Andrea Petkovic

Andrea Petkovic: „Gleiches Preisgeld auf der Tour“

Im großen Interview mit der Süddeutschen Zeitung macht Andrea Petkovic einen Vorschlag zur Preisgeld-Debatte im Tennis.

Andrea Petkovic hat ihr Debüt als Moderatorin der ZDF-Sportreportage mit Bravour gemeistert. In einem ausführlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung sprach die 32-jährige Deutsche unter anderem über ihre neue Rolle und Gleichberechtigung im Tennis.

Andrea Petkovic: „Ich wollte auf einem Bein landen”

„Ich habe gemerkt, dass mir Tennis allein nicht mehr reicht, auch wenn ich es immer noch liebe, auch wenn ich nicht bereit bin, es aufzugeben. Ich habe gespürt, dass ich mir noch ein zweites Standbein aufbauen muss. Damals ging es los, dass ich angefangen habe zu schreiben und zu veröffentlichen. Mir war es wichtig, nach dem Tennis nicht in ein Loch zu fallen. Ich wollte auf einem Bein landen – und nicht Gesicht voraus“, sagte Petkovic, die im Herbst 2020 ein Buch veröffentlichen wird – eine Art fiktive Autobiografie.

Petkovic sprach auch über die endlose Preisgeld-Debatte im Tennis. Sollen Frauen und Männer das gleiche Preisgeld erhalten? Die Darmstädterin macht einen Vorschlag: „Die Öffentlichkeit denkt, dass wir gleich viel verdienen – stimmt aber nicht. Gleiches Preisgeld erhalten wir Frauen nur bei den vier Grand-Slam-Turnieren im Jahr. Auf der normalen WTA-Tour verdienen wir ein Drittel dessen, was die Männer beziehen. Ich plädiere deshalb stark dafür, das einfach umzukehren: Gleiches Preisgeld für Männer und Frauen auf der Tour, wo wir den Großteil des Jahres antreten, denn da spielen Männer und Frauen ja auch im selben Modus, über zwei Gewinnsätze. Dafür könnten die Männer dann halt bei den Grand Slams mehr bekommen, weil sie ja da über drei Gewinnsätze spielen. Das würde viel Ärger aus der Debatte rausnehmen.“

Andrea Petkovic möchte den Laver Cup reformieren

Petkovics Vorschlag wurde bei ihren Kolleginnen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Ich habe das letztens im WTA-Meeting vorgebracht, und alle haben mich angestarrt. Ich weiß ja selbst, dass sich das Rad nicht zurückdrehen lässt. Aber diese Lösung würde mehr den Realitäten entsprechen. Und wir hätten ein schönes gesamtgesellschaftliches Symbol: Seht her, im Tennis werden alle für die gleiche Arbeit gleich bezahlt!“

Die Weltranglisten-78. machte sich zudem Gedanken, um Tennis, insbesondere Teamwettbewerbe, interessanter zu gestalten. „Es wäre toll, wenn man im Laver Cup noch zwei Frauen pro Team nominieren würde. Und vielleicht auch eine zusätzliche Frau als Coach. Erstens würde diese Mischbesetzung das Turnier weiter als Marke absetzen, es ist ja ein Wahnsinns-Event. Zweitens würde es die Teams von der Spielstärke her ausgleichen, denn jetzt tritt eine Europaauswahl gegen eine Weltauswahl an, und die hat keine Chance gegen Männer wie Federer, Nadal, Zverev und Djokovic, wenn er spielt. Beim Team Welt könnten nun aber Serena Williams aus den USA und Naomi Osaka aus Japan mitmachen. Und dieses Format würde auch eine wichtige gesellschaftspolitische Botschaft entsenden.“