Deutschland Fed-Cup-Team

Mail aus Stuttgart: Nächste Ausfahrt Fed Cup-Finale?

Das deutsche Fed Cup-Team trifft im Halbfinale in der Stuttgarter Porsche-Arena auf die erfolgsverwöhnten Tschechinnen. Auf den ersten Blick ist es eine Partie auf Augenhöhe. Doch ein besonderer Blick in die Statistik sollte Angelique Kerber, Julia Görges & Co. Zuversicht geben.

Halbfinale, Titel, Titel, Titel, Halbfinale, Titel, Titel, Halbfinale, Halbfinale: Das ist die Fed Cup-Bilanz von Tschechien von 2009 bis 2017. Das Team von Kapitän Petr Pala ist seit Jahren das Maß aller Dinge im Fed Cup und steht auch im zehnten Jahr in Folge im Halbfinale. In der Nationenwertung liegen die Tschechinnen seit April 2014 klar vorne. Und das deutsche Team? Im Zeitraum 2009 bis 2017 gab es trotz Spitzenspielerinnen wie Angelique Kerber & Co. nur zweimal den Einzug ins Halbfinale – 2014 und 2015. Die reine Statistik spricht erst mal klar für Tschechien. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus?

Die beiden Spitzenspielerinnen der Teams Julia Görges und Angelique Kerber sowie Karolina Pliskova und Petra Kvitova befinden sich nicht nur im WTA-Ranking, sondern auch was die aktuelle Form anbetrifft, nahezu auf Augenhöhe. Stehen die Chancen, zumindest im Einzel, also 50:50? Nein, die deutschen Finalchancen sind sogar besser. Warum? Zum einen, weil es ein Heimspiel ist. Das sollte zusätzliche Kräfte frei machen bei der Mannschaft von Kapitän Jens Gerlach. Noch ein näherer Blick in die Statistik spricht für den deutschen Finaleinzug. Deutschland hat vier seiner letzten fünf Fed Cup-Partien auf Sand gewonnen. Tschechien hingegen verlor zwei der letzten drei Duelle auf Asche. Ein gutes Omen also! Nicht nur aus logistischer Sicht wegen des darauffolgenden Porsche Tennis Grand Prix war es also richtig, das Halbfinale auf Sand auszutragen. Wenn die schlagstarken Tschechinnen zu knacken sind, dann auf dem langsamsten Bodenbelag.

„Ich freue mich auf neue Stimme”

Kerber stapelt dennoch gewohnt tief. „Es ist eine Partie auf Augenhöhe, letztendlich wird die Tagesform entscheiden. Ich hoffe, dass uns die Fans die entscheidenden ein, zwei Prozent bringen können. Darum geht es beim Fed Cup.“ Die Erinnerungen an das verlorene Finale 2014 in Prag gegen Tschechien? Längst verblasst, wie Görges nüchtern kommentierte. „Wir haben nun 2018, ich lebe nicht so gerne in der Vergangenheit.“ Die Julia Görges aus 2014 ist ohnehin nicht zu vergleichen mit der aus 2018. Die Bad Oldesloerin hatte vor genau einem Jahr an gleicher Stelle in der Porsche-Arena in Stuttgart das deutsche Team in der Relegation gegen die Ukraine mit zwei Einzelsiegen den Klassenerhalt gesichert. Ein Jahr später winkt der Einzug ins Finale – es wäre die achte Endspielteilnahme für ein deutsches Fed Cup-Team.

Für Görges und Kerber ist es der erste Auftritt unter dem neuen Kapitän Gerlach, der im Februar in Weißrussland ohne seine beiden Spitzenspielerinnen auskommen musste. Dass Deutschland nun vor heimischer Kulisse um den Einzug ins Finale spielen darf, – das gab es zuletzt 1994 – lag am Husarenstück von Gerlach und seinem B-Team in Minsk. „Respekt, was die Mädels in Minsk geleistet haben und wir nun die Chance auf das Endspiel haben“, erinnerte Kerber an den unerwarteten 3:2-Auswärtssieg in Weißrussland. Die ehemalige Weltranglistenerste freut sich auf das erste Match unter Gerlach. „Ich habe von den Mädels nur Gutes gehört über Jens. Ich freue mich darauf, eine neue Stimme im Fed Cup zu hören.”

Kerbers schwammige Erinnerung

Kapitän Gerlach ist bei seiner Heimpremiere die Ruhe in Person. Die Trainingseindrücke stimmen ihn zuversichtlich, dass es nicht sein letztes Match als Kapitän in diesem Jahr ist. „Es ist toll, dass beide dabei sind. Sie sind in einer hervorragenden Verfassung. Ich bin guter Dinge, dass wir das das am Wochenende auch sehen werden.“ Gewinnt das deutsche Team gegen Tschechien, ist ein Heimspiel im Finale bereits garantiert – entweder gegen die USA oder Frankreich. Und höchstwahrscheinlich wieder in der Porsche-Arena in Stuttgart. Doch das ist noch recht leise Zukunftsmusik.

Und noch eine Randnotiz bei der Auslosung: Kerber schaute etwas verdutzt rein, als die Auslosung ergab, dass Görges das Eröffnungseinzel gegen Petra Kvitova bestreitet. Aber warum überhaupt? „Ich habe noch nie das erste Match im Fed Cup bestritten, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Das habe ich zu Tadde (Tatjana Maria) gesagt. Für mich ist es okay, dass ich das zweite Einzel spiele.“ Da hat die Erinnerung der 30-Jährigen einen Streich gespielt. 2012 und 2015 gegen Australien (beide Male in Stuttgart) sowie 2016 im Halbfinale in Russland durfte Kerber zu Beginn ran.

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Angstgegnerinnen

Das Halbfinale in Stuttgart ist die neunte Partie zwischen Deutschland und Tschechien bzw. der ehemaligen Tschechoslowakei. Nur eine davon konnte gewonnen werden: das Halbfinale 1987 in Vancouver mit Steffi Graf und Claudia Kohde-Kilsch. Vielleicht ein gutes Omen auf dem Weg zum dritten deutschen Fed Cup-Titel?

In der jüngeren Vergangenheit erwies sich Petra Kvitova als große Spielverderberin für die deutschen Ladys. Die Tschechin gewann fünf von sechs Einzel, darunter zwei gegen Andrea Petkovic, gegen Angelique Kerber, Julia Görges und Sabine Lisicki. Nur Anna-Lena Grönefeld konnte Kvitova besiegen.

Die Fed Cup-Bilanzen aller Spielerinnen

Deutschland

Angelique Kerber: 13:10
Julia Görges: 11:10 (6:7 im Einzel)
Tatjana Maria: 2:1 (1:1 im Einzel)
Anna-Lena Grönefeld: 20:15 (9:8 im Doppel)

Tschechien

Petra Kvitova: 28:11 (28:10 im Einzel)
Karolina Pliskova: 13:3 (9:3 im Einzel)
Barbora Strycova: 20:11 (10:7 im Einzel)
Katerina Siniakova: 1:3 (1:1 im Einzel)

Head-to-head-Bilanzen der Spitzenspielerinnen

Julia Görges – Karolina Pliskova 0:2
Julia Görges – Petra Kvitova 1:4
Angelique Kerber – Karolina Pliskova 7:3
Angelique Kerber – Petra Kvitova 5:5