462225320

Mail aus Melbourne: Verrücktes Wetter Down Under

Der Australia Day brachte erst Regen, dann Sonne – und eine kleine Sensation. Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld schlugen die an eins gesetzten Sara Errani und Roberta Vinci.

Schlechtes Timing. Ausgerechnet am Australia Day regnet es. Saukalt ist es auch, um die 14 Grad. Aber Melbourne wäre nicht Melbourne, wenn sich das schlechte Wetter nicht schnell wieder verziehen würde. Gegen Mittag ist die Welt in „the most liveable city in the world“, wie die Melburnians ihre Stadt liebevoll nennen, wieder in Ordnung.

Kampfjets fliegen dröhnend ihre Formationen, ziehen weiße Linien in den jetzt überwiegend blauen Himmel. Von überall hört man Rockklänge. In den ansonsten ruhigen Parks türmen sich Jahrmarkt-Zelte. Australia Day – das ist die ultimative Party. In den Gärten wird gegrillt, in St. Kilda, der Amüsiermeile direkt am Beach schieben sich die Massen über die Straßen.

Premiere in der MCA

Und im Melbourne Park? Da passiert zunächst nicht viel. Immerhin: Es gibt eine Premiere. Weil es schon in der Nacht stark zu regnen begonnen hat, sind die Dächer der drei Arenen geschlossen. Also auch das Hightech-Dach der MCA, der Margaret Court Arena. Statistiker können den 26. Januar als den Tag notieren, an dem in der MCA zum ersten Mal Indoor-Tennis gespielt wurde.

Unterm Dach, in der Rod Laver Arena, knüpfte auch „Mickey Mouse“ Dominika Cibulkova an ihre Form vom letzten Jahr an, als sie erst im Finale an Na Li scheitete. 1,61 Meter ist die Slowakin groß und wer einmal ein Beispiel sehen möchte, wie man aus geringen physischen Möglichkeiten und mit einem – sorry für den abgedroschenen Begriff – Kämpferherz Matches gewinnen kann, der sollte sich – genau – Cibulkova ansehen. „Ich mache immer weiter“, sagte sie auf dem Platz zum früheren australischen Star Rennae Stubbs und sah so aus, als würde sie am liebsten wieder auf den Platz stürmen und weiterspielen. „Zwiebelchen“ (so die Übersetzung ihres Namens) musste übrigens ganz schön nach oben schauen. Stubbs misst 1,80 Meter.

Starkes Grönefeld/Görges-Doppel

Die Älteren werden sich erinnern: 2000 gewann Stubbs mal die Australian Open im Mixed. Und sie war bestens befreundet mit Steffi Graf, was uns zu den Deutschen führt. Eigentlich sind alle schon zuhause. Nur nicht Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld. Sie mussten auf Showcourt 2, einem der schönsten Plätze im Melbourne Park, gegen die an Nummer eins gesetzten Roberta Vinci und Sara Errani antreten – und gewannen nach zwei Stunden und 37 Minuten mit 7:5 im dritten Satz. Eine schöne Zitterpartie. Mit 4:0 führten die Deutschen schon im dritten Satz, hatten Spielball zum 5:0. Eine halbe Stunde später stand es 5:5. Und dann wurde doch noch alles gut.

Als um 21.30 Uhr der Australia Day mit einem Feuerwerk in den Docklands gefeiert wurde, weilten Grönefeld und Görges in ihrem Hotel, freuten sich über den Einzug ins Viertelfinale. Irgendwie war es auch ein deutscher Tag.