Marion Bartoli

Marion Bartoli: Ein zweifelhaftes Comeback

Marion Bartoli will im März 2018 bei den Miami Open wieder auf die WTA-Tour einsteigen. Doch tut sich die Wimbledonsiegerin von 2013 damit einen Gefallen?

„Ich bin nicht so. Ich werde nicht zurückkommen. Es ist zu Ende.“ Das sagte Marion Bartoli am 14. August 2013, als sie ihre Karriere für beendet erklärt hatte. Doch getreu dem Motto von Konrad Adenauer „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“ hat es sich die Französin anders überlegt. 52 (!) Monate nach ihrem überraschenden Rücktritt gab Bartoli via Videobotschaft ihre genauso überraschende Entscheidung bekannt, wieder auf die WTA-Tour einzusteigen. Ihr erstes Turnier sollen die Miami Open im März werden.

Der plötzliche Rücktritt und der Kampf mit dem Körper

„Es wird eine große Herausforderung. Ich muss noch viel trainieren und hoffe wirklich, dass ich Mitte März für das Turnier in Miami bereit sein werde“, teilte die Wimbledonsiegerin von 2013 mit. Sie freue sich auch auf die French Open, den Fed Cup und natürlich Wimbledon. Apropos Wimbledon: Bartoli setzte sich auf dem „Heiligen Rasen“ im Endspiel der Überraschungsspielerinnen gegen Sabine Lisicki durch. Nur 40 Tage nach ihrem größten Karrieretriumph verkündete die Französin in Cincinnati nach ihrer Niederlage gegen Simona Halep ihr sofortiges Karriereende. „Ich hatte im Tennis die Chance, meine größten Träume zu verwirklichen. Aber mein Körper schafft es einfach nicht mehr. Meine Achillessehne schmerzt, vor allem nach Matches auf einem Hartplatz kann ich kaum normal laufen. Dazu kommen meine Schultern, meine Hüfte und mein Rücken. Mein Körper ist einfach fertig.“

Der Körper und Marion Bartoli, das scheint ein ewiger Kampf zu sein. Während ihrer Karriere musste sie sich ständig Fragen über ihr Körpergewicht gefallen lassen. Sie wirkte nie komplett austrainiert und wurde gelegentlich als Tennis-Moppelchen verspottet. Doch hinter dem Übergewicht steckte Methode. Vater Walter Bartoli riet seiner Tochter dazu, das Gewicht zu halten, um ihr aggressives Powertennis weiter spielen zu können. Die Spielweise führte sie schließlich zum Triumph in Wimbledon. Nach der Karriere mutiert Bartoli zum Fitnessfreak, nimmt bis zu 20 Kilogramm ab und präsentiert in den sozialen Medien ihren dünnen Körper. Ihre Fans machen sich indes Sorgen: „Vergiss’ nicht, auch mal etwas zu essen“, „Hör’ auf, Magersüchtige zu ermutigen!”.

„Ich fürchte um mein Leben”

Gerüchte um Magersucht machen die Runde. Erst recht, als Bartoli beim Wimbledonturnier 2015 für ein Legenden-Doppel aus gesundheitlichen Gründen ausgeladen wird. Die Französin erklärt daraufhin, dass sie an einem mysteriösen Virus leide, der ihr Leben zum Alptraum mache. „Ich fürchte um mein Leben. Ich habe Angst, dass plötzlich mein Herz aufhört zu schlagen. Ich bin verkümmert und weiß nicht, weshalb. Mein Körper nimmt nichts mehr auf außer ein paar substanzielle Stoffe. Ich esse Biosalat und Gurken, aber nicht mal ganz. Ich mache die Schale ab, die vertrage ich nicht. Was ich durchmache, ist ein absoluter Horror. Ich hoffe und bete, die Ärzte können mich heilen.“ Sie begibt sich in eine Spezialklinik – mit Erfolg.

Ihr Gesundheitszustand verbessert sich Stück für Stück. Im November 2016 läuft sie sogar beim New-York-Marathon mit und absolviert die Strecke in 5:40 Stunden, zwar meilenweit entfernt von einer guten Zeit, doch angesichts ihrer Vorgeschichte ist dies zweitrangig. Nun will Bartoli den riesengroßen Schritt wagen und auf die WTA-Tour zurückkehren. Bei ihrem Comeback-Turnier, den Miami Open im März, wird sie 33 Jahre und fünf Monate alt sein. Ob die Französin nach über vier Jahren Auszeit vom Profitennis überhaupt noch mithalten kann, ist zweifelhaft. Die WTA-Tour ist noch enger zusammengerückt. Jede kann jede schlagen, wenn man Serena Williams mal ausklammert. Aber vielleicht hat auch dies zu ihrem Entschluss geführt, es noch einmal zu versuchen.

Schlauer als Einstein

Bartoli hat ein bewegtes Leben hinter sich nach ihrer ersten Tenniskarriere. Es scheint so, dass sie ihren Weg noch nicht gefunden hat und nun das wieder machen möchte, was sie am besten kann: Tennis spielen. Aber ob sie sich damit einen Gefallen tut, vor allem nach der Leidensgeschichte mit dem Körper? Rückblickend ist Bartoli auf dem Höhepunkt abgetreten. Ihr Comeback kann auch wegen ihres fortschreitenden Alters von kurzer Dauer sein. Sie ist zunächst überall auf Wildcards angewiesen, um bei den großen Turnieren dabei zu sein. Die French Open und Wimbledon werden ihr eine Wildcard sicherlich gewähren. Doch es braucht sofort gute Ergebnisse, damit ihr Comeback auf großer Bühne nicht früher zu Ende ist als geplant. Allerdings: Die Rückkehr von Kimiko Date-Krumm, die mit 37 Jahren wieder einstieg und knapp zehn Jahre noch spielte, sollte ihr Mut machen, wenn sie einen ähnlichen Weg einschlagen möchte.

Mit Bartoli bekommt die WTA-Tour einen weiteren Farbtupfer. Die eigenwillige Französin, die nach Monica Seles die erfolgreichste Spielerin ist, die sowohl Vorhand als auch Rückhand beidhändig spielt, ist immer für eine Geschichte gut. Laut eigenen Angaben soll sie einen IQ von 175 haben und damit schlauer sein als Albert Einstein, Stephen Hawking, Plato und Ludwig van Beethoven. Und dann wären noch ihre seltsamen Rituale, ihr Schattentennis auf dem Platz, mit dem sie die Zuschauer belustigt und ihre Gegnerinnen oft zur Weißglut treibt. Im März heißt es dann wohl wieder: Bühne frei für Marion Bartoli!


  1. Bonhomme Richard

    Zweifelhaft ob sie sich darüber im Klaren ist, in welchem Maß sich das Tennis in der Weltspitze, also in den Top 200, während ihrer Abwesenheit weiterentwickelt hat. Nun ja, sie wird’s erfahren wenn ihr dann demnächst die Bälle um die Ohren fliegen. Meine Prognose: das wird ein Comeback der eher skurrilen Art.


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