Andre Agassi, Benjamin Becker

Benjamin Becker über Agassis Karriereende: „Es hat mich geplagt”

Benjamin Becker ging in die Geschichte ein als der Spieler, der die Karriere von Andre Agassi beendet hat. Im Interview mit dem Spiegel gestand der Deutsche, dass er dachte, dass er es nicht wert sei, Agassi als Letzter zu schlagen.

Gestern, am 29. April 2020, wurde Andre Agassi 50 Jahre alt. In der Sendung „kurz cross“ auf Sky wurde die Karriere von Agassi thematisiert. Neben Boris Becker war auch ein anderer Becker zugeschaltet, um über Agassi zu reden: Benjamin Becker. Der heute 38-Jährige beendete 2006 die Karriere von Agassi. In der dritten Runde der US Open siegte Becker, der als Qualifikant ins Hauptfeld kam, gegen sein Idol aus der Jugend. Becker gab zu, dass er sich das komplette Match erst vor Kurzem zum ersten Mal in voller Länge angeschaut hat.

Benjamin Becker: Der Kerl, der Bambi erschoss

Im Interview mit dem Spiegel sprach Becker ausführlich über das besonderste Match in seiner Karriere. „Ich habe Agassi immer nachgeeifert. Als ich dann derjenige war, der seine Karriere beendet hat, habe ich mich schlecht gefühlt. Es hat mich geplagt. Ich dachte, ich sei es nicht wert, ausgerechnet Agassi, der so viel für diesen Sport getan hat, als Letzter zu schlagen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn ihn Andy Roddick, der damals in der nächsten Runde auf mich wartete, rausgeschmissen hätte“, sagte Becker.

Andy Roddick, gegen den Becker dann im Achtelfinale verlor, war heilfroh, dass er nicht Agassis Karriere beenden musste und bezeichnete den Deutschen als „der Kerl, der Bambi erschoss“. Nach dem Sieg von Becker und dem damit verbundenen Karriereende von Agassi wurde der US-Amerikaner auf dem Platz minutenlang gefeiert. Agassi hielt anschließend eine emotionale Abschiedsrede. „Wenn ich nicht gespielt hätte, sondern als Zuschauer dabei gewesen wäre, hätte ich mit Sicherheit geweint“, sagte Becker.

Benjamin Becker: „Ich bin sehr darauf reduziert worden”

Die Geschehnisse nach dem Match sind auch mehr als zehn Jahre später noch präsent. „Als Agassi vor mir in die Kabine kam, sind alle Spieler aufgestanden und haben applaudiert. Als ich dann in den Raum kam, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill. Ich ging mit gesenktem Kopf zu meinem Platz und direkt unter die Dusche. Ich habe wohl noch nie so lange geduscht“, sagte Becker.

Auch wenn er es mit dem Sieg im Arthur Ashe Stadium in New York zu Weltruhm brachte, war der Erfolg gegen Agassi auch ein Fluch für den Deutschen, der ein ATP-Turnier gewann und es in der Weltrangliste bis auf Platz 35 schaffte. „Das Match gegen Agassi hat mir nicht nur geholfen. Ich bin sehr darauf reduziert worden. Das war nicht immer angenehm und auch nicht hilfreich“, blickte Becker zurück.