Andreas Mies, Kevin Krawietz

LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 15: Kevin Krawietz of Germany and Andreas Mies of Germany speak to each other during their doubles match against Wesley Koolhof of The Netherlands and Nikola Mektic of Croatia during Day one of the Nitto ATP World Tour Finals at The O2 Arena on November 15, 2020 in London, England. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Goldene Tipps für die Kommunikation im Doppel

Wie läuft die Kommunikation im Doppel und wie können Clubspieler von den weltbesten Profis profitieren? Unser Kolumnist Andreas Mies gibt Antworten und plaudert aus dem „Nähkästchen“.

Wer sich aufmerksam die Matches von Kevin (Krawietz, d. Red.)  und mir ansieht, merkt schnell: Es geht nicht nur um Aufschlag, Return, Volley, Vorhand, Rückhand. Es gibt noch eine andere wichtige Komponente: Kommunikation! Das geht verbal durch Rufe, wer den Ball nimmt – „Ich, Du!“ oder nonverbal durch Zeichensprache des Spielers am Netz, bevor der Partner aufschlägt. Für mich ist Kommunikation einer der wichtigsten Faktoren. Eine gute Absprache macht den Unterschied. Mit anderen Worten: Wenn Federer und Nadal zusammen Doppel spielen, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie ein gutes Team bilden. 

Was Kevin und mich betrifft: Unsere Kommunikation wird  auch jetzt noch immer besser. So etwas geht nicht von heute auf morgen. Es muss hart erarbeitet werden. Für Clubspieler gilt: Ein Medenspiel reicht nicht. Öfter zusammenspielen, gemeinsam trainieren, zusammenwachsen – darum geht es. Den Match-Tiebreak gewinnt nicht zwingend das spielerisch bessere Doppel, sondern oftmals das, das besser kommuniziert. Dabei ist es enorm wichtig, dass man sich gut versteht und gegenseitig unterstützt. Taktiken müssen vorher abgesprochen werden, die Zeichensprache muss sitzen.

Chemie ist das Zauberwort

Es gibt keine Formel wie „Du musst fünf Matches spielen und dann klappt es“. Es gibt Teams, die spielen das erste Mal zusammen und die Kommunikation ist super. Das war bei Kevin und mir so, als wir 2017 in Meerbusch unser erstes Challengerturnier spielten. Wir kannten uns vorher nur flüchtig. Wir trainierten ein, zwei Tage und es hat geklickt.

Wir haben uns sofort sehr gut verstanden. Chemie ist das Zauberwort. Und im Idealfall entwickelt sich ein blindes Verständnis. Man weiß genau, was der andere macht. Aber ich hatte auch schon Partner, bei denen es überhaupt nicht gepasst hat. Bei den Challengern ist es häufig so, dass ein Team – je nach Meldeliste – in der letzten Minute zusammengewürfelt wird. Dann geht man auf den Platz und spielt völlig aneinander vorbei. Der eine bleibt zum Beispiel hinten, der andere stürmt mit Serve-and-Volley ans Netz. Das geht, aber es muss vorher abgesprochen werden. Es können auch beide hinten bleiben wie beim Weltklassedoppel Massu/Gonzalez. Es gibt keine feste Regel.

Bei Kevin und mir war direkt klar: nach vorne, Attacke! Den Return angreifen und drauf gehen, dazu Serve-and-Volley. Das Turnier in Meerbusch haben wir übrigens gleich gewonnen.

Zeichensprache im Doppel

Nonverbal läuft die Kommunikation über Zeichen. Die sind kein Hexenwerk. Die meisten Teams benutzen die gleichen Gesten. Eine eigene Zeichensprache hatten die Bryan-Brüder. Ich habe ein paarmal zugeschaut und nicht begriffen, was die machen. In der Regel gilt:  Der Aufschläger sagt dem Netzmann, wohin er aufschlägt und man spricht ab, was der Partner machen soll – Stehenbleiben, Seite wechseln oder in die Mitte gehen.

Beim zweiten Aufschlag zeigt der Netzmann hinter dem Rücken an, was er vor hat. Linke Hand, Daumen nach rechts auf der Einstandseite etwa heißt: Schlag in die Mitte auf. Kleiner Finger nach unten – nach außen servieren. Zu 70 bis 80 Prozent serviert man den zweiten Aufschlag in den Körper. Es sei denn der Return-Spieler hat eine Schwäche auf der Vor- oder Rückhand.

Hier meine drei goldenen Tipps für die Kommunikation auf dem Platz, damit auch Clubspieler erfolgreicher werden:

Vor dem Match mit noch unbekannten Partnern klar absprechen, was die Zeichen bedeuten (wenn man überhaupt mit Zeichen spielt, was sich aber empfiehlt).

Vor dem Ballwechsel klar regeln, wer was tut. Wohin geht der Aufschlag? Wohin bewegt sich der Netzspieler?

Frühzeitig bei Lobs oder Stoppbällen „Du“ oder „Ich“ rufen. 

Wobei: Da läuft es auch bei Weltklassedoppeln nicht immer optimal. Kevin ist eher leise und ich schreie wie ein Verrückter!