Titelverteidiger Novak Djokovic scheidet früh aus

Mail aus Wimbledon: Die Causa Djokovic

17:20 Uhr war es, als Djokovic vor der internationalen Presse erschien. Rund 15 Minuten nach dem Match, das seine Träume begrub. Kein Kalender-Grand Slam, kein neuer Rod Laver.

Ob er so schnell gekommen sei, weil er nur noch wegwollte, lautete eine Frage. Die Antwort: „Yes.“ Er sagte es mit einem Lächeln. Einen komplett niedergeschlagenen Eindruck machte er nicht. Djokovic verhielt sich in der bitteren Stunde wie ein Champion.

Vor allem wie ein fairer Verlierer. Frage: „Was war der Schlüssel für die Niederlage heute?“ Antwort: „Glückwunsch an Sam. Er spielte ein fantastisches Match. Er servierte sehr gut. Dieser Teil seines Spiels war brutal heute. Er schaffte viele freie Punkte mit seinem Aufschlag. Gut gemacht. Er hat mich überpowert.“

„Wie haben Sie sich gefühlt in diesen 48 Stunden?“ – „Noch einmal. Ich will nichts von der Leistung meines Gegners nehmen. Er spielte sehr gut und hat es verdient zu gewinnen. Ich habe den Ball nicht so gut gefühlt, wie ich es mir gewünscht hätte.“

„Waren Sie nicht hundertprozentig gesund?“ – „Nicht wirklich. Aber das ist der nicht der Ort und der Zeitpunkt darüber zu sprechen.“

Frage: „Wir sahen Sie heute morgen auf Court 14 trainieren. Sie schienen nicht sie selbst zu sein.“ Antwort: „Ich habe eben gesagt, ich möchte nicht darüber reden. Bitte respektieren Sie das. Danke.“

Djokovic spielt nicht im Davis Cup

Mag sein, dass Djokovic nicht fit war. Was man ihm hoch anrechnen muss: Djokovic lamentierte nicht. Er gab niemandem die Schuld. Er versicherte glaubhaft, dass seine Sichtweise auf Dinge immer positiv ist. Dass ihn die Niederlage stärker machen kann. So wie 2015, als er bei den French Open wieder den Titel verpasste und sich Stan Wawrinka geschlagen geben musste.

Was aber in jedem Fall klar wurde: Wie anstrengend die erste Jahreshälfte für ihn war. 50 Matches hat er 2016 gespielt, sechs Titel geholt. Wer ermessen will, wie viel Energie ein Grand Slam-Sieg aus einem zieht, muss sich nur Garbine Muguruza ansehen. Die French Open-Siegerin verlor sang und klanglos in Runde zwei und ihr Manager Olivier van Lindonk meinte: Sie war tot.

Jetzt kommt die Familie

Die Konsequenzen aus der Pleite für Djokovic: Er wird keinen Davis Cup für Serbien spielen. Er wird sich ausklinken. Wie es mit den Turnieren weitergehe, ob er Olympia spiele – er wisse es noch nicht.

„Können wir jetzt zu den serbischen Fragen kommen?“, fragte er den Conferencier an seiner Seite. Woraufhin der den internationalen Part nach rund zehn Minuten abbrach. Spätestens zu dem Zeitpunkt musste auch dem Letzten klar gewesen sein: Djokovic wollte nur noch von der Anlage. Den Rest des Turniers wird er nicht mal im Fernsehen verfolgen.

„Glücklicherweise habe ich eine Familie und ich habe ein Leben außerhalb des Tennis. Ich habe viele Dinge, auf die ich mich freuen kann“, sagte Djokovic.

Für den Rekordmann, der erst einmal an Grand Slam-Sieg Nummer 13 gescheitert ist, gibt es in den nächsten Wochen wichtigere Dinge als gelbe Bälle.


  1. Stefan Höfel

    Hallo,

    Federer hat doch „nur“ 17 Grand-Slam-Titel. Bitte doch die Rekorde und Leistungen der Spieler richtig berücksichtigen. Erst werden Nadal drei Wimbledontitel zugebilligt, jetzt Federer 18 Grand-Slam-Titel. Es ist immer schwierig, die Fakten, die man nicht kennt zu glauben, wenn die Fakten, die man kennt, nicht korrekt genannt werden.

  2. cedomir

    Endlich wird Wimbledon interessant.Schöne spanende Spiele ,atraktiv,ohne diesen langweiligen Djokovic.Er gewann immer ,aber total langweilig,und unsümpatisch ist er auch sehr.Gut dass er weg ist,dieser….


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