Andreas Mies

Meine 5 Tipps für einen guten Return

Als unser Kolumnist Andreas Mies nach der Corona-Pause wieder auf die Tour kam, streikte vor allem sein Return. Grund genug, fünf Tipps für einen der wichtigsten Schläge im Doppel aufzulisten.

Die Pause, verursacht durch dieses verrückte Virus, das uns immer noch beschäftigt, war verdammt lang. Sechs Monate kein Wettkampftennis ist hart. Okay, man hat erst in der erzwungenen Auszeit gemerkt, wie viel Energie die Tour aus einem zieht. Die Saison ist lang, die Pause kurz. Ehrlich gesagt sind sich gefühlt alle Spieler einig, dass die Spielzeit dringend verkürzt werden muss. Ende Oktober sollte Schluss sein, damit man zwei Monate Kraft tanken und sich aufs neue Jahr vorbereiten kann.

Als es Ende August wieder losging, überwog aber ganz klar die Freude und die Dankbarkeit, wieder spielen zu dürfen. Wobei: Der Anfang war zäh. Das Leben in der Bubble, nur von Anlage zum Hotel zu pendeln, ist anstrengend. Man ist wie in einem Hamsterrad. Kevin und ich gehen gerne mal in die Stadt, machen eine Rad- oder Bootstour. All das ging nicht. Auf dem Platz habe ich mich teilweise gefühlt, als würde ich einen Rucksack tragen. War nicht im Rhythmus, nicht frei. 

Der Schläger ist nie schuld

Meine größte Baustelle war der Return und das ist mit dem Aufschlag der wichtigste Schlag im Doppel. In Deutschland trainierten wir auf Sand. Dann ging es in die USA auf Hartplatz, wo mir die Plätze noch schneller vorkamen als im letzten Jahr. Jedenfalls war  das Timing komplett weg. Dazu muss man wissen, dass wir gegen einige gute Aufschläger ran mussten. An das Tempo musste ich mich wieder gewöhnen. Meist war ich zu spät am Ball. Ich weiß, wie gut ich returnieren kann und war völlig frustriert, dass es vier Wochen lang nicht klappte. Auch wenn wir Matches gewannen, ich fühlte mich nicht wohl.

Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum ich bei den US Open, im Match gegen Shapovalov/Bopanna, meinen Schläger zerhackt habe. Das ist mir zuvor nur einmal passiert – bei einem Juniorenmatch, da war ich 14. Meine Mutter sagte nach der Partie: „Ich kaufe dir einen neuen Schläger. Aber wenn das noch einmal passiert, musst du dir den nächsten selber kaufen.“ Ich habe bis zu dem Match in New York nie wieder ein Racket zerlegt, noch nicht mal in den Vorhang geworfen. Denn es ist nie der Schläger schuld, der Fehler liegt immer an einem selbst. 

In jedem Fall bin ich nach dem Match in mich gegangen und habe mir im Geiste die Punkte notiert, die wichtig für einen guten Return sind. Hier, liebe Leser, sind meine fünf goldenen Tipps für einen guten Return:

1. Man muss den Gegner beobachten, versuchen, seinen Aufschlag zu lesen. Weniger anhand der Ausholbewegung, mehr anhand des Ballwurfs. Wirft er eher in den Rücken für den Kick oder eher nach rechts vorne für den Slice nach außen? Du musst den Ball genau beobachten. Bis er bei dir ist. Wenn du den Ball konzentriert im Blick hast, hast du mehr Zeit zu reagieren. Klar: Wenn einer für jede Aufschlagvariante den gleichen Ballwurf hat wie bei Federer, dann wird es schwierig. 

2. Man muss entspannt sein. Sich auf den Return einlassen. Wer verkrampft, kann nicht richtig zuschlagen. Das Timing fehlt und es kommt nichts raus. Wichtig: den Return vor dem Körper treffen. Mit lockerem Arm. Ist der Muskeltonus zu hart, fehlt die Kontrolle. Wer im Oberkörper und im Arm entspannt ist, kann  den Ball schön laufen lassen.

3. Was bin ich für ein Return-Typ? Wo fühle ich mich wohl – hinten am Zaun oder eher an der Linie? Im Einzel kann ich von weit hinten den Ball mit Spin hoch reinspielen. Das geht im Doppel nicht, weil der Netzspieler sonst dazwischen geht. Ich selbst bin ein aggressiver Returnierer. Für mich ist es wichtig zuzuschlagen. Aber es gibt auch Spieler, die eher blocken.

4. Erster oder zweiter Aufschlag – das ist ein Unterschied. Beim ersten geht man eher einen Schritt zurück, um Zeit zu gewinnen. Beim zweiten ran an die Linie, durchziehen. Den Schritt nach vorne machen. Sonst kommt kein Druck hinter den Ball.

5. Die Ausholbewegung muss kurz sein. Das unterscheidet sich vom Grundlinienschlag. Und: Es hilft enorm beim Timing.