Ulrich Klaus kandidiert für eine weitere Amtszeit

Wer wird DTB-Präsident?

Am Sonntag steht die Wahl des DTB-Präsidenten an. Es gibt zwei Kandidaten. Es könnte also spannend werden, wer künftig die Geschicke des weltweit größten Tennisverbandes bestimmt.

Wer in diesen Tagen etwas hinter die Kulissen beim weltweit größten Tennisverband (knapp 1,4 Millionen Mitglieder) schaut, spürt eine gewisse Nervosität. Am Sonntag (31.1.) findet die DTB-Mitgliederversammlung statt. Im Vorfeld, Samstagnachmittag, tagen die Landespräsidenten und der sogenannte Bundesausschuss. Rund drei Stunden sind dafür angesetzt. Es könnte etwas länger dauern, denn es hat sich in den letzten Wochen und Monaten abgezeichnet, dass es ziemlich zur Sache gehen könnte. Am Sonntag, ab 10 Uhr, stimmen die 17 Landesverbände dann ab.

DTB-Mitgliederversammlung per Zoom

Die Mitgliederversammlung, die – pandemiebedingt – mehrfach verschoben wurde, sollte turnusgemäß am 15. September 2020 in Köln stattfinden. Wahrscheinlich wäre Ähnliches passiert, wie schon bei der Wahl zuvor: Der amtierende DTB-Präsident Ulrich Klaus hätte alleine zur Wahl gestanden. Seine Wahl: reine Formsache.

Ulrich Klaus ist seit November 2014 Präsident des Deutschen Tennis Bundes.

Mehr als vier Monate später liegen die Dinge anders. Die Situation wäre bereits vor Weihnachten eine andere gewesen, weil sich inzwischen herauskristallisiert hatte, dass es einen Durchmarsch von Klaus nicht gegeben hätte. Einen entsprechenden Termin, den der Deutsche Tennis Bund im Dezember angekündigt hatte, wäre auch noch im alten Jahr gewesen. Als man sich dann auf den 31. Januar 2021 festlegte, war bei der „MV“, wie es im Verbandjargon heißt, zunächst von einer Hybridsitzung in einem Berliner Hotel die Rede. Heißt: Je nach Corona-Bestimmungen wären die beteiligten Personen teils präsent gewesen, teils per Video zugeschaltet.

Seit Wochenanfang steht fest: Die Versammlung läuft rein digital. Per Zoom werden Präsidiumsmitglieder aus den Landesverbänden (maximal drei Zugänge pro Verband) zugeschaltet. Mit dem amtierenden Präsidium und ausgewählten Mitarbeitern der DTB-Geschäftsstelle ergibt sich ein Auditorium von mehr als 60 Personen. Darüber hinaus gibt es einen Code für ein Abstimmungstool, eine digitale Wahlkabine und einen Wahlleiter, damit auch alles juristisch seine Richtigkeit hat.

Wahl zum DTB-Präsidenten: Zwei Kandidaten

Gäbe es nur einen Kandidaten – den Amtsinhaber Ulrich Klaus – wäre dies eine reine Formalie ohne jegliche Brisanz. Wie tennismagazin.de erfuhr, stellt sich allerdings noch eine Person zur Wahl. Der Mann ist kein Unbekannter, früher leitete er mal das ATP-Turnier, die Tennismannschafts-WM, in Düsseldorf – Dietloff von Arnim.

Dietloff von Arnim

Dietloff von Arnim war früher Turnierdirektor beim World Team Cup in Düsseldorf.

Aktuell ist von Arnim Präsident des Tennis-Verbandes Niederrhein. Als tennismagazin.de ihn am Donnerstagnachmittag mit den Recherchen konfrontierte, sagte von Arnim: „Ja, ich kandidiere.“ Der Zwei-Meter-Mann, seit Jahrzehnten ins deutsche und internationale Tennis involviert, machte aber gleich deutlich, dass es ihm nicht darum gehe, den Amtsinhaber zu bekämpfen. Ihm liege das Tennis am Herzen. Wenn er nicht gewählt würde, stünde er auch für eine andere Aufgabe bereit, um „Tennisdeutschland voranzubringen“.

Es gibt noch einen nachrangigen Aspekt bei der Präsidentenwahl. Nach einem Passus in den Statuten darf ein Präsident eines Landesverbandes nicht Mitglied des DTB-Präsidiums werden. Dieser Paragraph soll am Wochenende auch gekippt werden. Es bedarf allerdings einer Zweidrittel-Mehrheit. „Das wird knapp“, sagt ein Insider.

Das Team von Dietloff von Arnim

Der 61-jährige von Arnim selbst kandidiert in jedem Fall. Für ihn ist auch klar, dass er sein Präsidentenamt im TVN aufgeben wird, falls er gewählt würde. Allerdings beträfe die Regelung sein Team. Laut tennismagazin.de-Recherche kämpfen auch zwei Landespräsidenten für von Arnim – der Niedersachsen-Chef Raik Packeiser und der BTV-Präsident (Bayern) Helmut Schmidbauer.

Im Team von Ulrich Klaus (70), der seit November 2014 die Geschicke des DTB leitet, ist kein amtierender Landespräsident vorgesehen. Kurios: In beiden Teams gibt es deckungsgleiche Kandidaten – sie würden wohl sowohl unter Klaus als auch unter Arnim im siebenköpfigen Präsidium eine Rolle spielen.

Eine gute Wahl

Telefoniert man in der Szene, drängt sich der Schluss auf, dass beide Kandidaten eine gute Wahl wären. In jedem Fall soll der DTB künftig noch professioneller aufgestellt werden. In beiden Teams ist je ein hochrangiger Wirtschaftsvertreter dabei, der weit über das Tennis hinaus in ganz Deutschland bekannt ist. „Bei den Namen werden sich noch einige wundern”, sagt ein DTB-Insider. Künftig eine große Rolle spielen könnte auch der Tennisartikelversender Tennis-Point. Tennis-Point-Chef Christian Miele hatte bereits während des Turniers in Hamburg (19.-27. September) einen Auftritt bei einer Bundesausschuss-Sitzung. Passend zum Ort des Geschehens, einem Hotel fußläufig zur Uniklinik Hamburg-Eppendorf, bot er seine Hilfe an.

Die Rolle von Tennis Point: moderner und digitaler

Sein Credo: Der Verband müsse moderner, digitaler werden. Man müsse Tennis attraktiver machen und könne so auch wieder mehr Mitglieder gewinnen. Dem Vernehmen nach war die Reaktion zweigeteilt: Die einen bangten um ihre Pfründe, weil ein Außenstehender das Treiben im Dachverband mitbestimmen wollte. Hinter vorgehaltener Hand hieß es: „Da kommt der Mann mit dem Geldkoffer und will uns kaufen.“

Die andere Fraktion war durchaus angetan vom Auftreten und den Ideen Mieles. Ob die Rolle von Tennis-Point über die eines normalen Partners hinausgeht, wird sich nach der Wahl zeigen.

Die Hamburg European Open werden seit 2019 von den Österreichern Sandra und Peter-Michael Reichel organisiert.

Von Arnim jedenfalls will in jedem Fall vermeiden, dass da „jetzt einer komme, der denkt, er könne alles besser“. Das Wort Kampfkandidatur ist ihm ein Graus. Er weiß sehr wohl um die Verdienste des Präsidiums unter Klaus‘ Führung. Denn klar ist: In der Ägide des Rheinland-Pfälzers ist zum einen mehr Ruhe im Verband eingekehrt. Zum anderen gab es eine Reihe von Erfolgen zu verzeichnen. Etwa die Beendigung des leidigen Prozesses mit der ATP, der den Verband jedes Jahr eine sechsstellige Summe kostete oder die Neuvergabe der Veranstaltung am Hamburger Rothenbaum (das Turnier gehört dem DTB), was dem Verband viel Geld in die Kasse spülte. Auch mit Boris Becker als Head of Men’s Tennis schmückte man sich gerne.

DTB-Präsident: Klaus oder von Arnim?

Und jetzt? Wer wird am Sonntag gewählt: Klaus oder von Arnim? Nach den Gesprächen, die tennismagazin.de führte, liegt von Arnim vorne. Würde Klaus nicht mehr gewählt werden, könnte es auch daran liegen, dass der Amtsinhaber Personen in seiner Mannschaft, mit der er ursprünglich im September zu kandidieren beabsichtigte, durchdrücken wollte, die vielen einflussreichen Personen im Verband nicht passten.

Aber das muss nicht unbedingt eine Rolle spielen. „Wer Sonntag gewinnt? Keine Ahnung. Es kann alle passieren“, sagt ein Präsident eines Landesverbandes. In jedem Fall glühen gerade die Drähte, um Mehrheiten zu organisieren. Dass, was normalerweise am Wahlabend an der Bar stattfindet – nämlich ein Stimmpaket noch zum anderen Kandidaten wandern zu lassen –, das findet jetzt am Telefon statt. Wie hat es einer der Beteiligten so süffisant formuliert: „Wer im Moment in jedem Fall gewinnt, ist die Telekom.“