Roger Federer

Federers Rückkehr zur Nummer 1: Lieber Roger,…

Erst die Titelverteidigung bei den Australian Open und nun die Rückkehr zur Nummer eins der Welt. tM-Chefredakteur Andrej Antic würdigt in einem Brief den Menschen Roger Federer. 



Lieber Roger,

wir sind uns im Dezember 1998 das erste Mal begegnet. Du hast damals das Finale der Orange Bowl in Miami gewonnen, der inoffiziellen Junioren-WM. Dein Gegner: Guillermo Coria. Ich habe damals gedacht, Coria sei der talentiertere Spieler – wie man sich täuschen kann. Der Argentinier spielte so leicht, du hattest mehr Power. Wir haben nach dem Finale an einem Picknicktisch im Crandon Park gesessen und du hast ein bisschen von dir erzählt. Ich hätte niemals vermutet, dass der nette Junge mit den blondgefärbten Haaren einmal so gut werden würde. Spätestens nach deinem 20. Grand Slam-Sieg in Melbourne und der Rückkehr auf Platz eins der Welt gibt es keine Kategorie mehr, in die du passt. Du und deine Erfolge sind buchstäblich nicht zu fassen. Wie soll der Rest der Welt sie erklären, wenn du es selbst nicht vermagst? „Ich kann nicht glauben, dass ich meinen Titel verteidigen konnte, dass ich so etwas nach all den Jahren wieder schaffen konnte“, sagtest du in Melbourne. Und nun auch noch die Nummer eins der Welt, mit 36 Jahren, sechs Monaten und elf Tagen – die älteste im Herren- und Damentennis. Wahnsinn! „Was ich hier erreicht habe, ist wohl das Allergrößte für mich. In meinem Alter bedeutet es so viel mehr harte Arbeit. Soviel mehr Ausdauer“, strahltest du in Rotterdam.

Nach dem Triumph bei den Australian Open hast du vor einer Horde von Fotografen mit Pokal auf dem Rasen im Botanischen Garten gesessen. Du sahst aus wie ein großer Junge, der nur ein bisschen spielen will, und nicht wie der Chef der Marke RF, die jährlich allein mit Werbegeldern rund 60 Millionen Dollar verdient – mehr als alle Ronaldos und Messis dieser Welt. Aber mindestens genauso imponierend wie all deine Meriten ist die Art, wie du damit umgehst: bescheiden, bodenständig, fast demütig. Dein Respekt vor der Ahnengalerie deines Sports ist so groß, dass du dich nie als „Greatest of all time“ bezeichnen würdest, der du zweifellos bist. Ich habe oft erlebt, wie freundlich du den Spielern begegnest, die längst nicht in deiner Liga spielen, und wie arrogant einige auftreten, die nicht einen Bruchteil deines Erfolges vorweisen können. Ich verneige mich vor dir als Champion und als Mensch.

Herzlichst

Andrej Antic

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