Next Gen ATP Finals

MILAN, ITALY - NOVEMBER 11: Hyeon Chung of South Korea celebrates with the trophy after victory against Andrey Rublev of Russia in the mens final on day 5 of the Next Gen ATP Finals on November 11, 2017 in Milan, Italy. (Photo by Emilio Andreoli/Getty Images)

Was taugen die neuen Regeln der Next Gen ATP-Finals?

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Die ATP wollte mit den neuen Regeln bei den Next Gen ATP-Finals das Erlebnis „Tennis“ in der Halle und vor dem Bildschirm verbessern. Basierend auf umfangreichen Befragungen. Uns hat aber niemand gefragt. Was wir als Sandplatzgötter natürlich so nicht auf uns sitzen lassen können. Deshalb hier unsere wiederum von der ATP komplett ungefragte Beurteilung der für uns wichtigsten Änderungen.

Hawk-Eye statt Linienrichter

Schlüssige Argumente dagegen sind schwer zu finden. Wenn jede Entscheidung auf den Millimeter genau mit elektronischer Hilfe getroffen wird, führt das definitiv dazu, dass Tennis im Spitzenbereich gerechter wird und es weniger Fehlentscheidungen gibt. Ähnlich wie bei der Challenge in ihrer jetzigen Form ergeben sich aber wieder neue Ungerechtigkeiten, falls das System nicht auf allen Plätzen und damit bei allen Matches eines Turniers eingesetzt wird.

Das Götter-Urteil: Vielleicht bleiben die Sandplätze der Welt ein Hort für Sentimentale, Traditionalisten und sentimentale Traditionalisten, weil dort das Hawk-Eye bisher weniger gut funktioniert und nicht eingesetzt wird. Auf allen anderen Belägen werden Linienrichter aber über kurz oder lang ein Auslaufmodell sein, weil echte Argumente dagegen fehlen.

Free-Movement-Policy

Die Eingänge bleiben nicht bis zum Seitenwechsel geschlossen, man kann auch im laufenden Spiel das Stadion betreten und verlassen. Ist dem Fernsehzuschauer herzlich egal und die Spieler werden sich wahrscheinlich auch daran gewöhnen. Es ist auch für den Zuschauer vor Ort durchaus nervig, wenn man am Eingang gefühlt ewig auf den Einlass warten muss, weil ein Aufschlagspiel diverse Male über Einstand geht. Oh. Viele Male Einstand gibt es ja im Zweifel gar nicht mehr. Das Argument schwächt sich im Zusammenspiel mit „No-Ad“ also schon wieder ab.

Ein Porträt des Mailand-Siegers Hyeon Chung aus Südkorea: Der scheue Professor.

Was uns bei der Diskussion um diese Regel aber vor allen Dingen ein wenig fehlt, ist der Blickwinkel des Zuschauers, der schon brav auf seinem Platz sitzt und einfach ein komplettes Tennisspiel live genießen will. Der „darf“ jetzt auch während des laufenden Ballwechsels aufgrund der Enge in den meisten Stadien immer aufstehen, wenn andere Zuschauer zu ihren Plätze in der gleichen Sitzreihe gelangen wollen. Während er sie durchlässt, sieht er nichts vom Match. Er sieht auch nichts vom Spiel, wenn sie dann wieder zurück zum Getränkestand wollen. Und er sieht auch nichts vom Spiel, wenn das gleiche in der Reihe vor ihm passiert, weil dann dort aufgestanden werden muss. Das ist eine Verbesserung?

Das Götter-Urteil: Würde dem Tennissport nicht entscheidend schaden, ob es allerdings vor Ort nicht auch einen gehörigen Teil der Zuschauer schwer auf die Nerven geht, wagen wir zu bezweifeln. Wir möchten jedenfalls lieber in Ruhe Tennis gucken, als regelmäßig „‘Tschuldigung, darf ich mal durch?“ zu hören.

Die Shot-Clock

Ein klar definierter Zeitraum zwischen den Aufschlagspielen sorgt für mehr Gerechtigkeit und weniger Willkür auf der ATP-Tour. Diese Zeit nicht zu lang werden zu lassen, ist auch ein Kontrapunkt in Bezug auf die körperliche Belastung zu den kürzeren Sätzen. Allerdings: Bei den allermeisten Tennisspielen auf der Welt unterhalb der höchsten Profi-Ebene, wird es eine Shot-Clock in absehbarer Zeit nicht geben.

25 Sekunden sind auch echt kurz, wenn man in der Verbandsliga vor dem Aufschlag erst einen von drei vorhandenen Bällen vom Gegner bekommen  und den anderen aus dem Gebüsch holen muss. Im gesamten Spielbetrieb ohne Balljungen und –mädchen bleiben die Spielpausen also tendenziell so lang wie bisher. Schafft man in diesem Bereich trotzdem die Vorteils-Regel ab und spielt kürzere Sätzen, reduziert man die körperliche Komponente des Spiels überproportional. Spielt man nur außerhalb der Profi-Ebene weiter nach den alten Regeln, entfernt sich das Profitennis ungesund weit vom Amateursport.

Das Götter-Urteil: Im Profisport muss tatsächlich eine überprüfbare Regelung her. Schiedsrichter-Augenmaß ist bei eigentlich klar definierten Zeiten fehl am Platz. Die Zeit sollte aber so gewählt sein, dass man trotzdem auch lange Sätze noch spielen kann.