BNP Paribas Open – Day 3

The Next Big Thing? 16-Jährige Anisimova schockt Weltelite

Neben Venus Williams haben es noch zwei weitere Amerikanerinnen ins Achtelfinale von Indian Wells geschafft. Beide stehen außerhalb der Top 100. Merken sollten sich Tennisfans die Namen Amanda Anisimova und Danielle Collins aber allemal.



von Sebastian Seidel

Das 29. Duell der Williams-Schwestern war das große Thema beim Masters in Indian Wells. Doch im Schatten der beiden alternden Stars überzeugen in Kalifornien die jungen amerikanischen Talente.

Allen voran die 16-jährige Amanda Anisimova : Sie überraschte in den ersten Runden des Turniers. Nach einem souveränen Erstrundensieg gegen Pauline Parmentier (6:2, 6:2) ließ sie auch in der zweiten Runde mit ihrem druckvollen Grundlinien-Tennis der erfahrenen Anastasia Pavlyuchenkova keine Chance. Die an 21 gesetzte Russin wurde von der Teenagerin mit 6:4, 6:1 vorgeführt.

Amanda Anisimova: 16-Jährige schockt Weltelite

In der dritten Runde traf die die junge Anisimova, deren Eltern einst aus Russland in die USA azswanderten, dann auf die Weltranglisten-Neunte Petra Kvitova. Die Tschechin zeigte sich zuletzt in starker Verfassung und gewann nach den Australian Open 14 Spiele in Folge und dabei die Turniere in Dubai und St. Petersburg. Doch auch Kvitova konnte die Weltranglisten-149. nicht aufhalten. In beeindruckender Manier beendete Anisimova die Siegesserie von Kvitova mit einem souveränen 6:2, 6:4-Sieg.

Dabei ließ sich die 16-Jährige auch von Rückschlägen nicht verunsichern. Im zweiten Satz zeigte Kvitova beim Stand von 5:3 und Aufschlag für Anisimova ihr bestes Tennis. Sie returnierte gut und sicherte sich mit einem krachenden Vorhand-Winner schließlich auch das Break. Ein möglicher Wendepunkt?

„Danach war ich ziemlich nervös, aber ich habe mich zusammengerissen“, erzählte Anisimova nach dem Match. Beim folgenden Aufschlagspiel von Kvitova machte die Tschechin nicht einen Punkt. „Ich dachte nur: Ist das gerade wirklich passiert?“, beschrieb die junge Amerikanerin ihre Gefühle nach dem Matchball.

Im Achtelfinale trifft sie nun auf Karolina Pliskova. Angst vor großen Namen scheint die 16-Jährige jedenfalls nicht zu haben: „Ich habe bis jetzt so gut gespielt, ich versuche das einfach aufrechtzuhalten.“

Anisimova: Mit 2 Jahren die ersten Bälle geschlagen

Schon früh in Anisimovas Leben wurde von ihren Eltern alles auf eine mögliche Tenniskarriere ausgelegt. Laut Aussagen ihrer Mutter hatte ihre Tochter, die in den USA geboren ist, bereits mit zwei Jahren das erste Mal einen Tennisschläger in der Hand. Und schnell zeigte sich das Talent der jungen Amanda.

Statt zur Schule zu gehen, wird sie zuhause unterrichtet. Alles ist darauf ausgelegt, dass sie optimal gefördert werden kann. Gegenüber der New York Times sagte sie im vergangenen Jahr: „Es kümmert mich nicht, dass ich nicht zur Schule gehe oder wie eine normale Person sein kann. Tennis ist das, was ich genieße.“ Dass sie sich als Amerikanerin fühle, machte sie ebenfalls deutlich. Die heimischen Fans werden es gerne hören.

Anisimova: Fühle mich als Amerikanerin

Mit 14 Jahren war Anisimova bereits so gut, dass die Veranstalter der US Open ihr eine Wild Card für die Qualifikation geben. Mit einem Sieg gegen die zehn Jahre ältere Veronica Cepede Royg und einer knappen Niederlage im Tiebreak des dritten Satzes gegen die Japanerin Eri Hozumi rechtfertigte sie das Vertrauen.

Nicht einmal ein halbes Jahr später wurde sie offiziell Profi.  Am Anfang des vergangenen Jahres begann sie ihre erste Saison auf der Tour und kommt gleich bei ihrem zweiten ITF-Turnier bis ins Finale. Innerhalb eines Jahres spielte sie sich unter die besten 200 Spieler der Welt. Um schon nach Indian Wells zu den besten 100 zu gehören, müsste sie aber noch mindestens zwei Spiele gewinnen.

Collins: Steiler Aufstieg nach spätem Profibeginn

Neben Amanda Anisimova und Venus Williams schaffte auch eine dritte US-Amerikanerin den Sprung ins Achtelfinale von Indian Wells. Die Weltranglisten-117. Danielle Collins (24) hatte aufgrund starker Leistungen bei den Challenger-Turnieren der Oracle-Series eine Wildcard für das Turnier bekommen. Auf ihrem Weg ins Achtelfinale bezwang sie mit ihrem Sieg über Landsfrau Madison Keys zum ersten Mal eine Top-20-Spielerin.

Der Karriereweg von Danielle Collins verlief etwas anders als der von Anisimova. Zwar war auch sie im Jugendalter schon überaus erfolgreich und gewann mehrfach die amerikanischen Jugendmeisterschaften in ihrer Altersklasse, doch nach der High School entschied sie sich zunächst gegen ein Leben auf der Tour. Stattdessen nahm sie ein Sportstipendium an der University of Virginia an.

Top-100 als Ziel

In der Anfangszeit am College, hatte sie zunächst lange Zeit mit einer Handgelenksverletzung zu kämpfen. „Es gab Zeiten, in denen ich mir nicht sicher war, ob ich wirklich professionell Tennis spielen wollte“, schildert die 24-Jährige.

Insgesamt verlief ihre Collegekarriere mit zwei Siegen bei den amerikanischen Collegemeisterschaften durchaus erfolgreich. Nach dem Abschluss ihres Studiums mit einem Diplom in Medienwissenschaften, entschied sie sich mit 22 für eine Profikarriere und fing an, Turniere auf der ITF-Tour zu spielen.

Über die kleinen Turniere kämpfte sie sich in der Weltrangliste langsam nach oben. Im Jahr 2017, ihrer ersten kompletten Saison auf der Tour, spielet sie sich bis unter die Top 200 der Weltrangliste. Bei den Australian Open verpasste sie in der Qualifikation noch knapp den Sprung ins Hauptfeld, gewann aber kurz danach in Newport zum ersten Mal ein Turnier der 125k-Serie und rückte bis auf Weltranglistenplatz 120 vor.

Durch den Achtelfinaleinzug in Indian Wells wird sie erstmals den Sprung unter die Top 100 schaffen. Mit einem Sieg gegen die Spanierin Carla Suarez Navarro wäre sogar Platz 83 möglich.

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