Eva Lys, Ella Seidel

Eva Lys und Ella Seidel haben auf ihre Teilnahme beim Heimturnier in Hamburg verzichtet.Bild: Imago/Jürgen Hasenkopf

Lys und Seidel: Lieber Prag statt Heimspiel in Hamburg

Eva Lys und Ella Seidel treten nicht beim Heimturnier in Hamburg am Rothenbaum an. Stattdessen spielen die beiden Top-100-Spielerinnen beim WTA-Turnier in Prag.

Wenn in zwei Tagen das WTA-Turnier in Hamburg startet, dann werden die deutschen Tennisfans zwei Spielerinnen im Draw vermissen: Eva Lys und Ella Seidel. Für Lys und Seidel wäre das Turnier das ultimative Heimspiel. Der Club an der Alster, auf deren Anlage das WTA-Turnier in Hamburg ausgetragen wird, ist ihr Heimatverein.

Statt in Hamburg auf Sand schlagen Lys und Seidel beim parallel stattfindenden Hartplatzturnier in Prag auf. Sehr schade für die die deutschen Tennisfans, vor allem in Hamburg!

Nur wenige WTA-Turniere in Deutschland

Klar, Tennisspielerinnen sind Unternehmerinnen. Sie sind für ihre Turnierplanung selbst verantwortlich und niemandem Rechenschaft schuldig. Lys und Seidel spielen generell lieber auf Hartplatz als auf Sand. Außerdem wollen die meisten Spielerinnen nach Wimbledon nicht noch mal auf Sand wechseln, sondern lieber direkt auf Hartplatz spielen, um sich auf die US Open vorzubereiten.

Bei Lys kommt noch hinzu, dass sie wegen ihrer Autoimmunerkrankung lieber dort spielt, wo es wärmer ist. Das ist alles verständlich. Zverev verzichtete auf sein Heimturnier in Hamburg und gewann anschließend die French Open. Rückblickend hat Zverev mit seiner Entscheidung alles richtig gemacht.

Aber: Die US Open starten erst am 31. August. Es ist noch viel Zeit, um sich auf Hartplatz in Form zu bringen. Es gibt nur wenige WTA-Turniere in Deutschland. Der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart ist seit Jahrzehnten ein Selbstläufer, wo stets die Weltelite zu Gast ist. Das WTA-Turnier in Stuttgart ist dermaßen gut besetzt, dass die deutschen Spielerinnen derzeit nur via Wildcard oder über die Qualifikation ins Hauptfeld gelangen können. Genauso verhält es sich bei den Rasenturnieren in Berlin und Bad Homburg.

Heimtitel wäre ein emotionales Highlight

Bleibt noch das Turnier in Hamburg, ein Event der 250er-Kategorie, um auf WTA-Level vor heimischem Publikum zu spielen. Am traditionsreichen Rothenbaum hätte zumindest Lys zu den gesetzten Spielerinnen gezählt. Mit dem Heimpublikum im Rücken wäre Lys oder Seidel der Turniersieg zuzutrauen gewesen.

Was gibt es Schöneres, als seinen ersten WTA-Titel in der Heimatstadt zu gewinnen? Für Michael Stich war der Hamburg-Titel im Jahr 1993 ein emotionales Highlight. Ein gutes Abschneiden beim Heimspiel in Hamburg, oder sogar der Titel, hätte Lys und Seidel einen enormen Schub gegeben und den Wechsel auf Hartplatz erleichtert.

Lys und Seidel haben in ihren Anfangsjahren als Profi, auch dank der vielseitigen Hilfe von Sandra Reichel, der Turnierdirektorin in Hamburg und in Linz, mit der Vergabe von Wildcards enorm profitiert. Es wäre ein schönes Zeichen gewesen, dass man als deutsche Spielerin den deutschen Turnieren etwas zurückgibt, zumal ein Heimturnier wie das in Hamburg von den deutschen Spielerinnen lebt.

Keine gute Außenwirkung

Man darf sich nichts vormachen: Ein Tennisfans aus Deutschland kauft sich keine Karte extra für Oleksandra Olynykova – die Ukrainerin ist als Nummer 49 die Nummer eins der Setzliste in Hamburg. Zu den Hamburgerinnen Lys oder Seidel hingegen gibt es einen emotionalen Bezug, das lockt sicherlich zusätzliche Tennisfans an.

Ein gut gefülltes Stadion könnte langfristig die Zukunft des Turniers sichern. Es sollte jedem daran gelegen sein, dass es eine vielfältige Turnierlandschaft in Deutschland gibt. Wenn deutsche Turniere nur mit wenigen Lokalmatadorinnen stattfinden, hat dies keine gute Außenwirkung.

Übrigens: Mit Tamara Korpatsch und Noma Noha Akugue sind zwei weitere Spielerinnen vom Club an der Alster bei ihrem Heimspiel dabei. Die Chance auf den Heimtitel einer Hamburgerin lebt also trotzdem.