Roger Federer genießt das Bad in der Menge nach seinem Sieg in Brisbane.

Respekt, Roger!

Es gibt Zeitpunkte, an denen man seine Meinung revidieren muss. Oder man hält es mit einem ehemaligen Bundeskanzler und sagt: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Das muss ich im Falle von Roger Federer tun.

Es ist genau zwei Jahre her, da startete Federer in seine erfolgloseste Saison seit mehr als zehn Jahren. Nur ein Turniersieg, Niederlagen gegen Spieler jenseits der Top 100, gesundheitliche Probleme und plötzlich nur noch die Nummer sieben der Welt. Im Herbst des Jahres 2013, so schien es, befand sich der Schweizer im Herbst seiner Karriere. Wir stellten im tennis MAGAZIN damals die Frage, ob es das Ende einer Ära sei. Nicht nur ich, auch viele Beobachter der Szene waren der Meinung: Rogers große Zeit ist vorüber. Zu eindeutig waren die Anzeichen, dass Djokovic, Nadal und die anderen dem alternden Superstar den Rang ablaufen werden. Sein Spiel war nur noch ein Schatten seiner Glanzzeiten.

Federers Meilensteine: Davis Cup und 1000. Sieg

Doch dann kam das Jahr 2014 und mit ihm Coach Stefan Edberg. Mit dem Schweden an seiner Seite legte Federer ein Comeback aller erster Güte hin, gekrönt vom Davis Cup-Triumph im November in Frankreich – der Trophäe, die dem „Maestro“ noch fehlte.

1000 Siege: Roger Federer knackte die historische Marke in Brisbane erst als dritter Spieler der Open Era.

1000 Siege: Roger Federer knackte die historische Marke in Brisbane erst als dritter Spieler in der Open Era.

Die neue Spielzeit hat er – inzwischen wieder als Nummer zwei der Welt – mit einem Turniersieg eröffnet und ganz nebenbei einen weiteren Meilenstein gesetzt: 1.000 Siege! In der Open Era haben nur Lendl (1.071) und Connors (1.253) mehr. Zumindest Lendls Marke wackelt beträchtlich. Vielleicht schon 2015 – wenn er ein ähnliches Jahr abliefert wie das letzte (73 Siege – die meisten aller Profis!). Spätestens aber 2016.

Ich muss zugeben, ein solches Comeback von Roger Federer hätte ich nicht für möglich gehalten. Es zeigt einmal mehr wie unberechenbar der Sport ist. Gestern abgeschrieben, heute der gefeierte Held und umgekehrt. Die Frage, die wir damals stellten, ob Federer noch große Titel gewinnen kann, würde ich heute anders beantworten. Er kann. Und das nicht nur in Wimbledon. Dort stand er bereits im letzten Jahr kurz davor, seine Kritiker Lügen zu strafen und seinen 18. Grand Slam Titel zu holen. Das wird er aber noch tun. Davon bin ich inzwischen überzeugt. Vielleicht sogar schon in Melbourne.


  1. Ilya

    Natürlich stehen wir erst am Jahresanfang, aber was ich nicht wirklich nachvollziehen kann sind die aktuellen Punkte des „Race to London“ Rankings. Federer und Wawrinka haben jeweils ein 250 Turnier gespielt und den Titel geholt. Ebenso Ferrer, der hat laut ATP (http://www.atpworldtour.com/Rankings/YTD-Singles.aspx) genau 250 Punkte im Race, die anderen beiden aber bereits 325. Wie kommt das?
    Danke für aufklärende Antworten

  2. Florian Vonholdt

    Das hängt damit zusammen, dass das Davis Cup-Finale 2014 nach dem ATP-Finale in London 2014 ausgetragen wurde und die Punkte daraus bereits dem „Race to London“ für 2015 zugerechnet werden. Federer und Wawrinka verbuchten im Endspiel in Frankreich jeweils einen Einzelsieg. Dafür wurden Ihnen den Regularien entsprechend 75 Race-Punkte gutgeschrieben. So kommen die beiden Schweizer mit ihren Turniersiegen auf 325 Punkte. Das „Race to London 2015“ begann also schon mit dem Davis Cup-Finale 2014, weil die Punkte sonst verfallen würden. Früher startete das Race mit dem Beginn der neuen Saison, aber damals gab es im Davis Cup auch noch keine Punkte für die Weltrangliste.


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