verlautbarung: Der eigentliche Kündigungsgrund (das geplatzte Gespräch zwischen Arriens und Philipp Kohlschreiber in Melbourne) wurde revidiert. Zitat: „Anders als in einigen Medien kommuniziert, wurde dieses Gespräch jedoch nicht zwischen den Beteiligten vereinbart, konnte also auch nicht einseitig von Herrn Arriens platzen gelassen werden.“

Aha, und dennoch schmeißt man ihn raus. Gut möglich, dass arbeitsrechtliche Gründe den Ausschlag für diese mit Arriens eng abgestimmte Pressemitteilung gegeben haben. Fakt aber ist: Der DTB ließ sich in seiner eigenen Pressemitteilung auf die Sichtweise ihres gefeuerten Teamchefs ein – das ist an Absurdität kaum noch zu überbieten. Einen griffigen Kündigungsgrund gibt es nun de facto nicht mehr.

Arriens tritt nicht nach

Seine Sicht der Dinge konnte Arriens in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung noch ausführlicher ausbreiten. In einem bemerkenswerten Interview übt er Kritik, bleibt in seiner Wortwahl aber moderat und schlägt einen sachlichen Ton an. Der Sportinformationsdienst fasste dieses Gespräch mit der Überschrift „Arriens tritt nach“ zusammen, aber das trifft es nicht. Nachtreten hat immer einen aggressiven oder beleidigenden Unterton, Arriens aber antwortet klug und besonnen. Er spricht von einer „wahrhaftigen Darstellung“. Das, was ihm einige zum Vorwurf machten, nämlich sein eher schwieriges Verhalten gegenüber den Medien, hilft ihm in diesem Gespräch, Glaubwürdigkeit und Kompetenz auszustrahlen. Arriens war nie ein Dampfplauderer oder Phrasendrescher, er scheute sich davor, zu jedem Detail einen Kommentar abzugeben. Manche nahmen ihm das übel, weil das Amt als Teamchef eben auch öffentliche Präsenz erfordert – so stumpfsinnig das manchmal auch sein mag.

Carsten Arriens

Mangelnde Kommunikation: Philipp Kohlschreiber (li.) und der ehemalige Davis Cup-Teamchef Carsten Arriens. (Gettyimages)

Jetzt aber spricht er ausführlich über die Vorgänge, die zu seiner Demission führten. Und er schafft es, seinen Worten viel Gewicht zu verleihen, ohne überheblich zu wirken. Vor allem gibt er Einblicke in die Methoden des neuen DTB-Präsidiums. Kostprobe: „Mir hat sich der Eindruck aufgedrängt, dass er (Philipp Kohlschreiber, Anm. d. Red.) durch Präsidiumsmitglieder bestärkt wurde, nicht mit mir zu kommunizieren.“ Das ist natürlich ein starker Vorwurf, den Arriens nicht belegen kann. Aber nach all dem, was mittlerweile über die Vorgänge zur Trennung bekannt wurde, klingt es nicht komplett aus der Luft gegriffen. Es ist mittlerweile klar, dass dem allmächtigen DTB-Vizepräsidenten Dirk Hordorff jedes Mittel recht war, um Arriens loszuwerden. Die Frage, die auch Arriens in der Süddeutschen Zeitung völlig berechtigt stellt, lautet nun: „Wie kann es sein, dass ein Präsidium ein Vorgehen wie das von Herrn Hordorff toleriert?“

Unüberlegte Äußerungen von Klaus

Und noch etwas offenbart das Interview: die schwache Rolle des neuen DTB-Präsidenten Ulrich Klaus. Schon seine Äußerungen bei SAT.1-Gold während des Fed Cup-Wochenendes Anfang Februar, dass Arriens eventuell gegen Frankreich im März noch auf der Bank sitzen könnte, waren unüberlegt und ließen ihn wie einen Anfänger dastehen. Arriens verliert wenige Worte über den Präsidenten („Klaus hielt sich raus“), aber zwischen den Zeilen wird deutlich, was er von dem neuen Präsidium unter Klaus‘ Führung hält: rückwärtsgewandt, respektlos, unzuverlässig.

Unter diesem Umständen wird auch Arriens kein gesteigertes Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit gehabt haben – fehlender Kündigungsgrund hin oder her. Am Ende des Interviews gibt Arriens preis, für welche Werte er stand. Es fallen Worte wie  Verlässlichkeit, Unterstützung, Wohlwollen. Mit diesen hohen Idealen im modernen Profisport kann man Arriens in Verbindung bringen.

Nicht aber seinen ehemaligen Arbeitgeber, den Deutschen Tennis Bund.