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So herrlich tolerant und intolerant sind die Australian Open!

Erinnern Sie sich noch an die Mund-zu-Geste der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Katar? Damit wollte der DFB seinen generellen Protest gegen die unwürdige Menschenrechts-Situation im Scheichtum zum Ausdruck bringen – und sich ganz konkret gegen das Verbot des Tragens der One-Love-Binde positionieren.

Gleichgeschlechtliche Liebe, Respekt vor Andersdenkenden. Das ist wichtig und sollte selbstverständlich sein. Sportler kann man gleichwohl auch überfrachten, wenn man sie zu politischen und gesellschaftlichen Vorreitern machen will.

Wie es besser gemacht wird, das zeigen hier in Melbourne die Macher der Australian Open. Mitten auf der imposanten Turnier-Anlage steht ein bunter Pavillion, der „AO Pride Hub“. Frei übersetzt: die „Australian-Open-Stolz-Zentrale“. In Regenbogen-Farben gehalten. Drinnen erklären Schautafeln, wie zentral Toleranz und Mitmenschlichkeit sein sollten. Auch gerade Minderheiten und Andersdenkenden, Anders-Liebenden gegenüber. Und es gibt einen bunten Regenbogen, vor dem man sich wunderbar fotografieren lassen kann.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der „AO Pride Hub“ praktisch in Sichtweite zur Margaret-Court-Arena steht. Margaret Court ist eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten und war lange eine Ikone des australischen Sports. Doch ihre intoleranten Kommentare bezüglich Anders-Denkenden haben ihren Ruf stark beschädigt. Es gibt Überlegungen, die ihren Namen tragende Arena (in der Sascha Zverev sein Auftakt-Match gewann) umzutaufen.

Klare Kante zeigten die Macher der Australian Open auch, als sie – nach Protest der ukrainischen Botschafters in Australien ¬– russische und belarussische Fahnen auf dem Turniergelände verboten.

Zur Toleranz gehört nämlich auch, Krieg, Unrecht und Intoleranz eben nicht unwidersprochen zu tolerieren.

Toleranz

Wie tolerant sind die Australian Open? Dietmar Gessner beobachtete vor Ort in Melbourne.