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Dominic Thiem schied bei den Australian Open klar in drei Sätzen gegen Andrey Rublev aus. 📸: Getty Images

Wie bedrohlich ist die Thiem-Tragik für Zverev?

Es gibt eine Verbindung zwischen Dominic Thiem (29) und Sascha Zverev (25). Als sich Thiem 2020 in einem dramatischen Fünf-Satz-Krimi im Finale der US Open gegen den Hamburger durchsetzte, da war das für Zverev gleichermaßen Enttäuschung, Bestätigung und Anspruch. Es war Thiems erster Grand-Slam-Triumph. Und Zverev spürte erstmals, dass auch er dieses Ziel erreichen kann.

Seitdem ist viel passiert. Vor allem bei Thiem. Er erfüllte nicht die Erwartungen. Seine eigenen nicht und die der Tennis-Szene nicht. Statt dessen stürzte er ab. Vor allem, weil er enormes Pech hatte. Eine böse Handgelenks-Verletzung setzte ihn ab Juni 2021 für neun Monate außer Gefecht. Zwischenzeitlich fiel er bis auf Platz 352 der Weltrangliste zurück. Und das nach zuvor 17 Turniersiegen. Sein Comeback begann er Mitte 2022 mit sechs Erstrunden-Niederlagen in Folge.

Er ist nur noch ein Schatten vergangener triumphaler Thiem-Tennis-Tage. Bleibt das so?

Hier bei den Australian Open schied er am Dienstag ebenfalls in der ersten Runde aus. Gegen Andrey Rublev hatte er beim 3:6, 4:6 und 2:6 keine echte Siegchance. Erst recht nicht, als er sich beim Aufschlag zerrte und in der Folge gehandicapt war.„Ich will nicht Trübsal blasen. Auch bei meinen aktuellen 100 Prozent wäre ich gegen einen Spitzenspieler wie Andrey nur Außenseiter gewesen“, sagt Thiem. Trotzdem sah er Fortschritte: „Mein Tempo ist besser als noch im Herbst vergangenen Jahres.“

Wie lange braucht man, um zur alten Form zurückzukommen?

Gleichwohl erwähnt aktuell niemand Thiem, wenn es um potenzielle Sieger aus der Riege der Generation nach Federer, Nadal und Djokovic geht. Das war vor seiner Verletzung noch ganz anders. „Bei einem Comeback nach einer schweren Verletzung dauert die Rückkehr zu alter Form etwa viermal so lange wie die Verletzungspause selbst“, ist Thiems Landsmann Thomas Muster überzeugt. Der ehemalige Weltklasse-Spieler und Sieger der French Open 1995 hatte selbst erhebliche Verletzungsprobleme. Thiem, der in 2022 mit 18:16 Siegen nur eine sehr dürftige Spielbilanz hatte, macht sich Mut. „Ich habe noch Reserve und Potential. Es geht in die richtige Richtung.“

Wer Thiems Situation beleuchtet, der ist schnell beim Vergleich zu Zverev. Thiem fiel neun Monate aus. Zverev zwangen sieben gerissene Bänder im Sprunggelenk zu sieben Monaten Pause. Vor dieser Pause war Zverev tatsächlicher und potenzieller Triumphator in wichtigen Turnieren. Er hatte Rafael Nadal in dessen Refugium bei den French Open am Rande einer Niederlage, als er verletzt abbrechen musste.

Nun quälte sich Zverev am Dienstag vor den Augen des mitfiebernden Dirk Nowitzki in der ersten Runde der Australian Open gegen den peruanischen Lucky Loser Juan Pablo Varillas zu einem Fünf-Satz-Sieg. Varillas hatte von seinen letzten 80 Partien über 70 auf Sand bestritten. Dennoch zwang er Zverev auf dem Hartplatz der wegen der Hitze draußen überdachten Margaret-Court-Arena über vier Stunden auf seine Augenhöhe.

Und so bleiben die Fragen: ob, wie und wann erreicht Zverev wieder sein Vor-Verletzungs-Niveau? Droht ihm ein ähnlich mühsamer Weg wie Thiem? Immerhin: Gegen Varillas zeigte Zverev Biss und Mentalität. Und vor allem wirkte es so, als würde er sein Sprunggelenk nicht schonen. Nowitzki atmete erleichtert durch, als Zverev den Matchball verwandelte.

Thiem hatte einst vor seinem Triumph bei den US Open auch das Finale in Melbourne erreicht. Derlei ist von Zverev aktuell nicht zu erwarten. Jeder weitere Sieg ist im Moment so wichtig wie ein Finale. Damit das finale Wort in Sachen Titel-Sammlung von Zverev noch nicht gesprochen ist.