AUSTRALIAN OPEN TENNIS LAUNCH, Australian Open CEO Craig Tiley speaks to media following the launch of the 2026 Australi

Will viele Veränderungen für die Australian Open: Turnierboss Craig Tiley. Bild: Imago

Australian Open-Chef erwägt Best-Of-Five-Matches bei den Damen

Die Australian Open könnten schon 2027 Best-of-Five-Matches in der Einzel-Konkurrenz bei den Damen ab dem Viertelfinale einführen. 

Craig Tiley, Turnierdirektor bei den Australian Open, plant eine grundlegend Änderung für das Event: Er will Best-of-Five-Matches bei den Frauen ab dem Viertelfinale einführen. Bislang spielen die Damen auf der WTA-Tour und auch bei allen Grand Slam ausschließlich im Best-of-Three-Format. Heißt: Sie brauchen „nur“ zwei Sätze zu gewinnen. Die Herren spielen bei allen Grand Slam-Turnieren bekanntermaßen im Best-of-Five-Format; sie müssen also drei Sätze gewinnen.

„Alle Untersuchungen zeigen, dass das Interesse im Laufe eines Matches zunimmt“, sagte Tiley in einem Interview am Sonntagnachmittag vor dem Finale der Herren. „Als Sportart müssen wir uns weiterentwickeln.“ Er stellte in Aussicht, dass die Frauen möglicherweise schon ab nächstem Jahr ab dem Viertelfinale Fünf-Satz-Matches spielen könnten – allerdings nur mit Zustimmung der Spielerinnen selbst.

Tiley: „Es sollte Best-of-Five bei den Frauen geben“

Tiley ist der Ansicht, dass Elena Rybakinas Sieg in drei Sätzen gegen die Nummer 1 Aryna Sabalenka im Australian Open-Finale der Damen gezeigt hat, was die weiblichen Stars zu bieten haben. Das Match brachte ihn letztlich auf die Idee auf, die Matches der Frauen zu verlängern, um den Fans ein ähnliches Spektakel zu bieten wie bei den Herren.

Gegenüber der Nachrichten-Agentur AAP wurde Tiley ausführlicher: „Es sollte Best-of-Five bei den Frauen geben. Wir sollten uns die letzten Matches ansehen – das Viertelfinale, das Halbfinale und das Finale – und bei den Frauen Gewinnsätze einführen. Das sollten wir also auf die Tagesordnung setzen und mit den Spielerinnen darüber sprechen, denn es gibt einige Matches in diesen letzten Runden, die im Best-of-Five-Modus faszinierend gewesen wären. Ich weiß nicht, ob die Spielerinnen das wollen würden, aber es ist etwas, das wir bei den Frauen in Betracht ziehen müssen.“

Boris Becker bei Eurosport: „Gute Idee“

Boris Becker befürwortet die Pläne. Während der Eurosport-Übertragung des Herren-Endspiels der Australian Open 2026 sagte er: „Ich halte das für eine gute Idee.“ Seiner Meinung nach gebe es für die Einführung von drei Gewinnsätzen bei den Damen viele Spielerinnen, die das „unterstützen würden“. Becker: „Körperlich sind die meisten Damen dazu in der Lage. Und auch angesichts des gleichen Preisgelds für Männer und Frauen ist es sinnvoll.“

Laut Inforationen der US-Sport-Website „The Athletic“ will Turnierdirektor Tiley in den nächsten Jahren noch mehr in Melbourne verändern. So will er etwa das Design der Tenniscourts reformieren, beginnend mit der Abschaffung des Schiedsrichterstuhls. Die Schiedsrichter würden weiterhin eine Rolle bei der Überwachung der Spiele spielen, diese Aufgabe jedoch von einem Sitzplatz an der Seite des Platzes aus wahrnehmen. Die Rede ist von „einem Bunker“ unterhalb des Stadions. Von dort aus könnten sie auf den Platz kommen, um Streitigkeiten zu schlichten.

Australian Open mit mehr Tempo

Tiley will auch das Tempo der Matches beschleunigen, indem er zum Beispiel das Einspielen vor dem Match abschafft. Auf die Wiederholungen von Aufschlägen, die die Netzkante berührt haben, will er künftig ebenfalls verzichten. Stattdessen sollen die Ballwechsel einfach weitergehen. Die Sitzbänke für die Profis, auf denen sie während der Seitenwechsel Platz nehmen, sollen einige technische Gadgets bekommen. Sie sollen mit Heiz- und Kühltechnik ausgestattet sein, die körperliche Verfassung der Spieler messen können und über Bildschirme verfügen, auf denen die Profis möglicherweise Zugriff auf die gleichen Daten haben wie die Trainer – sofern die Regeln zur Datenerfassung entsprechend angepasst werden.

Grundsätzlich können die Australian Open solche Änderungen ohne die Zustimmung der Tennisverbände oder anderer Grand Slam-Turniere durchziehen. Man denke nur an die lange Zeit unterschiedlichen Zählweisen im Entscheidungssatz. Dort gab es viele Jahre keine einheitlichen Regeln bei den vier Majors.